Heimatkreis Wollstein e.V.
                                                   Historischer Verein Wollstein und Umgebung 

 

 

Wollsteiner Zeitung Nr.: 1/2021

Liebe Mitglieder und Heimatfreunde

des Heimatkreises Wollstein e.V. und Neutomischel


„Corona“ beschäftigt uns weiterhin  (wie andere Vereine auch)


Wir haben nicht geglaubt, aber haben gehofft, dass wir uns im Frühjahr 2021 wiedersehen. Doch der augenblicklichen Entwicklung nach glaube ich, dass es noch eine Weile dauern wird, bis wir uns in einer größeren Gemeinschaft treffen können. Die schleppende Impfung der Bevölkerung verzögert auch unsere Planung umzusetzen. Es bleibt uns nur noch Geduld zu haben und zu warten. Schuldige, für die nicht reibungslos laufende Bewältigung dieser Pandemie, waren in den Diskussionen der Menschen „schnell ermittelt“. Es sind die, die es nicht geschafft haben, dass „Richtige“ zu tun oder zu veranlassen. 

Aber was war oder ist das Richtige! „Corona“ ist vielseitig geworden. Die Schuld wurde nur bei der Politik gesucht, das war auch nicht richtig. Für uns ist auch interessant zu wissen, dass die vereinbarten Impfdosen nicht geliefert werden können.  Und was ist passiert mit dem Impfstoff?  Die Industrie hatte die bestellten Mengen gar nicht und die produzierten, hat sie teilweise an den Meistbietenden verkauft und nicht an den Vertragspartner, der mit dem Produzenten einen niedrigeren Preis vereinbart hatte. Und es gibt kein Verbot, dass dieser Impfstoff aus der EU nicht exportiert werden darf. Das es zu solchen Geschäften kommt, hätte die Politik und Verwaltung vorher erkennen müssen. In geschäftlichen Dingen ist die „soziale Marktwirtschaft“ (was nur ein Begriff in Deutschland ist) und der „Ehrbare Kaufmann“ in dieser Welt scheinbar nicht mehr gefragt. Beispiele dafür gibt es genug und nicht nur in der Politik. Denken Sie an den Diesel-Skandal! Auch haben wir zu berücksichtigen, dass der Bund den Ländern keine wesentlichen Vorgaben im Gesundheitswesen machen kann.  Diese Erkenntnis kam beim Bürger erst sehr spät an. Da sind im „Ländle“ die „Kurfürsten“ mit ihren Landesparlamenten zuständig. Und das sind immerhin 16! Die Bundesregierung hat nicht die Möglichkeit an allen Ländern vorbei, einheitliche Maßnahmen durchzusetzen. Hierzu bedarf es einer Gesetzesverschärfung durch den Bundestag, die wahrscheinlich vom Bundesrat nicht beschlossen wird, weil die Länder keine Kompetenzen abgeben wollen. Es wird ein langer Weg bis dahin werden, weil alle „Kurfürsten“ für Ihre Länder noch Wunschträume haben. Abschließend eine Frage auf Ehre und Gewissen: Hatten Sie schon einmal eine Situation im Leben, die für Sie vollkommen neu war? Haben Sie da alles richtig gemacht?

Die „Corona“ – Krise wird uns noch lange beschäftigen. Und die Enkel werden daran noch finanziell zu beißen haben. Das Tagesgeschehen sollte Ihnen nicht so sehr zu schaffen machen und lassen Sie sich nicht in die Einsamkeit drängen. Suchen Sie Gesprächspartner und rufen Sie den an, mit dem Sie schon lange einmal reden wollten. Der Betreffende freut sich darüber, dass Sie die Initiative ergriffen haben. 

Der Heimatkreis wünscht Ihnen alles Gute – vor allem Gesundheit! Und lassen Sie sich impfen!


Räumung der Stadt Wollstein im Januar 1945 (und Kreis)

Eine „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa“, wurde im Jahre 1954 vom „Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte“ herausgegeben. Im Band I/1 sind Berichte über „Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße“ veröffentlicht und jetzt im Internet nachzulesen. Sie finden unter den verfassten Berichten auch den von Landrat Rolf Schneider vom 11.Sept. 1952 über Wollstein. Die Grundlagen zu diesem Bericht hat der Kreisleiter der NSV Hehle, Wollstein, aufgezeichnet. 

Dieser Bericht vom 11.Sept. 1952 ist ein unveränderter Nachdruck aus der Ausgabe von 1954. Veröffentlicht im Internet durch den „Bund der Vertriebenen (BdV), Bonn.“ Sie finden den Bericht im Internet unter: Heimatkreis Wollstein Nr. 101 Überblick über die Räumung der Stadt Wollstein.

Über den Treck liegen noch 2 Meldungen des Landrates – aus Frankfurt/O. und Baruth vor. Diese waren an die Gauleitung des Warthelandes in Potsdam gerichtet (Ausweichort). Der Gauleiter befand sich nicht mehr in Potsdam. Er war bereits in Bayern im Urlaub und hat dort das Kriegsende erlebt. Er hat den Treck aus dem Warthegau nicht begleitet.


Pilze aus dem Kreis Wollstein

Bei einem Telefonat mit einem „Wollsteiner“ – ich wollte den Dorfplan seines Heimatortes ergänzen – erzählte er mir so nebenbei, dass er nach Möglichkeit nur heimische Produkte kauft. Mich machte sein Hinweis neugierig, welche Produkte er mir aus dem Kreis Uelzen empfehlen wird. Weit gefehlt – er meinte Lebensmittel aus dem Kreis Wollstein. Speziell die Pilze. Dann verriet er mir, wo ich diese erwerben kann. Und wenn Sie Glück haben, gibt es sie auch in Ihrer Nähe.

Sie mögen auch gerne Pilze, z.B. Champignon’s? Sie können diese in weiß oder in braun im Edeka-Markt kaufen. Die Pilze sind verpackt und die Verpackungen tragen die Anschriften der „Pilzfarm“ aus dem Krs. Wollstein (Wioska 38  64-308 Jablonna und Chorzemin 114  64-200 Wolsztyn. Vielleicht haben Sie Glück und der Edeka-Markt in Ihrer Nachbarschaft hat diese Pilze auch.

Die Weißen Pilze kommen aus Chorzemin/Weitwiesen und die Braunen aus Jablone/Waldgabel. Und nun kommt der nächste Zufall. Bei der Studienfahrt des HKW 2011 mit Landwirten aus dem Kreis Uelzen, haben die Landwirte Informationen über die polnische Landwirtschaft gesammelt. Im Programm war u.a. auch die „Pilzproduktion“ in Chorzemin.

Als Musterbetrieb stellte man uns diese Pilzanlage vor. Hier waren bereits mehrere „Pilzhäuser“ für Champignon in Betrieb und 5 weitere Anlagen in Planung. Stallungen waren z.T. als Wohnanlagen für ausländische Gastarbeiter umgebaut. Für die 5 weiteren Pilzhäuser wurden 30 Arbeiter gesucht, die überwiegend aus Weißrußland oder der Ukraine angeworben wurden. Nicht aus Polen – die Löhne waren im Vergleich zu hoch. Die Anlage machte einen sauberen, ordentlichen Eindruck, der von den Landwirten aus der Heide erstaunt z.K. genommen wurde. Betriebsleiterin war die Tochter der Familie, die in Hamburg Jura studiert hat. Um das Kaufverhalten der Deutschen zu ergründen, arbeitete sie in Hamburg auf Wochenmärkten. Sie kam zu dem Ergebnis, dass der deutsche Verbraucher lose Ware bevorzugte. In dieser Zeit hat Sie auch Abnehmer für die Pilze aus Chorzemin angeworben und konnte somit mit dem Export der Pilze beginnen. Zur Zeit unseres Besuches wurden 90% der Produktion nach Deutschland verkauft und mit eigenem LKW dorthin angeliefert. Auf dem Rückweg brachten sie den „Pilzboden“ aus Deutschland mit, auf dem die Pilze gezüchtet werden. Er wird in Chorzemin nicht selbst produziert. Die Tochter sprach fließend Deutsch und hatte den Betrieb im Griff!

Es gibt u.a. auch Wurstprodukte, wie wir sie auch aus Wollstein kennen, die aber im Krs. Uelzen produziert werden und zwar ist es die „Polnische“ und die „Semmelwurst“. H.E.


Das Wollsteiner Krankenhaus

Das Krankenhaus Wollstein, dass bei den Wollsteiner Stadtrundfahrten mit dem Bus zu sehen ist, liegt in der Nähe des Schützenhauses im Ostteil der Stadt. Es ist eine Spende des Generalkonsuls Freiherrn von Goldschmidt-Rothschild und wurde 1906/1907 erbaut und am 20. Juni 1907 bezogen.  Wie kommt der Kreis Bomst in Wollstein zu solch einer Spende? Es ist ein Geschenk des Freiherrn zur Silberhochzeit des Kaisers und Königs Wilhelm II und seiner Frau Auguste-Viktoria.


Auf der Tafel findet der Leser Grund der Spende.

Doch nun der Reihe nach – wer war der Spender. Der Spender Maximilian Goldschmidt trat 1862 in das Bankgeschäft seines Vaters ein und erlernte dort das Bankgeschäft. Im Jahre 1873 verstarb sein Vater. Die Bank wurde von ihm und seinem Bruder Adolf bis 1900 weitergeführt und anschließend aufgelöst. Sein Bruder ging nach Paris und anschließend nach London. Maximilian Goldschmidt – inzwischen verheiratet (1878) mit der Rothschild-Erbin Minna Karoline Freiin von Rothschild (1857 – 1903) – ging nach Berlin. Im Jahre 1901 verstarb sein Schwiegervater. 

Maximilian Goldschmidt war bereits bei der Eheschließung der reichste Mann im Kaiserreich mit einem geschätzten Vermögen von 163 Mill. Goldmark. Goldschmidt bemühte sich nach dem Tode seines Schwiegervaters um die Übernahme des Freiherrentitels und die Ergänzung seines Namens „von Rothschild“ in „von Goldschmidt – Rothschild“.

Sein Schwiegervater war in Frankfurt/M. k. u k. österreichisch-ungarischer Generalkonsul.  Auch für dieses Amt bewarb er sich. Schon im Jahre 1902 erhielt Goldschmidt die Ernennung zum Generalkonsul und wurde Nachfolger. Bereits im Jahre 1903 durfte er den Namen „von Goldschmidt-Rothschild führen. Das war der einfache Adelsstand in Preußen. Erst 1907 folgte die Erhebung in den Freiherrenstand. Auch sein Sohn durfte den Titel Freiherr führen. Von Goldschmidt–Rothschild war die einzige Person jüdischen Glaubens, die von Kaiser Wilhelm II geadelt wurde.

Doch so eine adlige Erhebung gab es nicht umsonst. Die Person, die geadelt werden wollte, musste für das Gemeinwohl des Staates etwas geleistet haben. Hintergrund war sicher der Reichtum, der mit der Erhebung in den Adelsstand in Deutschland gehalten werden sollte. Der Wink für das „VON“ war u.a. eine Leistung in der Provinz Posen zur Verbesserung der Infrastruktur und Ansiedlung von Deutschen zu erbringen. 

Im Jahre 1899 kaufte er das Gut in Wroniawy (Niederweide). Alle die schon einmal mit dem HKW in Wollstein waren, kennen das Gut und den Ort Wroniawy. An der Dorfstraße stehen die Arbeiterhäuser im Ziegelbau aufgereiht und der Gutspark ist mit einer Ziegelmauer umgeben.

Das Güteradressbuch weist das Gut als Rittergut aus. Als Vorbesitzer ist Frau von Hesse-Hessenburg nebst Kindern in Berlin eingetragen. Es hatte eine Gesamtfläche von 2.123,44 ha. Hiervon waren 544,78 ha Acker, 845,21 Wiese (Obra-Wiesen),105,51 ha Weiden, 559,00 ha Holzungen, 24,59 ha Wasser, 44,25 ha Hofräume, Wege, Un- und Ödland, eine Dampfbrennerei, eigene Molkerei, Rindviehzucht (Kreuzung von Holländer und Oldenburger). 

Nach 1919 – zu Beginn der 20 er Jahre – hat sich von Goldschmidt – Rothschild von dem Gut getrennt. Es wurde in amerikanischer Währung an Polen günstig verkauft.

Das Krankenhaus in Wollstein stiftete er im Jahre 1906/1907 dem Kreis Bomst (s. Tafel). Sie können davon ausgehen, dass diese Stiftung auch im Zusammenhang mit der Erhebung geschehen ist. Die Krankenhaus-Situation in Wollstein war nicht sehr gut. Es gab dort einmal ein evangelisches und ein katholisches Krankenhaus. Sie wurden von einer „Schwester“ betreut. Im Winter halfen auch die „Brüder von der Straße“ aus.  Als Arzt war der Kreisarzt zuständig (z.B. Robert Koch). Hinter dem Robert-Koch-Haus steht so ein Krankenhaus, das heute das Tourismus-Büro beherbergt. Wo das 2. Krankenhaus war, weiß ich nicht. Mit dem Bau des Krankenhauses hat von Goldschmidt-Rothschild dem Kaiser und seiner Frau ein Geschenk zur Silberhochzeit (1905) gemacht und dem Landkreis Bomst eine soziale Wohltat. Vielleicht wollte er damit auch seinen Arbeitern auf dem Gut für den Fall der Krankheit etwas Gutes tun. Die Stiftertafel (li. Bild) war bis 1919 am Krankenhaus befestigt, wurde anschließend abgenommen, umgedreht und auf der Rückseite der Tafel folgender Text angebracht: „Fundatia Barona von  Goldschmidt Rothschilda pasiedziciela majetnosci Wronia w dla powiatu w roko 1906-07“. (re. Bild)

Wann die Tafel abgenommen wurde, ist nicht bekannt. Doch sie war plötzlich verschollen.Zur Wiederbeschaffung setzte in den 90 er Jahren in Wollstein eine Flüsterpropaganda ein: wenn die Tafel nicht wieder zum Krankenhaus kommt, wird der Besitzer der Tafel dort bei Bedarf nicht behandelt! Eines Tages war sie wieder da und ist nun wieder im Eigentum des Krankenhauses. 

Nach der Wende hat der HKW für das Wollsteiner Krankenhaus Betten organisiert und die „Spedition“ nach Wollstein war das THW Uelzen gegen Sachkostenerstattung. Auch an einer Spende für das Krankenhaus haben wir uns beteiligt. Alle Spender ab 1.000 Zlt. sind auf einer Tafel im Krankenhaus festgehalten. Darauf finden Sie auch den Heimatkreis.  Bei unseren Fahrten nach Wollstein mussten wir 3 x das Krankenhaus für Reiseteilnehmer nutzen. Einmal sogar für 14 Tage. Auch ich habe dort als Säugling 1939 einige Zeit verbracht. Während des 2. Weltkrieges wurde das Krankenhaus mit Baracken erweitert zu einer Gesamtkapazität von 180 Betten.

Heute ist es wieder ein Kreiskrankenhaus, modernisiert und erweitert.

Freiherr von Goldschmidt-Rothschild ist im Jahre 1940 in Berlin verstorben. Seine Villa wurde von den Nationalsozialisten enteignet. Er durfte in einer kleinen Wohnung im Hause verbleiben. Verarmt und mittellos.

Fundstellen: Wikipedia, Archiv HKW, Landrat Schneider, Güteradressverzeichnis 1893, Mündliche Überlieferungen. Ortsverzeichnis der Prov. Posen von 1910.


Wollstein hat einen neuen Bahnhof

Wollstein hat ein neues Bahnhofsgebäude. Bei uns ist dafür die Deutsche Bahn zuständig. Doch in Polen ist alles anders.   In Polen hat die Bahn/PKP die Bahngebäude an die Orte mit Haltestationen abgegeben und die sind jetzt für die Gebäude verantwortlich. Die Stadt Wollstein musste Millionen für den Neubau aufwenden, hat aber dafür ungefähr Zuschüsse in Höhe von zweidrittel der geplanten 12,4 Millionen PLN erhalten. Es hat jedoch nicht ganz gereicht, doch was dafür entstanden ist, wäre bei uns für 12,4 € nicht möglich gewesen. Neben dem Bahnhofsgebäude wurden auch die Bahnsteige und die Technik erneuert. Welche Bedeutung hatte der Bahnhof für die Region früher und welche hat er heute?

Die 1. Eisenbahnverbindung erhielt Wollstein im Jahre 1886 von Bentschen nach Wollstein. Mit dieser Anbindung war ein Reisen nach Posen und nach Berlin gegeben. Das Bahnhofsgebäude wurde erst 1895 errichtet und bereits 1902 umgebaut und erweitert. Im Jahre 1939 ist das Bahnhofsgebäude abgebrannt. Es war nicht die einmarschierende Wehrmacht, die den Brand verursacht hat. Während des Krieges waren die Schalter und Verwaltung der Bahn in einer Baracke untergebracht. Das Bahnhofsgebäude, das wir bei unseren Fahrten nach Wollstein kennengelernt haben, war ein Neubau, der nach dem Krieg entstanden ist. Wer schon in Wollstein war, wird sich an die Fußgängerbrücke erinnern, die über die Gleise in Richtung Stadt führt. Sie entstand nach 1908. Von hier aus hat der Betrachter einen guten Überblick über das Bahnhofsgelände. Die eingefahrenen Züge mussten oft bei größerer Länge bis in den Straßenraum halten. Damit die Fußgänger nicht so lange warten mussten bis sich die Schranken wieder öffneten, baute die Reichsbahn eine Fußgängerbrücke. 

In der Zwischenzeit war im Jahre 1905 die Bahnlinie Wollstein – Grätz eröffnet, die ab 1909 bis nach Luban (bei Posen) fertiggestellt wurde. Luban liegt an der Bahnstrecke Posen – Breslau. Nach Posen waren es von Luban noch 6,5 Km.

Hinzu kamen noch die Bahnlinien von Wollstein nach Lissa, Neusalz in Niederschlesien und Züllichau. Wollstein war ein Bahnknotenpunkt mit 5 abgehenden Eisenbahnverbindungen geworden. Daher erhielt Wollstein auch im Jahre 1907 ein Bahnbetriebswerk mit Wasserturm, Lokschuppen und Drehscheibe, auf denen die Loks auch wieder vor den Zug in Fahrtrichtung gedreht werden konnten. Das Besondere an dem Wasserturm ist, dass das dafür erforderliche Wasser für die Loks aus dem Wollsteiner See gepumpt wird. Damals war man schon umweltbewusst! 

In Wollstein musste nun, u. a. für die Bediensteten bei Bahn, Post, Amtsgericht, Schulen und Lehrerbildungsanstalt, Wohnraum geschaffen werden. So haben sich auch in Kl. Nelke Bedienstete niedergelassen. Bald schon bekam Kl. Nelke den Beinamen „Ziegenhauland“. Weil die öffentlichen Mitarbeiter wenig verdienten, wurden sie auch zu „Eigenversorgern“ und Produzenten von Milch.  

Beim Bau der Strecke Wollstein – Züllichau erhielt auch mein Heimatdorf Deutsch Zodien einen Bahnhof. Aber angeblich nur, wenn die Realgemeinde aus ihrem Wald kostenlos Baumstämme für Schwellen bereitstellte und kostenlos Sandfuhren für das Gleisbett anlieferten. So eine mündliche Überlieferung eines betroffenen Wirthes (Landwirt). Ein Zodiener Wirth hat für den Neubau seines Stallgebäudes eine Eisenbahnschiene als Träger gegen Geld eingetauscht. Der Nachbar wollte dieses Tauschgeschäft ebenfalls vollziehen, aber ohne Erfolg. Als der Stall fertig war, hat er den Wirth angezeigt. Es soll für damalige Verhältnisse ein etwas teurer Träger geworden sein. Aber Stall abreißen war noch teurer.

Fundstellen: Info vor Ort, Kursbuch RB 1944, mündliche Überlieferungen


Wenn Sie keine „Wollsteiner Zeitung“ (mehr) erhalten, kann es verschiedene Ursachen haben,

Sie haben z.B. die Datenschutzerklärung nicht zurückgeschickt oder Sie sind umgezogen und wir kennen Ihre neue Anschrift nicht. Das können Sie mit einer kurzen Mitteilung an den HKW ändern.

Es gibt aber auch postalische Fehler. Hier möchte ich Ihnen nur 2 Beispiele nennen: 

1. Ein Brief mit Rundschreiben habe ich 
-   richtig mit -,80 € frankiert-   die Anschrift war mit allen Daten richtig versehen, gestempelt von der Post am 06.12.2020.
Der Brief kam mit dem Aufkleber „Zurück/Retour“ Grund: „Sonstiges 09.12.2020-Namenszeichen“ des Postboten. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Empfänger umgezogen ist, griff ich zum Telefon und habe ihn angerufen. Auskunft: Ich wohne noch immer hier so wie die Anschrift lautet. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht im Urlaub und auch nicht im Krankenhaus. Mein Briefkasten wird täglich geleert, war nicht verstopft und damit aufnahmefähig. Nun, eine Briefmarke zu --,80 € macht den Verein nicht arm und da die Daten alle i. O. waren, habe ich den Brief mit einem Vermerk in den Briekasten geworfen, in der Hoffnung, er wird zugestellt. Irrtum! Er kam wieder zurück ohne Begründung. Nun habe ich mich beim Kundenservice der Post über den Vorgang beschwert weil wir wiederholt Rücksendungen hatten, wo sich durch mein Suchen herausgestellt hat: Der Empfänger war erreichbar!

2. Wieder ein Rücklauf eines Briefes mit dem Vermerk, der "Empfänger soll verstorben sein". Wieder das Telefonbuch gegriffen, Telefon-Nr. gefunden und angerufen. Und am Telefon war der Verstorbene. Er hat sich gefreut, dass ich ihn anrief, doch von dem Grund war er nicht erfreut.
Ich hatte den Eindruck, der Briefträger wird am nächsten Tag keinen guten Tag gehabt haben. Diese „Tragödie“ spielte in einem kleinen Dorf, nicht in der Großstadt.
 3. 
Das Ergebnis meiner Beschwerde bei der Post:

Antwort: Die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ der Post schließen eine Haftung wie auch einen Schadensersatz aus. Es sei denn, ich buche eine Zusatzleistung (wahrscheinlich Einschreiben). Die „ Zusatzleistung“ wär „Dialogpost“ – aber erst ab 1.000 Briefe.

Nun wissen Sie, wie Post „geht“. Sie müssen als Kunde alles richtig machen, nur die Post haftet nicht bei Fehlern der Post. Sie müssen in solchen Fällen eine 2. Briefmarke kleben und haben dann vielleicht noch das Pech, der Postbote schickt den Brief wieder mit dem gleichen Vermerk zurück. Das wäre jetzt ein neues „Geschäftsmodell“. Immerhin hat die Post 80.001 Zusteller (lt. Internet).

Fragen 

Immer wieder werden an mich Fragen herangetragen, die ich auch nicht immer beantworten kann. Oft wird gefragt, woher kommen meine Vorfahren. Die Literatur, die ich gelesen habe, zeigt immer wieder auf, dass viele aus Schlesien nach Polen eingewandert sind. Ganze evangelische Dorfgemeinschaften sind bei der Gegenreformation im 17. Jahrhundert mit ihren Pastoren in Richtung Lissa geflohen. Polnische Grundherren haben diese Flüchtlinge gerne aufgenommen und gründeten für diese Menschen Städte, u.a. Rakwitz und Unruhstadt. Aber auch aus den anderen Randprovinzen kamen die Einwanderer, z.B. Brandenburg. Die Grundherren hatten mit der Ansiedlung der Flüchtlinge die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landbesitzes im Auge, was auch gelang. Der kath. Klerus fand die Ansiedlung der evangelischen Glaubensflüchtlingen nicht gut und hat sich mit den Großgrundbesitzern oft gestritten. 

In diesem Zusammenhang wäre es einmal interessant darüber nachzudenken, ob die Bevölkerungsvermehrung im Kreis Uelzen nach 1945 auch wirtschaftliche Vorteile gebracht hat. Ich denke u.a. an die rege Bautätigkeit, die der Wohnungsmangel ausgelöst hat. 

Für die Gemeinde Großdorf im Restkreis Bomst bei Kopnitz liegen die Länder und Provinzen vor, aus denen die Ansiedlungskommission (nach 1886) Ansiedler werben konnte.

Im Jahre 1909 kamen aus (entnommen aus: Der Kreis Bomst – Eine Heimatkunde auf wissenschaftlicher  Grundlage – Lehrer Dobrindt-Großdorf).


  1. Schlesien  6 Familien mit 35  Köpfen  6. Galizische Rückwanderer   3 Familien mit    24 Köpfen
  2. Westfalen  6         „         37                       7. Posener                        3     „     22
  3. Hannover  5         „          34                        8. Pfälzer                         1     „       4
  4. Brandenburg  4    „         15                       9. Pommern                      1    „      11
  5. Hessen Nassau 4    „     30                    10.Russl. Rückwanderer    1    „        6

 

War auch Ihre Familie durch die Ansiedlungskommission in der Zeit von 1886 bis 1914 auf einer Ansiedlung angesetzt, so finden Sie die Akten in Gnesen im Archiv.

Sicher werden sich von den frühen Siedlern (17. Und 18. Jahrhundert) die Namen in irgendwelchen Unterlagen finden lassen, doch die stehen hier nur in seltenen Fällen zur Verfügung. Vielleicht hat man Glück, in den Filmaufnahmen der Mormonen fündig zu werden, die alles gespeichert haben.


 Das Pfingstfest

Erzählt von Martha Petras, aufgeschrieben von Harri Petras

Alle Christen feiern Weihnachten, Ostern und Pfingsten, obwohl die Reihenfolge eigentlich so lauten müsste: Ostern, Pfingsten, Weihnachten. Es fällt jedoch auf, dass es nur sehr wenige Überlieferungen zum Pfingstfest gibt, das sich heute als Beginn der institutionellen Kirche versteht. Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche.

Unsere Vorfahren, viel mehr mit der Natur verbunden – weil von ihr abhängig – interessierten die klerikalen Fragen weniger. Für sie war Pfingsten ein Freudenfest besonderer Art.

„Das Pfingstfest beschäftigte uns auch schon einige Tage vorher“, so Martha Petras, geb. Linke aus Brückenhauland. „Die Männer fuhren in den Wald, um Birkenzweige zu holen. Sie sollten mit ihrem frischen, hellen Grün allen Menschen verkünden, dass der Frühling tatsächlich da war, Gottes Natur, von der man doch abhing, tatsächlich wieder lebte. Vor unserem Haus in Brückenhauland vergruben die Männer stets vier armdicke Äste in der Erde, zwei links und zwei rechts neben der Haustür. So war uns Pfingsten (das Leben beginnt wieder) für mehrere Tage präsent.

Überall auf den Höfen wurde es so gemacht. Sogar zwischen die Staketen, also die einzelnen Latten des Zaunes, der unser Gelände einfriedete, wanden wir Birkenzweige, um unserer Fröhlichkeit Ausdruck zu verleihen. Im ganzen Haus standen Vasen mit jungen Birken, immer wieder sollten wir an die erwachende Natur erinnert werden. 

Ebenso standen vor der Kirche in Wollstein zwei mächtige Maibäume. Selbst in der Kirche schmückten Birkenzweige, jeweils an den Bankenden befestigt, das Gotteshaus, sodass wir Gläubigen, wenn wir in der Bank saßen, von Birkenzweigen eingerahmt waren. Es war schon ein erhebendes Gefühl, in solch einer geschmückten Kirche Gottesdienst zu feiern.“ 

Wilfred Redlich aus Ziegelscheune, etliche Kilometer nordwestlich von Brückenhauland hat Pfingsten so in der Erinnerung behalten:

„Am Tage vor Pfingsten wurden aus dem Wald junge Birken geholt und links und rechts an der Veranda aufgestellt und festgemacht. Auch die Veranda und das Haus selbst wurden mit Birkengrün geschmückt. Wenn man ins Haus kam, roch alles danach. Es wurde so eingerichtet, dass am Pfingstsonnabend Brot und viel Kuchen gebacken wurde. Mutter hatte kurz vor dem Fest alle Hände voll zu tun.Wir Kinder freuten uns schon auf Pfingstsonntag, denn da wurde die Kutsche angespannt, und die ganze Familie fuhr nach Kupferhammer zur Kirche. Unsere Kirche war an solchen Festtagen stets überfüllt. Nach dem Gottesdienst wurden noch Freunde und Bekannte begrüßt und zum Teil auch noch kleine Einkäufe gemacht, denn die Geschäfte hatten nach dem Kirchgang immer geöffnet, auch die Lebensmittelgeschäfte. Dann verließen wir mit forschem Tempo das Dorf. Zuhause angekommen, wurde ausgiebig Mittag gegessen. Im Dorf war meist auf dem Dorfplatz Rummel. Es wurde drei Tage lang gefeiert, vom 1. Pfingsttag bis zum 3. Feiertag. Meine Mutter nutzte den 3. Feiertag (Pfingstdienstag), um ihre Familie zu besuchen. Nach dem 3. Feiertag hatte uns der Alltag wieder.“ 

Zum Rummel berichtet Redlich an anderer Stelle: 

„Im Dorf war eine Schießbude aufgebaut, außerdem konnten sich die Kinder auf einem Karussell vergnügen – wenn denn jemand da war, der es bewegte, denn Strom kannte man damals noch nicht auf den Dörfern.“ 

Mit Sicherheit wird man in Jablone zu Pfingsten auch in die Kirche gegangen sein, und das Birkengrün ans oder ins Haus geholt haben, allerdings schreibt Ilse Schulz-Weitzel in ihrem wunderbaren Buch über das Dorf Jablone davon nichts. An Pfingsten feierte das Dorf Jablone aber sein Schützenfest. Der Verein durfte auch in der Polenzeit bestehen bleiben, „allerdings unter der Führung von polnischen Einwohnern. … Der Anführer war leicht gefunden“, schreibt Ilse Schulz-Weitzel dazu, „Johann Bock, zuerst Bauer in Jablone, später durch Einheirat Besitzer der Mühle. Er war katholisch und ‚katholisch’ hieß ‚polnisch’, entstammte einer deutsch-polnischen Familie, wie das bei Katholiken häufig der Fall war. … Es gab deswegen keine Probleme. Schließlich war man zusammen zur Schule gegangen. Gleich dreimal im Jahr wurden die Schützen aktiv: Pfingsten erfolgte das Königsschießen.“

Vom Gurken- und Kürbiseinlegen und Käsemachen in der alten Heimat

Hier berichtet Martha Petras, geb. Linke, wie sie das Gurkeneinlegen und Käsemachen auf ihrem elterlichen Bauernhof in Brückenhauland erlebt hat. Ihr Sohn, Harri Petras, hat es aufgeschrieben.

Salz- und Senfgurken

Der Tag des Schlachtens war für alle ein Kampftag, kein Schlachtfest im Sinne von Vergnügen oder von Schwelgen, eher ein Festtag in der Weise, dass man wusste, jetzt ist die Ernährung bis zum nächsten Jahr erst einmal wieder gesichert. Klar, wir aßen an diesem Tage tüchtig. Jeder konnte zugreifen, wie es ihm schmeckte. Und für die Männer gab es natürlich auch Schnaps und Bier zu trinken. Die griffen aber auch zu, wenn es Salzgurken gab, denn die schmeckten uns am besten bei dem fetten Essen, das wir zu uns nahmen. Gewürzgurken kannten wir in Brückenhauland und Teichrode nicht, die habe ich erst hier im Ruhrgebiet kennengelernt, wo ich nach der Flucht gelandet bin.

Salzgurken waren relativ leicht einzulegen. Wir benutzten dazu ein Holzfass, kochten Salz in Wasser auf, sodass eine richtige Salzlake entstand. Die Mutter machte sie so: Sie schüttete in das mit Wasser gefüllte Gefäß soviel Salz, das ein ungekochtes Ei darauf schwamm. Dann begannen wir mit dem Einschichten der Gurken. Darauf legten wir eine Schicht Sauerkirsch- und/oder Weinblätter, wieder kamen Gurken darauf, wieder Blätter usw. usf. Zur Geschmacksverbesserung legten wir sogar Dillstängel und Zwiebeln mit ein, aber das konnte jeder machen wie er wollte. 

Damit im Fass beim Aufgießen der Lake nicht alles durcheinander geriet, legten wir auf die oberste Schicht Gurken ein etwas kleineres Holzbrett als die Gefäßöffnung war und beschwerten dies mit einem vorher kräftig gesäuberten Feldstein, damit die Gurken immer unter der Flüssigkeit blieben. Erst wenn die Tonne annähernd mit Gurken befüllt war, wurde die Salzlake in das Fass gegossen.

Wir hatten einen solchen Heißhunger nach Salzgurken, dass wir schon nach drei Tagen die frisch eingelegten Salzgurken probierten. Vielleicht schmeckten sie schon salzig!  Nach acht Tagen merkte man deutlich am Geschmack den Einfluss des Salzes. Hervorragend schmeckten sie uns beim Kartoffelhacken im Oktober, wenn wir dazu „Schmeerbrote“ essen konnten.

Sehr gerne haben wir auch die Senfgurken gegessen. Heute kann man sie für viel Geld in manchen Geschäften in Gläsern kaufen. Meist steht auf dem Etikett: „nach echt schlesischem Rezept“. Unser Rezept ging ganz einfach. Im Oktober/November, wenn alle notwendige Feld- und Hofarbeit erledigt war, holten wir uns die dicken gelb gewordenen Gurken vom Boden, wo wir sie nach der Ernte abgelegt hatten. Manche von ihnen waren recht groß, teilweise hatten sie einen Umfang bis 50 cm. Das war auch gut so, denn wir wollten doch das Gurkenfleisch zu Senfgurken verarbeiten. Diese Gurken wurden zuerst gut gewaschen, dann geschält und in zwei Hälften zerteilt. Die Kerne schabten wir mit Löffeln aus jeder Hälfte heraus, sodass wir schließlich das reine Gurkenfleisch in Händen hielten. Dieses rieben wir mit Salz ein und ließen es über Nacht liegen. Anderntags schnitten wir die Gurkenhälften in Streifen, ein cm bis zwei cm breit, und die Streifen wieder in Würfel. 

Zuvor oder auch danach setzten wir die Flüssigkeit an, bestehend aus Wasser, in das Salz, Zucker und Essig, ja nach Geschmack, gegeben und in ihm aufgekocht wurde. Während des Kochens gaben wir die Gurkenwürfel in das heiße Wasser, durch das sie glasig wurden, je nach Größe und Kochzeit. Die glasigen Würfel nahmen wir aus der Flüssigkeit heraus und legten sie zum Abkühlen in ein Gefäß. Erst am anderen Tage legten wir die Senfgurken in Gläser ein: eine Schicht Gurken, eine Schicht Zwiebeln, Gewürzkörner, Dill, Meerrettich in Stückchen oder Scheiben, eine Schicht Gurken usw. Zuletzt schütteten wir die kalte Flüssigkeit ins Glas und banden es mit Zellophan zu. Etliche Wochen später, wenn die Wirkung der Gewürze in die Gurkenstückchen gezogen war, aßen wir mit Genuss unsere Senfgurken. Wir aßen sie nur so - ohne besonderen Anlass, manchmal auch als Beilage zu einem Gericht.

Eine weitere Möglichkeit, das Nahrungsangebot auf dem Hof zu erweitern, sahen wir im Anbau und Verbrauch von Kürbissen.

Die Kürbiskerne steckten wir auf die Hopfenkämme der einjährigen Pflanzen. Darin konnten sich die Kürbisse gut entwickeln, weil noch kein Hopfen geerntet werden konnte. Wie oft haben wir so große Kürbisse gehabt, dass nur zwei Männer sie tragen konnten. Wir Mädchen haben bei der Kürbisernte im Oktober natürlich auch geholfen, die Kürbisse auf die Leiterwagen zu legen. Manchmal kamen zwei oder drei Leiterwagen voll Kürbisse zusammen.

Auf dem Hof stapelten wir sie in zwei oder drei Schichten übereinander an einer windgeschützten Stelle auf und deckten sie mit Stroh gegen eventuelle Nachtfröste zu. Wenn das Wetter nicht mitspielte, waren manche Kürbisse schon ein wenig angefroren, wenn wir uns mit ihnen beschäftigten. Das machte aber nichts, denn wir schnitten die verdorbenen Stellen aus und verfütterten sie dann so schnell wie möglich an das Vieh. 

Die gesunden Kürbisse zerschnitten wir mit dem Runkelschneider in kleine Stücke oder zerstampften sie mit einem S-Eisen und verwendeten sie als Kuhfutter. Vielleicht bekamen die Schweine auch mal welche, die Pferde auf jeden Fall nicht. Die Kerne ließen wir trocknen und warfen sie den Vögeln im Winter als Futter hin.

Die besten Kürbisse schälten wir in der Küche, zerteilten und entkernten sie ebenfalls. Das Kürbisfleisch zerschnitten wir in Würfel und legten sie süß-sauer ein. Die Gewürze, Nelken und Zimt, steckten wir in einen kleinen Leinenbeutel, der während des Aufkochens der Kürbisstückchen mitkochte, damit sie nicht auf die Kürbisse abfärben konnten. 

Sobald die Kochzeit zu Ende war, schütteten wir die Kürbisstückchen mit der Gewürzflüssigkeit in 2-Liter-Gläser und banden sie mit Cellophan zu. Während des Winters haben wir sie gerne als Beilage zum Mittagessen verzehrt – und, das war das Wichtigste bei dieser Angelegenheit, sie kosteten kein Geld, belasteten also nicht die Haushaltskasse des Hofes. 

Auch nicht die Quarkbrötchen (Kasang bzw. Harzer Roller) und Kochkäse. Neben den Salz- und Senfgurken und eingelegten Kürbissen bedeutete für uns selbst gemachter Käse eine schöne Abwechslung in der Ernährung – auch wenn er nicht viel Energie = Kräfte verlieh.

Wir nahmen uns Quark und formten ihn mit den Händen zu handformgroßen brötchenähnlichen Klumpen, indem wir die Quarkmasse in der linken Hohlhand liegend mit der rechten Hohlhand zwei bis dreimal beklatschten (= formten, zurechtdrückten), dann wechselte der Quark in die rechte Hand und die linke beklatschte die Masse. Dieser Wechsel geschah mehrmals. War der Quark gut geformt, legten wir ihn auf ein Pappelbrett. Bald lagen zwischen 10 und 20 solcher „Quarkbrötchen“ nebeneinander. Die Garzeit verbrachten die Quarkbrötchen nun auf dem Dachboden. Dort trocknete die Feuchtigkeit aus ihnen heraus. Manchmal überzog schon eine grünliche Schimmelschicht unsere Kasang (= kleinen Käse), wenn wir nach ca. 14 Tagen einen Kontrollgang machten. Dann wuschen wir die Kasang mit lauwarmem Wasser ab, wickelten sie in feuchte Leinentücher ein und verstauten sie in einem Steintopf in der Küche, der aber mit einem Tuch zugedeckt wurde. Nach ca. fünf Tagen guckten wir wieder nach und wiederholten die Waschprozedur falls nötig. 

Allgemein war nach acht Tagen oder später – je nach der Temperatur in der Küche – der Käse reif zum Essen. Wir schnitten ihn in Scheiben oder ließen ihn weiter reifen, sodass er schließlich so wie der Harzer Roller wurde. Zur Geschmacksverbesserung gaben wir gleich zu Anfang immer Salz hinzu, Dill und Kümmel aber nur nach gewünschtem Geschmack.

Eine andere Art zu Käse zu kommen war, Kochkäse herzustellen. Dicke Milch, ein Produkt, das sich nur im Sommer aus der Milch gewinnen ließ und für uns ein herrlich erfrischendes Getränk war. Dicke Milch bildete also den Rohstoff für unseren Kochkäse, besonders dann, wenn die Dickmilch schon porig geworden war, verbrannt war, wie wir sagten, dass sie nicht mehr zum Trinken geeignet erschien. Diese dicke Milch pressten wir mit Hilfe eines Leinensäckchens aus. Oft legten wir sogar einen Stein auf das Säckchen, damit er durch sein Gewicht soviel wie möglich Feuchtigkeit aus der dickgewordenen Milch herauspresste. Den so entstandenen Quark ließen wir in einer Schüssel bzw. in einem Topf liegen, damit er noch mehr austrocknete. Wollten wir diesen Alterungsprozess beschleunigen, gaben wir einfach Natron in den Quark. Sah er nach einigen Tagen gut aus und schmeckte auch schon, aßen wir ihn kalt. Normalerweise erwärmten wir aber diese Masse in einem Tiegel, in dem zuvor sehr wenig Butter zerlassen worden war und verrührten beides. Da hinein gaben wir noch ein rohes Ei und vermengten alles tüchtig. Erhielt die Masse eine gleichmäßige Farbe, schütteten wir den Tiegelinhalt in eine Schale, wo er erkalten konnte. Das war unser Kochkäse, der uns immer wieder vorzüglich schmeckte. 

Nachrichten

Für die Heimatstube haben wir 3 Tischvitrinen beschafft, die jetzt in der Heimatstube aufgestellt sind und mit Ausstellungsmaterial bestückt werden. Sie haben eine Größe von je 110 cm breit und 56 cm tief. Mit welchem Thema wir die Vitrinen belegen, steht noch nicht endgültig fest. Das Aufstellen der Vitrinen mussten der Tisch und die Stühle herausgenommen werden. Der Tisch und die Stühle stehen jetzt vor der Tür. Damit haben wir Sitzgelegenheiten erhalten.

Wir hatten veranschlagt, dass wir 2 Vitrinen für 1.200,-- € beschaffen. (Neue Vitrinen sind teuer).  Durch einen Glückfall konnten wir aus einem anderen Museum 3 Vitrinen für 500,-- €  erwerben. Was jetzt noch gemacht werden muss, ist eine passende Beleuchtung zu installieren.

Die Heimatstube ist wegen „Corona“ wahrscheinlich bis 30.04.2021 geschlossen. Geöffnet ab 01.05.2021 bis 31.10.2021 von Dienstag bis einschließlich Sonntag von 10.00 – 17.00 Uhr. (Corona?)

Termine

Die Fahrt nach Wollstein im Mai fällt wegen „Corona“ aus. Unser Kontakt nach Wollstein hat ergeben, dass dort die Hotels ebenfalls geschlossen sind und in der Stadt hat sich Corona auch verbreitet. Da wir

die Hoffnung nicht aufgeben, kann die Fahrt vielleicht in den Herbstferien stattfinden. Wir melden uns.

Das Heimattreffen ist für den 02.10.2021 geplant und findet statt, wenn „Corona“ es zulässt.

Die Adventsfeier am 2. Advent – 05.12.2021- ist auch unter dem Vorbehalt „Corona“ geplant.

Steuerbescheid

Der Heimatkreis Wollstein e.V. ist mit Freistellungsbescheid vom 23.12.2019 von der Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer befreit und gemeinnützig. Spenden an den Heimatkreis Wollstein e.V. – Historischer Verein Wollstein und Umgebung – können steuerlich abgesetzt werden. Beiträge können nicht abgesetzt werden. – St,-Nr. 47/219/00766. Ab 200,-- € benötigen Sie eine Spendenbescheinigung. Sie wird auf Anforderung zugesandt. 


Die Kirche von Kirchplatz nach der Renovierung

Zur Geschichte der Kirchengemeinde hatte ich in der WZ 1 – 2004 Ausführungen gemacht.



Bild  links: Altar in der Wollsteiner ehem. Ev. Kirche

Bild rechts: Kirchenschiff der ehemaligen Wollsteiner Ev. Kirche nach der Renovierung


Der neue Bahnhof in Wollstein. Rechts im Bild sehen Sie das Bahnhofsgebäude.

Bücherliste 05.03.2021. Bestellung an: 

Heimatkreis Wollstein e.V. – Geschäftsstelle -  Am Pathsberg 23  29549 Bad Bevensen

Wollsteiner Aufsätze




Herausgeber : Heimatkreis Wollstein e.V. 

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