Heimatkreis Wollstein e.V.
                                                         Historischer Verein Wollstein und Umgebung

                

Wollsteiner Zeitung 1 / 2018

 Heimattreffen „60 Jahre Patenschaft“ in Uelzen

Am 7.10.2017 fand im Hotel „Deutsche Eiche“ in Uelzen-Veerßen das diesjährige Heimattreffen des Heimatkreises Wollstein e.V., verbunden mit dem Heimatkreis Neutomischel, unter dem Motto „1957-2017, 60 Jahre Patenschaft Landkreis Uelzen – Heimatkreis Wollstein e.V.“ statt.

Der Saal füllte sich ab 12:30 Uhr auf stattliche 150 Teilnehmer. Auch der auf dem Weg der Genesung befindliche langjährige Vorsitzende, Horst Eckert, nahm an der Veranstaltung teil.

 

Um 14 Uhr eröffnete der Posaunenchor das Heimattreffen, ehe K.-D. Stein die Feierstunde einleitete und die Ehrengäste begrüßte. Seitens des Patenlandkreises war in Vertretung des verreisten Landrats der stellvertretende Landrat Jörg Hillmer anwesend, ebenso der ehemalige Landrat Dr.Theodor Elster. Seitens des Kreistages waren anwesend der SPD Fraktionsvorsitzende Andreas Dobslaw und die CDU-Kreistagsabgeordneten Hans-Heinrich Sackmann und Karsten Jäkel. Die Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) war durch den Bundessprecher Dr. Martin Sprungala vertreten.

Herr Stein verlas dann die Liste der seit dem letzten Treffen verstorbenen Mitglieder und Heimatfreunden. Zum Totengedenken erhoben sich alle zur Gedenkminute – begleitet vom Posaunenchor unter der Leitung von Gudrun Backeberg.

Den ersten Kurzvortrag hielt Dr. Eike Eckert zu der Frage „Wie kam es zur Patenschaft?“ Auch für ihn neu war die Erkenntnis, dass die Antragstellung nicht nur einige Jahre bis zur Bewilligung dauerte, sondern dass auch die im Kreis angesiedelten Rastenburger sich um eine Patenschaft bemüht hatten. In der Patenschaftsurkunde vom 1.8.1957 ist zu lesen:

 „…Die Übernahme der Patenschaft soll der Verbundenheit zwischen alter und neuer Heimat einen sinnfälligen Ausdruck verleihen. Gleichzeitig soll damit für die deutschen Bewohner des Kreises Wollstein ein räumlicher Mittelpunkt und eine Pflegestätte des Gedenkens an die verlorene Heimat geschaffen werden.“ Im Heimatrundbrief Wollsteiner Zeitung (Nr. 2/2017) wurde dahinter vermerkt: „Dies ist gelungen!“

Anschließend stellte Gudrun Backeberg die aktuelle und auch vergangene Arbeit in dem Kurzvortrag „Der Heimatkreis heute“ vor. Angesichts der guten Darstellung wird erwogen, diesen Beitrag im nächsten Jahrbuch Weichsel-Warthe abzudrucken.

Nach einer weiteren musikalischen Umrahmung hielt der stellvertretende Landrat Jörg Hillmer das Grußwort des Patenkreises Uelzen. Er griff die christliche Terminologie der Patenschaft auf, die eine Hilfe für ein Patenkind sein soll, und stellte die Frage, wer in diesem Fall nun Pate und wer Patenkind ist, denn beide profitieren inzwischen voneinander. Er betonte die Bedeutung der ehemaligen Flüchtlinge und Neuankömmlinge aus dem fernen Posener Landkreis Wollstein, dass Alteingesessene und Neubürger seit 1945 die Geschichte des Landkreises Uelzen gemeinsam gestaltet haben.

Nach dem Lied „Kein schöner Land“, entrichtete der Bundessprecher Dr. Sprungala sein Grußwort, das unter dem Thema „Die Aufgaben der Landsmannschaft damals und heute“ stand.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Dr. Sprungala schilderte die humanitären Aufgaben der Hilfskomitees, der Heimatkreise und der Landsmannschaft nach 1945, aber auch ihre Funktion das Erlebte zu verarbeiten, Heimweh zu lindern, dazu die Heimattreffen und die Heimatgottesdienste im Ritus der heimatlichen Kirche durchzuführen.  

Der Sprecher hob auch die weit vorausschauenden politischen Aussagen der LWW hervor, die 1950 in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ ihren Niederschlag fanden: der Verzicht auf Rache und Vergeltung, die Schaffung eines geeinten Europas und der Wiederaufbau Deutschlands und Europas.

Was alles dazu gehörte, schilderte der Referent: die sozialen Fragen der Mitglieder, der Lastenausgleich u. v. a. m.

Die Weitsicht der LWW zeigte sich auch in dem Motto des Bundestreffens von 1961 „Brücke der Verständigung“. Das ist bis heute das Motto der LWW. Um diese Brücke sein zu können, gab und gibt es Begegnungen aller Art mit dem ehemaligen Nachbarn Polen. So unterstützte die LWW die „Lindenfelser Gespräche“ (1964-79) zwischen deutschen und polnischen Historikern unter der Leitung und Initiative des LWW-Mitglieds Prof. Dr. Gotthold Rhode. Und heute trifft man sich zu Konferenzen in Wolsztyn, wie im kommenden November der Heimatkreis Wollstein, der zu einer Tagung zum Thema Reformation in die alte Heimat eingeladen worden ist.

Dr. Sprungala schilderte den Wandel der Aufgaben seit 1990. Heute ist es die Aufgabe der LWW den Generationswechsel von der Erlebnis- zur Bekenntnisgeneration zu begleiten und zu gestalten. Weiterhin gilt es, das Wissen zu erhalten, niederzuschreiben, damit die nachfolgenden Generationen darüber informiert werden können. Mit den Worten „Die LWW ist und bleibt eine Brücke der Verständigung. Dies ist ihr heutiger Auftrag“ schloß der Sprecher.

Nach einem weiteren Lied meldete sich Horst Eckert zu Wort und dankte dem Patenkreis und kam auf die Frage von Herrn Hillmer zurück, wer hier Pate und wer Patenkind sei. Sonst sei es stets der Fall, dass bei Jubiläen die Patenkinder um Geld bitten, aber heute liefe das umgekehrt. Der Heimatkreis hat sich zu einer Spende von 600 € für die Uelzener Bürgerstiftung entschlossen, um den Dank auch in dieser Form an den Patenkreis zurückzugeben. Die Bürgerstiftung wurde einst vom anwesenden Landrat (a. D.) Dr. Theodor Elster gegründet und Horst Eckert war ihr langjähriges Vorstandsmitglied.

Mit dem Singen der Nationalhymne endete die Feierstunde und der gesellige Teil folgte bei Kaffee und Kuchen. Abends gab es dann natürlich auch dieses Mal das heimatliche Grützwurstessen mit rund 90 Teilnehmern.

 

Pokal- und Preisschießen in Suhlendorf

Wieder erfolgreich waren die Schützen des Heimatkreises Wollstein e.V. in Suhlendorf, Krs. Uelzen, im November 2017 beim Preisschießen des Schützenvereins Nestau und Umgebung.

Alle sieben teilnehmenden Schützen des Heimatkreises Wollstein e.V. räumten einige größere Fleischpakete beim Preisschießen ab.

Den Wanderpokal des Heimatkreises gewann mit 26 Ringen - von 30 möglichen – Elisabeth Stein aus Bad Bevensen (Alt Widzim). Auf Platz 2 folgte mit 24 Ringen Arnold Schüler aus Oetzen Scharke - Hohenbrück) und Platz 3 mit 23 Ringen belegte Gudrun Backeberg aus Bad Bevensen – Giering/Neuborui.

Anschließend wurde noch in geselliger Runde geknobelt und Skat gespielt, wo wiederum Fleischpreise als Gewinne ausgelobt waren und gewonnen wurden. HE

 

Adventsfeier Heimatkreis Wollstein e.V

Unsere Adventsfeier am 10.12.2017 im Hotel „Deutsche Eiche“ in Uelzen-Veerßen war erfreulich gut besucht. Wir konnten uns über 103 Besucher freuen.

Es waren Heimatfreunde aus dem Kreis Uelzen, den Nachbarkreisen Wolfsburg, Northeim und Lüneburg angereist. Als Gäste begrüßte der Vorsitzende Horst Eckert Herrn Landrat Dr. Heiko Blume vom Patenkreis Uelzen, der in seinem Grußwort noch einmal auf die 60-jährige Patenschaft einging und die Arbeit des Heimatkreises lobte.

Aus Anlass des 60-jährigen Patenjubiläums konnten wir Herrn Probst Jörg Hagen vom Kirchenkreis Uelzen begrüßen, der die Adventsandacht hielt. Da heimische Pastoren nicht mehr zur Verfügung stehen, haben seit Jahren Geistliche aus dem Kirchenkreis Uelzen die Adventsansprache gehalten.

Zur musikalischen Ausgestaltung hatte Frau Gudrun Backeberg (Giering/Neu Borui) wieder den Wollsteiner Posaunenchor aktiviert, der auch beim Singen die notwendige Unterstützung leistete. Seit fünf Jahren sind die Bläser bereit, bei uns zu spielen.

Zu Vorträgen und Lesungen haben Frau Annegret Tissler geb. Adam (Goile) und Renate Eckert geb. Jaensch (Rakwitz) beigetragen.

Nach der Pause, die reichlich Kaffee und Kuchen bot, hielt der Vorsitzende einen heimatgeschichtlichen Vortrag über den Neubau der ev. Kirche in Wollstein (1830 – 1832). Insbesondere würdigte er den Preußischen Baumeister Friedrich Karl Schinkel, der die Kirche zu Wollstein entworfen hat. Auch die Meseritzer ev. Kirche trägt die Handschrift von Schinkel.

Traditionell sangen die Teilnehmer zum Abschluss unter Begleitung des Posaunenchores stehend das Weihnachtslied „O Du fröhliche ..“.

Die eingesammelt Kollekte dient zum Unterhalt der Wollsteiner Heimatstube im Handwerksmuseum Suhlendorf. H.E.

 

Ehrennadel für den Heimatkreis Wollstein

In seiner Begrüßungsansprache anlässlich der Adventsfeier lobte der Landrat des Kreises Uelzen die Arbeit des Heimatkreises Wollstein, die sich seit Jahren  in guter Zusammenarbeit mit dem Landkreis hervorhebt. Auch die vom Heimatkreis Wollstein e.V. durchgeführten erfolgreichen Bemühungen zur deutsch – polnischen Verständigung sind zu würdigen und die vielfältigen Veranstaltungen für die Wollsteiner vor Ort. Hinzu kommt der kommunalpolitische Einsatz des Vorsitzenden für die Bürger des Kreises Uelzen als Ratsherr und Bürgermeister in Bad Bevensen und Kreistagsmitglied des Kreises Uelzen mit langjähriger Tätigkeit im Kreisausschuss und im Vorstand der Bürgerstiftung des Landkreises Uelzen.

Die Vereinsarbeit war ohne mithelfende Heimatfreunde sicher nicht leistbar. Doch der Motor war der Vorsitzende.

Landrat Dr. Blume überreichte die Ehrennadel des Landkreises für die geleistete Arbeit des Heimatkreises stellvertretend an den Vorsitzenden Horst Eckert. (GB)

 

Verehrte Gäste, liebe Heimatfreunde,                   Advent 10.12.2017 

Auszug aus der Begrüßung des Vorsitzenden anlässlich der Adventsfeier 2017

Die „geruhsame Vorweihnachtszeit“ gibt es schon lange nicht mehr.

Von früher wird begeistert erzählt, dass in dieser Zeit - auch noch im Januar- das „Federnschleißen“ auf den Bauernhöfen im Kreise Wollstein stattgefunden hat.

Das gibt es nicht mehr, in der Adventszeit von heute werden die fertigen Oberbetten in Geschäften erworben.

Was sich nicht geändert hat, ist die Veranstaltung von Adventsfeiern, die es bei uns im Kreis Wollstein in der Adventszeit überwiegend in den Dörfern gab. Organisiert wurden sie von Mitgliedern des Kirchenvorstandes aus den jeweiligen Orten.

Hierzu eingeladen wurde der Herr Pastor und auch andere Gäste u.a. auch der deutsche Lehrer oder der deutsche Gutsbesitzer, wenn es einen im Ort gab. An die Kinder wurden kleine Geschenke verteilt und die Dorfarmen bekamen Lebensmittel überreicht, die vorher in der Gemeinde zusammengetragen wurden…..

Die Adventsfeier ist für uns ein wesentlicher Bestandteil unseres jährlichen Veranstaltungskalenders, solange es unsere Gemeinschaft hier schon gibt. Neu-Hochdeutsch ausgedrückt, gehört die Adventsfeier mit zum „Kerngeschäft“ unserer Aktivitäten.

In der Heimat durchgeführte Adventsfeiern galten neben dem kirchlichen Auftrag auch dem Zusammenhalt der evangelischen Deutschen - und überwiegend den Kindern. Sie sollten eine

Begegnung in deutscher Sprache erleben, gemeinsam deutsche Lieder singen und auch eine Weihnachtsgeschichte in Deutsch hören.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der deutschen Minderheit sollte damit gefördert werden.

Heute gelten unsere Veranstaltungen dem Kennenlernen und der Begegnung der Menschen aus dem Kreise Wollstein und deren Nachkommen, der Weitergabe unserer Traditionen und der Geschichte.

Unser Veranstaltungsangebot und unsere Aktivitäten in diesem Jahr waren wieder vielfältig und wurden gut angenommen. Oft war aber die Belastbarkeit des Ehrenamtes erreicht.

Hervorzuheben ist hierbei unser jährliches Heimattreffen, das in diesem Jahr des Gedenkens an die 60-jährige Patenschaft mit dem Landkreis Uelzen erinnerte. Wir hatten bei dieser Veranstaltung einen guten Besuch.

Im Mai waren wir wieder mit dem Bus in Wollstein. Ein Höhepunkt bei dieser Fahrt war das Besteigen des Kirchturms der evangelischen Kirche, von dem die Teilnehmer einen tollen Ausblick auf die Dächer der Stadt und den Wollsteiner See hatten. Auf dem Dachboden der Kirche entdeckten die „Turmbesteiger“ eine gewaltige Balkenkonstruktion, die für das Dach und die Decke in der Kirche erforderlich war.

Für die Renovierung der Kirche – die unter Denkmalschutz steht – bat uns der Probst aus Wollstein, um eine Spende. Dank vieler zweckgebundener Spenden haben wir unser Ziel erreicht und für die Renovierung eines Fensters der ehemaligen evangelischen Kirche in Wollstein eine Patenschaft übernehmen können. Die dafür erforderlichen 6.000 € haben wir in diesem Jahr übergeben. (Ein Fenster kostet im Durchschnitt 7.000 €)

Erstmalig ist es uns gelungen, einen Schüleraustausch mit polnischen Schülern vom Wollsteiner Lyzeum (bei uns Gymnasium) und deutschen Schülern vom Lessing- Gymnasium in Uelzen zu vermitteln. Federführend durchgeführt wurde der Austausch unter der Leitung des Gustaf-Stresemann-Institutes in Bad Bevensen/Medingen.

Unser Beitrag war, die Schüler über die Flucht und Vertreibung aus dem Kreise Wollstein  zu informieren. Wir haben einen Ausflug nach Salzwedel organisiert, einen Teil des Fluchtweges von 1945 befahren und den Ankunftsort Suhlendorf mit den Örtlichkeiten der Melde-, Verpflegungs- und Übernachtungsstelle der Wollsteiner im Jahre 1945 bekanntgemacht.

Besucht wurde auch der Gedenkstein in der Wilhelm-Klipp-Str., das Wollsteiner Lapidarium auf dem Friedhof und die Wollsteiner Heimatstube im Handwerksmuseum.

Die polnischen wie auch deutschen Schüler möchten diesen Schüleraustausch im nächsten Jahr in Wollstein weiterführen.

Insgesamt 10 Veranstaltungen konnten wir unseren Mitgliedern und Heimatfreunden im Jahre 2017 anbieten. Darüber sind wir im Vorstand sehr glücklich. H.E.

 

Treck-Erinnerungsfrühstück am 17.02.2018

Mehr als 70 Frühstücksgäste waren der Einladung gefolgt und Werner Gierke, der Organisator, hat sich darüber sehr gefreut. Der Vorsitzende Horst Eckert begrüßte die zahlreichen Gäste auf dem Saal des Gasthauses Wöbse in Suhlendorf und hieß auch Bürgermeister Hans-Heinrich Weichsel herzlich willkommen, der ein Grußwort der Gemeinde überbrachte.

Wir hatten für das „Frühstück“ beim Wirt nicht nur reichlich Speis und Trank bestellt, sondern auch ein informatives Programm vorbereitet. Frau Annegret Tissler geb. Adam (Goile) trug einen Bericht über die Flucht und Vertreibung von Hildegard Volkmann geb. Kernchen aus Karpitzko vor. Sie schildert in diesem Bericht auch die Situation im Landratsamt und der Stadt Wollstein nach dem 20.01.1945.

Arnold Schüler aus Hohenbrück/Scharke (Oetzen) stellte mit einem kleinen Film und Bildern die Geschichte und Daten eines Treckers vor, der von Volkstreu (Kaisertreu) bis Rosche das Treckfahrzeug der Familie Linke war.

Unser Schatzmeister Klaus-Dieter Leber hatte Zeitungsausschnitte aus den Januartagen 1945 und eine Landkarte mit eingezeichnetem Treckweg der Familie Lukas aus Neuborui (Neuhopfengarten) auf einem Computer gespeichert und vorgeführt. Auch die Einwohnerzahlen des Kreises Wollstein von 1945, getrennt nach Volksdeutschen, Umsiedlern und Polen. Der Vorsitzende hat die Bilder und Zahlenwerke erläutert.

Über die Umsiedlung aus der Buckowina/Rumänien nach Adamowo/Langenweiler (Wollstein) berichtete als Zeitzeugin Frau Berta Vogel geb. Koch. Der Weg führte die Familie durch sechs Lager u.a. Gratz und Lodz nach Langenweiler, Krs. Wollstein, wo die Umsiedlungskommission ihnen „Schlüsselfertige Häuser“ versprochen hatte. Sie mussten in ein von einem Polen gerade verlassenes Haus einziehen.

Über den nach dem Krieg üblichen Brotaufstrich auf dem Lande der Nachkriegsjahre berichtete Renate Eckert geb. Jaensch (Rakwitz) mit einem Gedicht über den „Zuckerrübenbrotaufstrich“. Die Verfasserin des Gedichtes stellt jedoch im letzten Vers fest, dass der jetzige „Sirup“ nicht dem damaligen Geschmack entspricht. Die „manchmal angebrannte“ Note fehlte.

Die Frühstücksteilnehmer waren wieder angenehm überrascht über den reichlich gedeckten Tisch und das geschichtlich interessante Programm. Man hatte sich auch viel zu erzählen von „daheeme“ und die jungen Besucher hörten aufmerksam zu. Einige Teilnehmer verabschiedeten sich mit dem Hinweis „bis zum nächsten Frühstück“.

 

Die Räumung Wollsteins im Jahre 1945 und die Flucht

Aufzeichnung von Hildegard Volkmann geb. Kernchen (verst.) aus Karpitzko/Seeberg – vorgetragen von Annegret Tissler geb. Adam (Goile), Oldenstadt.

Die letzte Weihnacht 1944 zu Hause, war nicht mehr so lustig. Der Krieg hatte viele Wunden hinterlassen. Aus der Ferne hörte man das Grollen der fallenden Bomben über Berlin; die Front kam immer näher.

Unsere ausgebombten und evakuierten Hamburger und Berliner mit ihren Kindern, die bei uns Zuflucht fanden, waren besorgt, auch die Eltern hatten Angst vor der Zukunft; keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Unser kleiner Ort hatte allein 13 Männer an der Front verloren.

Anfang Januar 1945 wurde mein Vater zum Volkssturm einberufen, der krank war. Am nächsten Tag brachte man ihn mit einer schweren Lungenentzündung und hohem Fieber wieder nach Hause. In der gleichen Nacht kam der Befehl, in wenigen Stunden die Heimat zu verlassen.

Ein eigenes Gespann hatten wir nicht. Mit dem Pferdegespann des Bürgermeisters Zinke wurden die Eltern mitgenommen. Herr Zinke war auch zum Volkssturm. Unsere polnischen Gesellen und Lehrlinge halfen Mutter beim Verladen, denn sie war allein und kopflos. Der Vater wurde in Federbetten und Decken eingepackt, nur das nötigste Gepäck wurde mitgenommen. Meine Oma nahmen Bekannte mit. Sie landete bei ihren Kindern in Berlin.

Ich konnte nicht mithelfen, denn ich arbeitete als Angestellte im Landratsamt und da gab es bei dem Aufbruch viel zu tun. Mein Verlobter war aus Norwegen unterwegs, denn wir wollten heiraten, alles war für die Hochzeit vorbereitet. Doch er musste von Berlin aus zur Einheit zurückkehren, man ließ ihn nicht weiterfahren.

Am angesetzten Polterabend verließen wir Karpitzko - Seeberg. Es war bitter kalt, viel Schnee lag auf den Straßen. Die Pferde hatten es schwer die voll beladenen Wagen zu ziehen. Viele hatten keine Wintereisen und so stürzten sie, fielen oft ganz aus. Die kleinen Kinder erfroren in ihrem Kissen. Endlose Kolonnen mit unbekanntem Ziel. Eine Menschenwalze auf verschiedenen Wegen. Ich wurde von meinen Eltern getrennt und musste zurück in die Dienststelle.

In der Dienststelle war Hektik. Keiner traute sich zu fragen, wie es weiter gehen sollte. Der stellvertretende Landrat, Herr Vollbrecht, brachte seine Frau und Kinder zu uns in die Dienststelle, wo er Anweisungen zur Flucht gab. Die Frau mit den Kindern tat mir leid, sie wirkte kopflos. Das polnische Kindermädchen sollte sie zur Hilfe mitnehmen.

Auch Herr Kroos, Leiter vom Wirtschaftsamt, verabschiedete sich von seiner Frau, besprach mit ihr, wo sie sich später treffen wollen.

Landrat Schneider sammelte noch alle Dienstsiegel ein. Im Heizungskeller wurden Mengen von Unterlagen verbrannt. Ich hatte mir von zu Hause einen Sack mit dem Federbett und einen  Koffer Kleidung geholt.

In der Robert-Koch-Oberschule war Sammelplatz. Ich hoffte aber mit dem Zug wegzukommen. Die Eisenbahner verluden ihre Familie mit Sachen und Möbeln und für mich war kein Platz im Zug. Ich ging zu Frau Dr. Engel und half ihr. Sie meinte, irgendwie kommen wir schon weg.

In der Nacht zum 20.01. kam die BDM Führerin und der Bannführer der HJ Stink besoffen zu uns mit Pistolen in der Hand und brüsteten  sich, sie schießen erst alle Polen ab, bevor sie das Feld verlassen.

Sie brachten auch die Kunde, dass sich Herr Vollbrecht in der Kreisleitung erschossen hätte.

Wir bekamen Angst, dass es ein Massaker geben könnte, doch der Alkohol machte die beiden Helden kampfunfähig.

Gegen Morgen kam ein Feuerwehrauto mit dem Amtskommissar aus Sierads, mit dem wir Wollstein verließen.

Überall brannten Feuer, so z.B. auf dem Brauereihof von Bloens. Dort hatte man auch Unterlagen verbrannt. In den Lagerräumen bei der Fa. Eisenschulz brannte es. Wer dort das Feuer gelegt hatte, wussten wir nicht.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

Auf dem Feuerwehrauto oben auf dem Dach bei der Kälte – im Auto war kein Platz mehr-fuhr ich bis Grünberg in Schlesien, in der Hoffnung, dort bei den Eltern meines Verlobten etwas von meinem Bräutigam zu erfahren und ihn zu treffen. Ein Polizist warf mir seinen dicken Pelzmantel zu, sonst wäre ich sicherlich da oben auf dem Dach erfroren.

In Züllichau machten wir Halt. Der Amtskommissar fuhr in ein in der Nähe gelegenes Dorf wo er seine Frau erschossen haben soll, wie sein Fahrer erzählte. Wir warteten auf seine Rückkehr. Dann fuhren wir weiter bis Grünberg, er hatte seine Liebste bei sich.

Im Feuerwehrauto saß Frau Doktor med. Irene Engel. Sie war in Berlin ausgebombt und dann mit den Kindern bis zur Flucht in Wollstein in der Adolf-Hitler-Straße wohnhaft. Ihre Kinder waren schon voraus nach Schleswig-Holstein mit der Wirtschafterin gefahren Frau Doktor blieb bis zuletzt. Sie wollte ihre Patienten nicht im Stich lassen, ich blieb bei ihr.

Von Grünberg aus hatte ich keine Möglichkeit mehr weg zu kommen und erlebte dort den Einmarsch der Roten Armee.

Meine Eltern fuhren etappenweise, in dürftigen Quartieren bis Cottbus. Der Gesundheitszustand meines Vaters verschlechterte sich, dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Durch einen dort lebenden Schulfreund bekamen sie Unterkunft und ärztliche Hilfe. Nach ein paar Tagen, nach etwas Besserung ging es weiter.

Der Wollsteiner Treck war weitergefahren, sie verloren den Anschluss und landeten auf einem einsamen Gut Lindenberg bei Nauen. Alle Brücken über die Elbe waren gesprengt und mit einem Kranken konnte man kein Risiko eingehen. Geschwächt, hungrig erlebten sie durch das russische Militär und die in Deutschland verbliebenen polnischen Zwangsarbeiter schreckliche Zeiten. Dazu die Sorge um meinen Verbleib. Man brachte ihnen sogar die Nachricht, dass ich erschossen wurde. Ich war ihr einziges Kind. Im Juni 1945 wurde ich dann von den Polen aus Grünberg zu Fuß ausgewiesen. Auf dem Marsch wurden wir ausgeraubt. Ab Cottbus ging es auf einer Kohlen Lore in Richtung Berlin, wo ich über meine Verwandten versuchte, meine Eltern zu finden. Sie lebten bei Nauen, als ich sie fand. Meine Mutter war auf dem Heuboden warf Heu herunter. Als sie meine Stimme hörte, stürzte sie vor Schreck herunter. Zum Glück blieb sie unverletzt.

Kaum bei den Eltern angekommen, kamen russische Soldaten auf den Hof. Mutter zitterte vor Angst, sie würden mich vergewaltigen, was sie bisher bei jedem Besucht taten, wenn deutsche Frauen und Mädchen auftauchten. Ich hatte so viel Russisch gelernt, dass ich mich verständigen konnte und ich Ihnen eine Bescheinigung des Militärkommandanten von Grünberg vorzeigte. Daraufhin zogen sie ab, doch die ganze Nacht hatten wir kein Auge zu gemacht, aus Angst, sie könnten wiederkommen. Unser Dasein war das reinste Elend. Ich ging mit ihnen dann in den Kreis Rathenow, wo es auch nicht besser war. Ich versuchte dann näher an die Demarkationslinie zu kommen um eventuell Anschluss an den ehemaligen Kreis Wollstein zu bekommen, der ja im Kreise Uelzen eine Bleibe fand.  

In Oschersleben bei Verwandten suchte ich erst mal eine Bleibe. Ich fand Arbeit und konnte so für meine Eltern etwas sorgen. Eine Zukunft sahen wir für uns nicht. Mein Vater starb Silvester 1946

hier in Oschersleben an den Folgen der nicht ausgeheilten Lungenentzündung. Mutter bekam einen Schlaganfall, war arbeitsunfähig. Wir mussten uns recht und schlecht durchs Leben schlagen. Erst als mein Mann (Verlobter) aus der Gefangenschaft kam, ging es mir und meiner Mutter etwas besser. Doch die Jahre in der DDR Zeit waren kein Zucker lecken für uns.

1970 besuchte ich das erste Mal wieder die alte Heimat. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen hin, wurde von den alten polnischen Freunden herzlich aufgenommen. Die alte Freundschaft wurde wiederbelebt und hält bis zum heutigen Tage durch ihre Kinder an.

 

Wenn ich heute die Berichte der zurückgebliebenen Deutschen lese, dann wird mir bewußt, welchem schrecklichen Schicksal wir entgangen sind. Bei allem, was ich während der Flucht und Besatzungszeit erlebt habe, hatte ich Glück und einen Schutzengel. Als ich 1970 das erste Mal die Heimat besuchte, sagten meine polnischen Freunde, „gut , daß Ihr nicht hier ward, als der Russe kam, man hätte Euch umgebracht oder in ein Lager gesperrt.“

Solange es meine Gesundheit erlaubt, werde ich der Heimat treu bleiben. Ich könnte noch viele Begebenheiten und Erlebnisse während der Flucht und der Besatzungszeit berichten. Doch wer es nicht selbst erlebt hat, kann sich dieses Elend gar nicht vorstellen. Ich wünsche, dass es im Leben unserer Nachkommen nie wieder solch einen Krieg und solch eine Vertreibung gibt.

Menschen können grausame Bestien sein.                                                                                                                                                                 

 

Der „Deutz-Trecker“ aus Volkstreu/Kaisertreu

des Bauern Carl Linke

Auf der Flucht 1945 war es  das Pferd, das den Treckwagen aus dem Kreises Wollstein bis in den Kreis Uelzen gezogen hat. Bekannt ist weiterhin der Opel-Blitz (Holzvergaser) des Kaufmanns Heinrich aus Rakwitz und eine Zugmaschine der Firma Eisenschulz. Der Opel-Blitz wurde in Suhlendorf von einer Nebelwerfer Abteilung aus Celle beschlagnahmt. Wo die Zugmaschine der Firma Eisenschulz geblieben ist, ist unbekannt. Der Anhänger zur Zugmaschine war in Suhlendorf im Meldepunkt Koch’s Gasthaus abgestellt und letztmalig gesehen in Uelzen, aber nicht hinter der Zugmaschine der Firma Eisenschulz. Wir dürfen ruhig davon ausgehen, dass der Anhänger entwendet (geklaut) wurde.

Der Trecker wurde nach Ankunft in Rosche auf dem Hofe Schulze (Landrat Gerhard Schulze) versteckt. Nach Einkehr der ruhigen Zeit wurde er wieder dem landwirtschaftlichen Arbeitsprozess in der Landwirtschaft eingegliedert – als Lohnunternehmer.

In Wollstein hatte er das Kennzeichen P-34155 (Posen-), in Uelzen BN-50 -2491 (Britische Zone Niedersachsen), später UE-E 609. Heute, nach der Restaurierung UE-FM 315.

Bei einem Heimattreffen erzählte mir eine Frau aus Wiosker Hauland (Erlenhain)- sie wohnte in Hannover -, dass der Polnische Bürgermeister in Wiosker Hauland 1939 abgesetzt wurde und das Dorf verlassen musste. Bauer Carl Linke hat ihn aufgenommen und auf seinem Hof beschäftigt. Den Trecker bis nach Rosche hat der Sohn des polnischen Bauern gefahren.

Am 03. Juli 1945 wurde der Trecker wieder zugelassen unter der BN – Nr.. Nun wurde der Trecker in der Roscher Landwirtschaft eingesetzt. Am 05.08.1968 wurde er wieder abgemeldet und in der Landmaschinen-Schlosserei in Oetzen untergestellt, anschließend an die Firma verkauft.   

Der Heimatkreis wollte den Schlepper kaufen und mit freiwilligen Helfern wieder fahrbereit machen, doch unter nicht geklärten Umständen wurde er an einen Trecker-Sammler verkauft. Wir hatten im Vorfeld einen Preis geboten, der von dem Sammler auch nur  bezahlt wurde.

Der Sammler hat den Trecker restauriert– s. Bild – und uns zugesagt, bei Ausstellungen des Heimatkreises diesen bei Bedarf zur Verfügung zu stellen.

 

Wer war Carl Linke aus Volkstreu/Kaisertreu

In dem Buch „Saat und Ernte – Lebensbilder Posener Deutscher Landwirte“ Herausgegeben von Hans Freiherr von Rosen, schreibt er folgendes:

Carl Linke stammte aus einer um 1750 aus Schlesien in den Kreis Wollstein eingewanderten Familie. Sein Vater Heinrich L. besaß einen Hof von 33 Hektar in Podgradowitz – (Kaisertreu – Volkstreu d.Red.), die Mutter, Albertine Ziebol, kam ebenfalls aus einer Hauländerfamilie, aus Lenkerhauland bei Opalenitza. C.L. wurde am 13. Februar 1879 geboren. Bereits mit 16 Jahren musste er den väterlichen Hof übernehmen, der durch lange Krankheit des Vaters sehr gelitten hatte.

Trotz der schwierigen Jahre der Caprivi-Zeit brachte er ihn in kurzer Zeit auf beachtliche Höhe. Er begründete 1905 eine Zucht Schwarzbunten Herdbuchviehs sowie eine Zucht des veredelten Landschweins. Zahlreiche Medaillen und Ehrenurkunden aus deutscher wie aus polnischer Zeit wurden ihm zuteil. Die polnische Landwirtschaftskammer schickte ihn mehrfach mit einer Delegation zum Großeinkauf von Herdbuchvieh nach Ostfriesland. Sein Betrieb war anerkannter Musterbetrieb. Die Zuchten, die Edelmistbereitung, die Silo-Anlage, der Maschinenpark, einmalig in bäuerlichen Betrieben zu jener Zeit, wurde den Wollsteiner Landwirtschaftsschülern vor wie nach 1919 auf Besichtigungen vorgeführt.

Zum anderen trat C.L. vielfältig für die Belange seiner deutschen Volks- und Berufsgenossen ein. Er war Gründer der Ein- und Verkaufsgenossenschaft Rakwitz sowie der Molkereigenossenschaft ebendort, deren Vorstandsvorsitz er bis 1945 innehatte. Sodann war er Vorsitzender der Kreisvereinigung der Welage (Westpolnische Landwirtschafts- Gesellschaft – ein deutscher Verein) als solcher besonders aktiv, in dem er Gartenbauausstellungen, Kochkurse und Frauenveranstaltungen organisierte und ein allgemein reges Vereinsleben in Gang hielt, gute Redner zur Fortbildung der Bauern heranholte und dergleichen mehr. Lange Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat der Westbank an.

Er beschränkte seine Tätigkeit nicht auf wirtschaftliche Organisationen, sondern war auch Kirchenältester und Kreissynodaler. Als Lektor im Lesegottesdienst bekannte er sich sowohl zu polnischer wie zu nationalsozialistischer Zeit offen zu seinem Glauben. Er arbeitete aktiv im Wahlverein für den Kreis Wollstein, dem einzigen seiner Art, mit und war auch Gründer der Deutschen Vereinigung in seinem Kreis.

Im Jahre 1919 wurde er in Szcypiorno interniert, 1939 musste er den Leidensmarsch nach Kutno/Lowitsch mitmachen, bei dem gerade die Wollsteiner besonders hohe Blutopfer bringen mussten – (Kirchspiel Rakwitz 17 Tote d. Red.). 1945 gelang es ihm als Kreisbauernführer zusammen mit dem Landrat, die Bauern des Kreises ohne große Verluste in den Raum Uelzen zu bringen.

C.L. war mit Wanda Fechner und nach deren frühem Tod mit ihrer Schwester Anna verheiratet.

Sie hatten 3 Kinder. C.L. starb am 03. Oktober 1957 in Rosche, Krs. Uelzen.

 Verdiente Mitarbeiter im Heimatkreis Wollstein

In der WZ 1-2017 haben wir Wollsteiner vorgestellt, die sich in der Heimat um die Deutschen im Kreis Wollstein verdient gemacht haben. In dieser WZ wollen wir an Heimatfreunde erinnern, die sich nach Flucht und Vertreibung im Heimatkreis aktiv mitgearbeitet  haben. Wir können nur einige nennen. Hier wären u.a. aufzuführen:

 Edgar Böhm und Frau

Unser langjähriger Vorsitzender und unsere Vertrauensperson, der Eisenkaufmann Bruno Schulz verstarb im Dezember 1957. Als Nachfolger und Vorsitzenden wählte der Heimatkreis Edgar Böhm aus Uelzen.

Edgar Böhm ist in Tirschtiegel, Krs. Meseritz, geboren und war verheiratet mit Gertrud Böhm geb. Gorzitze aus Wollstein. Er war verheiratet und hatte 2 Kinder.

Aufgewachsen ist Edgar Böhm (B.) in Sawade (Zawade) Kr. Meseritz, Der Ort kam 1920 an Polen. Nach dem Schulbesuch machte B. eine Lehre als Großhandelskaufmann in Wollstein bei der Fa. Eisenschulz. Von 1935 – 1937 leistete B. beim polnischen Militär seine 2 Jährige Dienstzeit ab. Anschließend wieder zur Fa. Eisenschulz. Im Jahre 1942 zur Wehrmacht einberufen, 1945 sowjetische Kriegsgefangenschaft. Aus gesundheitlichen Gründen bald entlassen, begab er sich zur Familie nach Ebstorf, wohin sie der Treck von Wollstein verschlagen hatte.

Beruflich war er von 1949 – 1976 Buchhalter in der Firma Hoch- und Tiefbau- Schulze in Uelzen und wurde nach dem Tod des Firmenchefs Schulze  Mitinhaber der Firma..

Schon früh hat er sich in die Arbeit der Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) wie auch im Heimatkreis Wollstein aktiv eingebracht. Im Jahre 1958 übernahm er die Aufgabe des „Sprechers“ der Wollsteiner in der LWW, war bis 1970 stellv. Vorsitzender der LWW Kreisgruppe Uelzen und nach dem Ausscheiden von Hermann Netz ab 1970 bis 1988 dessen Vorsitzender. Er war im BdV Kreisverband Uelzen aktiv, Vorstandsmitglied in der LWW LV Nds., Kassenprüfer im LWW Bundesverband.

Die Tätigkeit in den Gremien wurde u.a. gewürdigt durch die Silberne Ehrennadel der LWW (Goldene gibt es nicht),  die Goldene Ehrennadel des BdV und das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Für seine Arbeit im Heimatkreis und der Landsmannschaft hat Edgar Böhm zusammen mit seiner Frau viel Freizeit geopfert. Er organisierte die jährlichen Heimattreffen, übernahm die Ausrichtung des „Heimatkirchentages“ und Ausgestaltung der dazugehörigen Kaffeetafel – wo er es immer verstand, die dafür notwendigen Helfer zu gewinnen.

Für Heimatfreunde in der „SBZ“ organisierte er zum Weihnachtsfest eine Päckchenaktion. Mehr als 50 alleinstehende Heimatfreunde ohne Kontakte in den „Westen“ waren in der Aktion erfasst. Auch hier haben Heimatfreunde unterstützt und „Packhilfe“ geleistet. Heimatfreunde im Kreise Uelzen besuchte er anlässlich runder Geburtstage wie auch bei deren Ehejubiläen und überbrachte die Glückwünsche der LWW oder des HKW.

In seiner Amtszeit findet die „Vereinsgründung“ des Heimatkreises und die Einrichtung der Heimatstube im „Haus Wollstein“ in Bad Bevensen statt.

Seine Aktivitäten haben viele Heimatfreunde erreicht und damit einen Grundstein für das weitere Bestehen des Heimatkreises gelegt.

Weiterhin sollen in Kurzfassung noch folgende Personen Erwähnung finden:

Gerhard Fabiunke geb. 04.10.1909 verst. 03.08.1983 war selbständiger Landwirt in Niederhausen, Krs. Wollstein. Er war verheiratet mit Ida Fabiunke geb. Redlich aus Niederhausen. Der Ehe entstammen 3 Kinder.

Nach der Kriegsgefangenschaft im Jahre 1945 in den Kreis Uelzen entlassen. Die Familie war nicht geflüchtet und wurde 1946 aus Polen ausgewiesen. Berufstätig nach 1945 in der Forstwirtschaft, anschließend auf dem Gut von der Wense in Holdenstedt bis zur Rente. Schon früh betätigte er sich in der Vertriebenenarbeit – im BdV, der LWW und dem HKW.

Nach Verrentung Tätigkeit in der BdV Geschäftsstelle in Uelzen und Schatzmeister des BdV KV Uelzen. Im HKW war er im Vorstand aktiv, in der LWW und im HKW Schriftführer. Die Interessen der Vertriebenen in Holdenstedt vertrat er im Gemeinderat von 1956 – 1972. Einige Jahre war er auch Bürgermeister in Holdenstedt. Nach der Gebietsreform 1972 ausgeschieden.

Ausgezeichnet mit der „Silbernen Ehrennadel“ der LWW, und der „Goldenen Ehrennadel“ des BdV.

Wilhelm König geb. am 04.10.1893 verst. am ? war verheiratet mit Emma geb. Schulz aus Mariendorf/Paulswiese.

Seine Verdienste sind die  Tätigkeit als Flüchtlingsbetreuer, später ehrenamtlich, Vorstandstätigkeit in der LWW und im Heimatkreis. Viele Wollsteiner haben nach seiner Beratung den Mut gefasst und ein Haus über die Landgesellschaft Nds. gebaut. Viele Anträge hat er für Heimatfreunde gestellt, Formulare ausgefüllt und Hausbesuche mit dem Fahrrad durchgeführt. Heute ist dieses Fahrrad in der Heimatstube ein Museumsstück.

Franz Senftleben aus dem Kreise Lissa, hat in Wollstein bei der Fa. Eisenschulz eine kaufm. Lehre absolviert, blieb danach in der Firma. Wurde im September 1939 als kommissarischer Bürgermeister in der Stadt Wollstein eingesetzt, bis aus dem Altreich Verwaltungspersonal ihn ablöste. War Soldat in der Wehrmacht. Nach Entlassung aus der Gefangenschaft tätig als Verwaltungsangestellter beim LK Uelzen bis zur Rente. Im Heimatkreis aktiv. Langjähriges Vorstandsmitglied.

Martha Schauer geb. Bohr aus Rakwitz, geb. am 10.Mai 1898 in Hammer, verh. mit Artur Schauer aus Jablone, Kreis Wollstein. Für das Hilfskomitee der Posener ev. Kirche hat Frau Schauer viele Jahre  den „Posener Kirchentag“ in Uelzen organisiert mit einem heimatlichen Pastor, der heimatlichen Kirchenordnung und Abendmahl in der St. Marienkirche zu Uelzen. Später hat Herr Böhm diese Veranstaltung übernommen.

Kommen Sie einmal in die Nähe von München, so besuchen Sie doch einmal das Kallmann-Museum“ in Ismaning . Sie finden es in der Schloßstr. 3 b. Der Maler Prof. Kallman ist ein Sohn des letzten preußischen Kreisarztes in Wollstein. Der Vater sollte 1919 von polnischen Milizen verhaftet und in das Internierungslager Szcypiorno verbracht werden.Konnte jedoch vorher fliehen. Die Familie hat im Jahre 1919 Wollstein verlassen. Unter „www..kallmann-museum.de“ schauen Interessierte in das Programm.