Heimatkreis Wollstein e.V.
                                                   Historischer Verein Wollstein und Umgebung 

 

 

Wollsteiner Zeitung Nr.: 2/2021

Liebe Mitglieder und Heimatfreunde

des Heimatkreises Wollstein e.V. und Neutomischel


 Liebe Wollsteiner und Neutomischler Heimatfreunde


Der Blick auf die erste Seite der WZ lässt nichts Gutes ahnen – die Einladung zum Heimattreffen fehlt. Es ist uns sehr schwergefallen, den Termin „Heimattreffen“ zu streichen.  Doch „Corona“ mit ihren Launen, hat uns zu diesem Beschluss geführt. Wir – der Vorstand - können nicht garantieren, dass alles geregelt abläuft. Auch müssen wir unterscheiden, sind die Teilnehmer einmal geimpft oder zweimal oder gar nicht. Wer hat einen Impfausweis und wer hat keinen und wie lässt sich die Impfung vor der Saaltür nachweisen? Es gibt auch Teilnehmer, die aus Risikogründen nicht geimpft werden können. Wie sollen wir uns in all den Möglichkeiten zurechtfinden. Daher glauben wir z.Zt., dass auch die Adventsfeier nicht machbar ist.

Wir werden dafür im Dezember eine Wollsteiner Zeitung (WZ) erstellen. Die zusätzliche WZ kann das feierliche Zusammensein nicht ersetzen, doch wollen wir ihnen mit der WZ die heimatliche Adventsstimmung etwas näherbringen.

Im Jahre 2022 hofft der Vorstand, dass wir mit dem Treck – Erinnerungsfrühstück in Suhlendorf wieder beginnen können. Angedacht ist der 26.02.2022.


Korrekturen zur WZ 1-2021

Leider haben wir bei dreimaligem Korrekturlesen doch noch etwas übersehen: 

Im Beitrag „Wollsteiner Krankenhaus“. Richtig ist „Auf der Tafel findet der Leser DEN Grund der Spende.

Der nächste Satz ist zu ergänzen:….. trat 1862 in das Bankgeschäft seines Vaters IN FRNKFURT/M. ein…..Betr.: Bilder der Tafel vom Krankenhaus wurden von Herrn Wojtek Lis Wolsztyn bereitgestellt. 

Bild der Kirche in Kirchplatz: Kath. Pfarramt in Kirchplatz - Bilder der Kirche in Wollstein: A. Repinski Wolsztyn.

Veränderungen in der Heimatstube

Wir hatten bereits in der letzten WZ angekündigt, das wir hier tätig werden. Und es ist uns gelungen. Statt 2 Tischvitrinen konnten wir noch eine 3. erwerben. Die Tischvitrine in der Mitte des Raumes haben wir lang hingestellt und den großen Tisch rechts in der Ecke herausgenommen. Die Bilder an der Wand rechts sind neu geordnet worden und die 3 Vitrinen mit Ausstellungsmaterial versehen.

In der ersten Vitrine entdeckt der Besucher das Protokollbuch des Männergesangvereins (MGV) Rothenburg a.d.Obra. Dazu noch weitere Vereinspapiere. In der Vitrine zwei sieht der Besucher „Wo waren die Wollsteiner versichert“ (vor 1939). Sie werden staunen: in Polen, Italien und in Deutschland. Die dritte Vitrine ist den Materialien unter dem Motto „Neuanfang“ gewidmet. Hier handelt es sich um verschiedene Ausweispapier, die wir nach der Flucht erhalten haben. Wir wollten eigentlich auch Dinge ausstellen, die nach 1945 aus der Not heraus selbst gefertigt wurden. Ich erinnere mich z.B., dass mein Vater selbst Wäscheklammern und Holzpantoffeln hergestellt hat. Leider Fehlanzeige. Wir fanden keine mehr. Da bei uns auch Bier getrunken wurde und die Hausmarke das Grätzer und Wollsteiner Bier war, können wir die „Getränke Flaschenabteilung“ mit neuen alten Flaschen erweitern, die heute Museumsware sind. Sogar eine Flasche aus dem Deutsch Zodiener Dorfkrug können vorweisen: auf dem Flaschenverschluss steht Erich Zschiesche Zodyn. Nun kommt das Spannende an dieser Flasche: Zschiesche ist nach 1919 ausgewandert. Stammt die Flasche aus der Zeit vor 1889 als das Gut noch existierte, der neue Name Deutsch Zodien noch nicht galt und der Name noch mit Y geschrieben wurde oder aus der Zeit nach 1919 als Deutsch Zodien im Ortsnamen verschwand und der Ort wieder Zodyn - wie vor 1889 – auf dem Ortsschild zu lesen war?

Wir versuchen es zu klären.

Wir haben u.a. noch Kleinigkeiten als Ausstellungsmaterial: ein scharfes Essbesteck-Messer, das auf der Flucht „beschafft“ wurde zum Brot schneiden. Eine Untertasse aus dem NSDAP-Vermögen mit Hakenkreuz, die einem Heimatfreund verkauft wurde und ein Messer, welches die Engländer bei einem Geschirrverleiher beschlagnahmt hatten. Quittungen über bezahlte Rechnungen der Haushaltsgegenstände aus dem NSDAP-Vermögen liegen uns vor (s. u.). Das Geld musste bei der Kreissparkasse Uelzen -Nebenzweigstelle Suhlendorf - eingezahlt werden. Auch Kleinigkeiten haben eine Geschichte und dadurch werden sie Geschichte – weil sie einen Hintergrund haben.

Wir sind überrascht und froh über die neu installierte Lichtanlage in der Heimatstube. Der Raum und die Ausstellungsstücke werden gut ausgeleuchtet. Vor allem „erscheinen“ die Bilder in einem „guten Licht“. Alle Exponate haben eine kurze Beschriftung erhalten, die aber noch „museumskonform“ gestaltet werden muss. 

Die neueste Errungenschaft im Handwerksmuseum ist die „Audio-Guid“- Anlage. Ein sprechender erklärender Museumsführer. Wir werden uns ebenfalls an der Anlage beteiligen. Die erklärenden Texte müssen wir noch liefern. Das bedeutet, dass wir in den drei Glasschränken und den zwei großen Ausstellungsschränken die Ausstellungstücke neu sortieren und zueinander stellen und aus Gründen der Versicherung katalogisieren müssen. Was uns das kosten wird, wissen wir noch nicht.

Die Heimatstube im Handwerksmuseum 29562 Suhlendorf Mühlenweg 15 ist bis 31.10.2021 geöffnet jeweils Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 4,-- €.

Wie Sie sicher leicht erkennen können, wird es nicht langweilig und wir sind voll beschäftigt.


Eine erfreuliche Nachricht erreichte uns am 14.08.2021:

Die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg hat dem Heimatkreis auf Antrag für die Beschaffung der Vitrinen und dem Einbau der Beleuchtung in der Heimatstube, eine zweckgebundene Zuwendung in Höhe von 500,-- € gewährt. Das Geld stammt aus dem Reinertrag 2021 der Sparkasse bei „Sparen und Gewinnen“. Der Heimatkreis bedankt sich herzlich für diese „Überraschung“. Die Lichtanlage ist installiert und die Vitrinen sind aufgestellt.

Das Land Niedersachsen 

wird in diesem Jahr „75 Jahre alt“. Zu diesem Jubiläum war eine Ausstellung geplant, in dem die Entwicklung des Landes in diesen 75 Jahren dargestellt wird. Doch „Corona“ hat die Pläne ausfallen lassen. Nun wird ein Katalog mit all den Dingen zusammengestellt, die gezeigt werden sollten. In dieser geplanten Ausstellung hätten auch die Flüchtlinge und Vertriebenen einen Platz bekommen. Für die Ausstellung sollte der Heimatkreis Wollstein e.V. mehrere Ausstellungsstücke aus der Heimatstube vorschlagen. Hieraus wurden drei ausgewählt und werden in dem Katalog veröffentlicht. Es sind dies:

Das „Evangelische Gesangbuch“ der Familie Muster aus Friedheim. Grund: Dem Gesangbuch liegt ein 1945 gedrucktes Verzeichnis der Ev.-luth. Landeskirche Hannover bei, mit vergleichenden Nummern der Lieder in dem Posener und Hannoverschen Gesangbuch. Damit war ein schnelles Auffinden in den Gesangbüchern gegeben und unsere Gesangbücher konnten weiterverwendet werden – denn Geld für neue Gesangbücher hatte der Flüchtling und die Hannoversche Landeskirche nicht.

Eine alte „Übersichtskarte von dem Gelände des Manövers der Garde-Cavallerie-Division im Jahr 1890“ verwendete Otto Jaekel, Land- und Gastwirt aus Tarnowo (Kampfheide), als Landkarte für die Flucht bis Lübben im Spreewald mit eingezeichnetem Treckweg. 

Der Tonkrug als Schmalztopf der Familie Georg Eckert soll die Verpflegung während der Flucht dokumentieren und seine weitere Verwendung als Haushaltsgegenstand nach der Flucht - an die „Salzgurkenherstellung“ nach heimischem Rezept erinnern.

Kyffhäuserfahne gerettet

Nach Auflösung der Kyffhäuser-Kameradschaft M. im Kreise Uelzen, hat der Vermieter den Inhalt des Vereinslokals durch einen gewerblichen Betrieb räumen lassen. Und wenn das geräumte Gut auf dem Wagen ist, gehört es dem „Ausräumer“. Bei einem Trödler entdeckte mein Sohn die Fahne des Vereins. Da sie kostengünstig zu erwerben war, hat mein Sohn diese gekauft – und was jetzt? Nach wenigen Telefonaten war ein Abnehmer gefunden. Wir haben die Fahne in der Heimatstube dem Handwerksmuseum in Suhlendorf übergeben und ein Stück Geschichte für den Landkreis Uelzen gerettet. Wir denken auch an die neue Heimat.


 


Der Vorsitzende des HKW Horst Eckert (rechts) übergibt die Fahne an den Vorsitzenden des Handwerksmuseums Christian Niemann (links).

Vorstandssitzung und Termine

Auf unserer Vorstandssitzung am 20. Juni 2021 haben wir nach längerer und intensiver Beratung beschlossen, in diesem Jahr wegen „Corona“ keine Veranstaltung durchzuführen. Wir haben uns wegen diesem Beschluss alle sehr schwergetan, doch die Unberechenbarkeit von „Corona“ ließ uns keine andere Wahl. Bitte habt Verständnis dafür.

Vielleicht können Sie sich vorstellen, ein eigenes Programm mit Heimatfreunden durchzuführen: den Besuch in der Heimatstube in Suhlendorf, Mühlendweg 15. Das Restaurant „Waldmühle“, gegenüber dem Museum, bietet auch Kaffee und Kuchen und Zeit zum Plaudern. Der Heimatkreis bietet eine Besichtigung der Heimatstube an: 

am 25.09.2021 um 11.00 Uhr und am 03.10.2021 um 11.00 Uhr. Anschließend ein gemeinsames Grützwurstessen im Restaurant der Waldmühle. Ende ca. 13.30 Uhr.

Wir müssen jedoch die Bedingung stellen, dass Sie geimpft, genesen oder getestet sind. Die Gruppe darf nicht größer sein als 12 Personen. Kosten entstehen für Grützwurstessen in Höhe von 11,50 €. Eintritt frei. Bitte anmelden bei Horst Eckert unter der Telefon-Nr. 05821-7666. Und das alles nur, wenn „Corona“ uns wohlgesonnen ist.

Die Kirche in Kirchplatz

 Wir hatten im Jahre 2019 und 2020 um Spenden für die Renovierung der Kirchplatzer Kirche gebeten, die auch dankenswerter Weise in Höhe von 1.000 € eingetroffen sind. Leider hat „Corona“ die Spendenübergabe in Kirchplatz z.Zt. verhindert. Wir haben jedoch demnächst die Möglichkeit, die Spende durch einen Heimatfreund übergeben zu können, der eine Privatfahrt nach Kirchplatz plant.

Um Ihnen eine zusätzliche geschichtliche Information zu dieser Kirche zu geben, habe ich in der Kirchenchronik geblättert und den Text, der bei der Grundsteinlegung des Turmes am 22. Mai 1910 eingemauert wurde, herausgesucht. Die Urkunde selbst befindet sich in einer eingekapselten Flasche in dem ausgehöhlten Grundstein mit der Jahreszahl 1910 rechts unten am Turmeingang. H.E.

Folgender Text steht in der Urkunde:

Im Namen des dreieinigenden Gottes wurde heute am 22.Mai 1900 unter der gesegneten Regierung des Deutschen Kaisers, Wilhelm des Zweiten, König von Preußen und Kaiser von Deutschland, der Grundstein gelegt, zum Bau eines Turmes an der evangelischen Kirche zu Kirchplatz Boruy. Die Kirche aus kernigem Kiefernholz in den Jahren 1776 – 1777 erbaut, wurde am 1. Juni 1777 eingeweiht. Um die Errichtung des Kirchesystems und den Aufbau der Kirche hat sich damals der Besitzer zu Hammer – Boruyschen Güter, Ludwig von Milecki sehr verdient gemacht. Nicht nur einen gewissen Teil des Bauholzes und 100 Dukaten gab derselbe her, sondern er erwirkte auch was in damaliger Zeit sehr schwer hielt, die Erlaubnis zur Erbauung der Kirche und Berufung eines Predigers. Der Consens hierzu wurde von dem Provinzial – Consistorium der Kirchen Augsburgischer unveränderter Confessionen in Großgolten in Lissa unter dem  15. Januar 1776 erteilt.

Zur Parochie gehören Kirchplatz-Boruy, Hammer, Alt-Boruy, Neu Boruy, Dorf Boruy, Alt Scharke und Neu Scharke, Cichagora und Bukowiec. Die Parochie zählt gegenwärtig 3.700 Selen. Das Patronat über die Kirche war von Anfang bis jetzt mit dem Besitze des Rittergutes Hammer verbunden. Da dieses Gut seit 1860 königliche Domaine ist, so ist die Preußische Regierung von da ab Patronin der Kirche. 

Als Pfarrer haben in der Gemeinde fungiert:

1.Johann Christoph Knispel 2.) Johann Friedrich August Schulze  

3.Robert Adolf Rohrmann     4.) Theodor Gustav Julius Postler 5.) Gustav Adolf Kresse

6. Johann Ernst Schulze und jetzt 7.) Wilhelm Bochat.

Als Kantoren amtierten Gillert, Rau, Neumann und Buresch.

Der langgehegte Wunsch der Gemeinde nach einem Turm geht nun endlich in Erfüllung, insofern der Brauereibesitzer und Comerzienrat Georg Haase aus Pietät gegen seinen Vater, dem Kirchplatz und die Umgebung stets gefallen hat, 12.000 Mark zur Erbauung eines Turmes schenkte und viele Parochianer Liebesgaben dazu spendeten.

Am 24.Februar 1910 wurde unter 6 Bewerbern dem Bauunternehmer Doil zu Unruhstadt der Zuschlag erteilt vom Gemeinderat, der sich aus folgenden Personen zusammensetzt:

1.) Der Vorsitzende Pfarrer Bochat

2.) der Patronatsvertreter Ferdinand Rausch zu Kirchplatz 

3.) der Königl. Oberamtmann Busse zu Hammer

4.) der Eigentümer August Stein

5.) Kaufmann Wilhelm Gierke zu Alt Boruy

6.) Heinrich Fischer zu Alt Boruy 

7.) Eigentümer Steinke aus Cichagora

8.) Ortsvorsitzender Carl Reschke zu Scharke und 

9.) Eigentümer Wilhelm Lange aus Neu Boruy -. Soweit die Urkunde. 

Bei der Grundsteinlegung legte Pfarrer Bochat seiner Rede Psalm 118, 24 – 29 zu Grunde. 

Am 16. Dezember 1910 um 12.00 Uhr war die Einweihung. Die Kirche war voll besetzt und alle Stehplätze in der Kirche ebenfalls.

Die geplanten Baukosten des Turmes betrugen 11.212,29 Mark. Der Treppenaufgang war mit 4.713,11 Mark veranschlagt. Da es beim Bau öfter Verzögerungen und anderen Streit gab, u.a. zum Teilabriss der Treppe und Neuaufbau, war der Kirchenvorstand über eine Nachforderung von 1.500 Mark sehr erbost und es kam zur gerichtlichen Auseinandersetzung durch 2 Instanzen. Durch Gerichtsurteil wurden nur 767,16 Mark nachgezahlt. H.E.


Wollsteiner nach 1919 in Berlin

Nach dem 1. Weltkrieg organisierten sich „Wollsteiner“ in Berlin zu einem Heimatverein. Auch die Bentschener hatten einen Verein gegründet. Bereits vor dem 1. Weltkrieg waren Deutsche und Polen aus dem Kreis Wollstein nach Berlin gezogen und wurden dort beruflich tätig. Zwei Brüder meines Großvaters hatten dort Arbeit gefunden. Einer blieb in Berlin und ist dort nach dem 2. Weltkrieg verstorben. Der 2., Gustav Eckert, kam 1904 wieder zurück und hat in Wollstein eine Schmiede neben dem evang. Pfarrhaus übernommen. 

Der Zustrom vieler deutscher Wollsteiner nach Berlin hat nach dem 1. Weltkrieg eingesetzt, weil ein Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst (u.a. Bahn, Post, Schulen, Landratsamt) nicht mehr für deutsches Personal zugänglich war. 

Personen aus dieser Gruppierung haben die „Ortsgruppe der Wollsteiner“ in Berlin gegründet. Die Verbandszeitung „Ostwarte“ berichtet in der März-Ausgabe 1935 über eine Veranstaltung der „Wollsteiner“.

Ortsgruppe der Wollsteiner, Berlin (Abschrift)

Am 13. Februar (1935) sprach Pfarrer Drechsler (1) über die Drangsale und Leiden, denen er und viele andere Deutsche im Geisellager von Szczypiorno (2) Wochen und Monate hindurch ausgesetzt waren. Er berichtete von der Organisation im Lager, von Gottesdiensten, Krankheiten und Begräbnissen, von der rührenden Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung im nahen Städtchen, von der aufopfernden Hilfe und Betreuung durch die Schwestern vom Roten Kreuz, der Besichtigung durch eine interalliierte Kommission u.a.m.

Schulz-Schwieber (3) berichtete über die Ortsgruppenleiterversammlung am 19. 1. Der Leiter gab eine Reihe wissenswerter Mitteilungen aus der „Ostwarte“ und dem „Ostland“ bekannt, warb dringend für den Bezug der Zeitschriften und forderte die noch abseits Stehenden zum Eintritt in den Bund auf.

Am Schluß der weiteren geschäftlichen Mitteilungen wurde darauf hingewiesen, daß die nächste Versammlung in der Ortsgruppe ihr fünfjähriges Bestehen (4) begehen kann, Lichtbilder aus der lieben Heimat gezeigt werden. Gäste sind herzlich eingeladen.

Anmerkungen: H.E.

  1. Pastor Bruno Drechsler war von1893.1919 Pastor auf der II Pfarrstelle in Wollstein tätig. Wurde 1919 von polnischen Behörden verhaftet und in das Internierungslager Szczypiorno  verbracht. War dort Lagerpfarrer bis zu Ausweisung aus Polen.
  2. Im Internierungslager waren auch der Eisenkaufmann Bruno Schulz, Lehrer Vater aus Karpitzko und die Gräfin Schlieffen aus Wioska.
  3. Paul Schulz-Schwieber war Künstler (Maler). Der Heimatkreis hat von Schulz-Schwieber eine Malerei „Ansicht über den See auf die Stadt“. Es war Privatbesitz von Konditor Schulz in Wollstein, der dieses Bild dem Heimatkreis geschenkt hat. Zu besichtigen in der Heimatstube. Ferner 2 Zeichnung vom Markt mit Kirche in Rakwitz – ausgestellt in der Heimatstube. Zwei weitere Bilder befinden sich im Privatbesitz – „Blick auf den Wollsteiner See“ und „Hofansicht mit Rosen und Strohdach in Karpitzko“.  Der Name „Schwieber“ findet sich im 19. Jahrhundert in Rakwitz (Ahnenforschung).
  4. Die Ortsgruppe der Wollsteiner in Berlin hat demnach eine Gründung im Jahre 1930 erlebt. Mein Onkel in Berlin, Willi Eckert, hat diese Gruppe besucht und erzählte mir, dass sie sich 1964 aufgelöst hat. Kontakt der Gruppe zum Heimatkreis in Uelzen bestand nicht.

Eine weitere Mitteilung finden wir in der April-Folge 1935 der „Ostwarte“.Die Landsmannschaft heimattreuer Wollsteiner hatte am 13. März ihre Jahreshauptversammlung. In der kurzen Jahresschau stellte der Leiter als wichtigstes Erlebnis und Ergebnis den Anschluß an den „Bund heimattreuer Posener“ (2) hin. Die an Mitgliederzahl schwachen und in wirtschaftlicher Hinsicht ohnmächtigen kleinen Landsmannschaften werden durch ihren Zusammenschluß zum großen Bunde eine Macht, die viel Segen stiften kann.

Rätzlingens „Flüchtlingsteam“ triumphiert 1964                                                       

Die „Allgemeine Zeitung“ (AZ) für den Kreis Uelzen veröffentlicht in letzter Zeit „Fußball-Geschichten“ aus der Vergangenheit. Am 07.08.2021 berichtete sie über den Kreispokalgewinner

Rätzlingen im Kreis Uelzen im Jahre 1964 und bezeichnete die Mannschaft zu Recht als „Flüchtlingsteam“. Im Endspiel um den Pokal schlägt Rätzlingen „Sperber Veerßen“ mit 4 : 2 Toren.

Die Tore in dem Spiel schoss Erwin Liersch (2), Horst Fischer (1) und D. Peters (1). War das 1. Tor von Liersch erzielt, schoss er auch noch das sensationelle 4. Tor. Der Ball lag vor dem Tor, doch die Verteidigungsmauer ließ keinen Spieler durchkommen. Liersch warf sich auf die Erde, kroch durch die vielen Beine zum Ball und stieß ihn mit der Stirn in das Tor. Damit war das Ergebnis perfekt. Liersch schoss in seiner Fußballkariere ca. 300 Tore für die Rätzlinger Fußballmannschaft.

Von den 11 Spielern der Siegermannschaft waren 9 Vertriebene. Aus Schlesien kamen die 3 Brüder Peters und 6 aus dem Kreis Wollstein bzw. Grätz:

Manfred Adam Borui (Mühlengraben) - Erwin Liersch, Blenke - Horst Fischer, Jablone + (Waldgabel) - Günter Böhm, Neufeld, Krs. Neutomischel - Wilfried Decker Kirchplatz Borui + – Werner Ludwig aus Teichlinde (Guschin).

Rund 50 Jahre war Liersch aktiv im Verein tätig – als Spieler/Kapitän und Vorstandsmitglied. Seit 1908 ist Erwin Liersch Ehrenmitglied des Vereins. Von den 6 Spielern waren bzw. sind 5 Mitglied im HKW oder halten ständig Kontakt zum Heimatkreis. H.E.

Für Ahnenforscher

Folgender Hinweis: unter „Posen Projekt“ finden Sie Daten zu Eheschließungen aus der Zeit von 1800 – 1900. Sie müssen in den Vordruck der Suchmaschine die Namen des Ehemannes und evtl. der Frau eingeben oder umgekehrt. Es erscheinen Daten mit Namen, der Eltern des Mannes und ebenfalls der Frau, wo geheiratet, das Jahr der Eheschließung und die Möglichkeit, wo eine Urkunde beantragt werden kann (rechts im Bild - Archiv). Die Urkunde muss bezahlt werden. Die Suchmaschine kann nur Daten aus der Provinz Posen aufzeigen. 


Der WZ ist das Heft 10 der Wollsteiner Aufsätze beigefügt. Möchten Sie weitere Exemplare haben, kostet ein Heft 5,-- € einschließlich Porto. Zwei Hefte kosten 8,-- €. Bestellanschrift s. unten.

Herausgeber : Heimatkreis Wollstein e.V. 

-Historischer Verein Wollstein und Umgebung-

Geschäftsstelle: Horst Eckert Am Pathsberg 23 29549 Bad Bevensen

Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg IBAN:DE07 2585 0110 0000 031369 BIC NOLADE21UEL 

Steuernummer: Finanzamt Uelzen 47/219/00766 – VR AG LG NZS VR 14023


Ausgabe Nr. 1 - 2021

Liebe Neutomischler Heimatfreunde,

wenn Sie diese Neutomischler Zeitung lesen, werden Sie die Einladung zum gemeinsamen Heimattreffen der HK Neutomischel und HK Wollstein e.V. vermissen. Doch „CORONA gibt uns dazu noch keine Gelegenheit.

Ob eine Adventsfeier in Hannover stattfindet, kann ich jetzt noch nicht beantworten. Wenn die Situation der Pandemie es zulässt, herzlich gern. Rufen Sie mich an. Tel. s. oben.

Mit heimatlichen Grüßen Renate Braband

Zitiert aus Briefen von Daheimgebliebenen

Nicht alle hatten im Januar 1945 die Möglichkeit, die Heimat vor der heranrückenden „Roten Armee“ rechtzeitig zu verlassen. Warum das so war, hatte unterschiedliche Gründe: kein Gespann, nicht rechtzeitig alarmiert, nicht gleich getreckt, überrollt und zurückgeschickt, Krankheit in der Familie und nicht transportfähig oder einfach geglaubt, es wird nichts passieren. Doch es kam alles anders. Die Daheimgebliebenen hatte ein schweres Schicksal getroffen.

Die Heimatfreunde, die getreckt waren oder die Gelegenheit hatten, im Zug einen Platz zu ergattern oder von einem Wehrmachtsfahrzeug mitgenommen wurden, hatten nach Überschreiten der Oder, ein besseres Schicksal getroffen. Wie es denen nach der Flucht in der späteren SBZ und den westlichen Besatzungszonen ergangen ist, weiß die Erlebnisgeneration aus eigener Erfahrung.

Aus dem Maennel-Archiv (Kassel) habe ich einige Briefe aus Sontop, Krs. Neutomischel, erhalten und ausgewertet und werde hier einiges auszugsweise zitieren, die einen Einblick nach 1945 in Sontop und Neutomischel wiedergeben. Die Briefe sind mit Tinte in Sütterlin geschrieben, manche Buchstaben etwas verlaufen, teilweise sind die Zeilen durch Nässe verwischt. Die Texte sind nicht leicht zu entziffern, was nur mit einem erhöhten Zeitaufwand und Lupe möglich war.

Von einem Heimatfreund aus Paprotsch habe ich Briefe aus dem Lager Grune zur Verfügung, um darüber berichten zu können. In dieser Ausgabe geht es jedoch aus Platzgründen nicht.

Satopy, d. 18.4.48 

Liebe Familie Maennel,

nehmen Sie auch von meiner Frau, unserer Oma aus Paproz und mir die herzlichsten Grüße aus der Heimat entgegen. Wie Sie sehen, haben wir hier unserem Sontop die Treue gehalten. Wenn unser Lebensdasein auch in den ersten Jahren sich hier nicht so rosig gestaltete, ist jetzt das ganze recht erträglich geworden, man lebt sich mit den neuen Bewohnern des Dorfes wieder ein und unsere alten bekannten Familien helfen uns schon über die schwere Zeit hinweg. Hier in S. wohnen wir noch 10 – 12 deutsche Leutchen, also ein verflixt kleines Häuflein. Meine Frau und ich beschäftigen uns hier bei den neuen Bauern u. verdienen uns so unser Brot, ja zu essen gibt es hier noch reichlich u. auch gut, auch sind die Lebensmittel hier noch zu bezahlen, dagegen alle andere Sachen recht, teuer. Wir drei bewohnen hier ein kleines Stübchen, blos unserer Oma geht es nicht gut.

Satopy, d. 25.4. (Fortsetzung des Briefes vom18.04.48)

Auch in Neutomischel sind noch verschiedene alte Bürger verblieben. Walter Goldmann ist im Krankenhaus beschäftigt u. ist dort gut aufgehoben. Wenn man so an den Markttagen einmal nach der Stadt kommt u. zufällig auf einen alten Bekannten stößt ist die Freude immer eine rührende. Während meiner Inhaftierung in Poznan in der  ? (Gefängnis d. Red.) 1945 u. 46 lernte ich dort einen Herrn Frost kennen ……welcher Sie sehr gut kannte.

Unsere Kinder sind auch drüben. Der Junge ist bei Hannover (Nordstemmen) ist dort bei der Post angekommen, unsere Tochter hat  sich vor 4 Wochen verheiratet in Berl. Tempelhof.

Viele unserer Höfe hier, sind von Bauern aus dem Osten besiedelt. Vor Wochen wurden die Höfe u. Grundstücke nebst Inventar von einer Kommission besichtigt u. taxiert.

wann wird es an der Zeit sein u. das Schicksal uns wieder zusammen führen…. 

Satopy ,d.15.8.48 – der Brief war am 11.09.48 bei Maennel angekommen.

Liebe Familie Maennel !

Ihren Brief vom 19.5. erhielten wir am 3.7.und haben uns sehr gefreut  …….P. erhielten Ihren Brief am selben Tage.….. P. macht wohl jetzt den Obermeister in Ihrem Betrieb u. verdient ja auch sehr schönes Geld dort, wie ich hörte. Die Leutchen sind ja hier zu Hause auch sehr fleißig, sie haben sich Land gepachtet, ebenfalls Wiese, halten sich eine tüchtige Kuh u. ein paar Milchziegen u. sind sehr rührig. Im Mai haben sie sich sogar ihr Häuschen schön abputzen lassen….ein Maurer kostet hier die Stunde 80,- bis 100,- Zlt. …. Ja ich helfe sogar zuhause des öfteren bei P., habe dort auch einen Tag Roggen mit der Sense gemäht. Sind wir doch dort Butterkunde, vor allem beziehen wir auch von P. das schöne Nebenprodukt, die Buttermilch…. Also, wie Sie sehen, zu haben ist für alles, was sich der Magen u. das Herze wünscht, nur leider, die Zlotys fehlen u. das spüren wir paar Leutchen hier am meisten, da unser Barverdienst als Arbeiter bei den Bauern kein großer ist und diese Menschen gerade hier über wenig Zlotys verfügen, da der Umsatz durch die Verkleinerung der Betriebe kein großer ist. Sitzen doch jetzt zum Teil auf jedem unserer schönen Höfe in S. 2 Familien mit durchschnittlich 7 – 8 ha Acker u. 1,5 ha Wiese.

Gediegen sieht jetzt immer das Wochenmarktbild aus, was die Menschen alles hereingeschleppt bringen, um ein paar Zlotys einzunehmen. Vom Hauskaninchen bis zur Kuh u. Pferd alles vertreten, und wird zum Verkauf dargeboten so auch Eier, Milch, Sahne, Butter u.s.w. Gegenwärtig im Sommer aller Gemüsekram, Obst u. Beeren, dazwischen stehen auch die Textilwaren sowie Schuhe u. alles andere, also jeden Donnerstag.. ? ..u. immer Menschen in der Stadt.

Wir selbst kommen ja nicht oft herein, meine Frau überhaupt nicht, doch man sieht es sich einmal an u. man muß den Kopf schütteln. Was wir zum Leben brauchen bekommen wir ja auf dem Dorfe u. an Kleidung u. Wäschekaufen dürfen wir nicht denken das ist alles sehr, sehr teuer, und vor allem Schuhwaren. Da muß man sich eben begnügen mit dem, was man hat u. in geflickten Hosen u. in Holzklotzen gehen u. das fällt hier nicht mehr auf. Obwohl wir hier geblieben sind, haben wir außer Haus u.Hof, (auch noch d. Red.)) an Sachen Kleidung, Wäsche, Flickzeug alles verloren. Das was meine Frau noch hatte, nahm man ihr noch weg, als ich in Poznan in Haft saß. Es muß eben wieder gehen, man muß nur genügsam sein u. seinem Schöpfer täglich danken, daß er einem vor allem Grausameren, was sich hier abgespielt hat, behütet hat u. uns auch noch so leidlich gesund u. wohlauf erhalten hat.

…. Am 3. Pfingstfeiertag verfiel unsere liebe Mutter in einen tiefen sanften Schlaf, von welchem sie am Freitag darauf am 21.05. durch den ewigen Schlaf, die ewige Ruhe, erlöst wurde. Am 24.05. beerdigten wir unsere Mutter in aller Stille auf dem Friedhof in Paproc neben unsern lieben Vater, wo nun beide die ewige Ruhe in der Heimaterde halten. Damit Sie auch sehen wie arm wir hier materiell, aber wie verlassen wir auch in kirchlicher u. seelischer Betreuung dastehen, will ich Ihnen kurz auch die Beerdigung unserer Oma schildern. Die Bretter zum Sarg erbettelte ich mir bei lieben Leuten hier im Dorf, wo ich wußte, daß noch welche aus guter alter Zeit lagerten. Herr Richard Rösler aus Paproc fertigte uns den Sarg. Ein gewöhnlicher Sarg in Neut. kostet 5. – 6.000,-- Zloty. Das Grab für Oma  schaufelte ich selbst, den Leichenkutscher machte ich auch selbst. Waren wir doch ganze 6 Mann, die der Entschlafenen das Geleit aus dem Dorfe hinaus gaben. Erst auf der Chaussee durch Paproc u. auf dem Friedhof selbst, fanden sich noch ein Häuflein lieber Bekannter ein, um unserer Mutter den Abschiedsgruß zu erweisen. Den Pfarrer vertrat ich natürlich auch so gut ich es konnte. Ja meine Lieben, diese Schilderung hat sich hier schon des öfteren wiederholt. 

Es folgen jetzt Kurzberichte. Er weiß nicht, wo und wer von Buddes alles beerdigt ist, 

  • hat Grüße an den kleinen Frisör in Neutomischel überbracht,
  • der allein im ehemaligen Salon von Heckers arbeitet, 
  • dessen Frau arbeitet auf der Post.
  • Frieda Pflaum ist in einem Haushalt in der Stadt beschäftigt
  • Walter Goldmann ist noch im Krankenhaus als Kalfakter tätig und unzufrieden
  • von den Brüdern Dach hat er noch nichts gehört

und übermittelt….   liebe Grüße aus der lieben Heimat. Der Brief wurde noch nicht abgeschickt, es folgt ein weiterer Brief

den 22.08.48

Liebe Familie Maennel, um auch das teure Auslandsporto auszunutzen, will ich mich am heutigen Sonntag mit Ihnen noch ein wenig unterhalten.

  • er teilt mit, dass P. eine Bibel in Verwahrung genommen hat
  • Herr Borchert aus Hamritzke (?) wurde zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt
  • mich hat man nach meinem Freispruch noch 7 Wochen in Posen festgehalten und nicht entlassen. Zu 3 Mithäftlingen hat er noch Kontakt. Einer war in Neutomischel im Jahre 1930 und hat dort als Dentist gearbeitet. Seine Mutter ist nach Wesermünde geflüchtet. Die 3 werden von ihm unterstützt, sofern er etwas für sie erbetteln kann. Seine Frau packt die Päckchen. Das Porto für einen Inlandbrief kostet 15,-- Zloty und eine Bahn-Rückfahrkarte nach Posnan 360 Zloty. Seine Frau mußte dorthin zum Augenarzt, man ihr die Brille weggenommen.

Die Ernte ist hier ganz gut hereingekommen ….Auch der Hopfenbau fängt sich hier recht langsam an, wieder zu entfalten…. Der Besitzer des Ziegenkruges Bintkowsky, hat im vorigen Jahr schon 12 Ztr. geerntet, er soll für den Ztr. über 60.000 Zlt. erhalten haben…..

Der Pflaumsche Brauerreibesitz ist auch verstaatlicht. Seit einem Jahr ist ihr alter Braumeister Napirala auch da, das Bier ist noch gut, nur zu teuer, ½ l Flasche kostet 50,-- Zlt.. Das kann man sich nicht leisten…..Der ganze Betrieb geht aber flau. So haben wir z.B. in S. keinen Gasthof mehr, nur einen Kolonialwarenladen   ? Flaschenbiervertrieb hat. Auch in Neutom. selbst sind wenig Lokalitäten. Das ganze spielt sich an den Markttagen auf dem Bürgersteig u. dem Rinnstein ab…..

Wir wohnen hier jetzt neben dem Wittchenschen Kaufladen, der ganz beste Artikel sind die Zigaretten. Mein Nachbar erzählte mir, daß er neulich an einem Monat für 30.000 Zlt. , umsetzte, die geläufigste Marke ist jetzt hier eine sogen. „Triumpf“. Das Stück kostet 3,--Zlt. Die alte „La Pintura“ (Zigarre) existiert auch noch, kostet 18,-- oder 20,-- Zlt. schmeckt aber nicht.

Liebe Frau Maennel, Sie fragten in Ihrem Schreiben, wie es mit etwas zum Lesen ist, ja, ..?..

Da sind wir böse dran. Herzlich gerne nehme ich von Ihnen ein paar Zeitungsausschnitte, auch kirchliche Zeitschriften entgegen. Scherereien machen sie uns dadurch nicht im Geringsten. Mein Junge schickt mir ja auch hin u. wieder ein paar Zeitungsausschnitte von Hannover mit …..Ein besonderes Anliegen quält mich ja besonders. Sie erwähnten in Ihrem Briefe die Ihnen zuteil gewordene Hilfe von K.S.A. Würde es Ihnen möglich sein, solch einen gütigen Spendenonkel unsere Adresse zu übermitteln, welcher uns dann mit einem Paket mit etwas …wäsche, getragenen Kleidungsstücken u. für meine Frau u. mich ein paar Schuhe bedenken würde. Die Schuhgröße meiner Frau ist 39, die meinige 43. Denn, wie ich schon Eingangs meines Schreibens erwähnte haben wir hier alles verloren. Wir haben auch kein Möbelstück oder Bett, das wir zur Beschaffung der notdürftigen Kleidungsstücke umsetzen könnten. Meine Frau u. ich würden Ihnen für Ihre gütige Mission, die Sie für uns übernehmen recht dankbar sein u. ich würde ja auch den gütigen Spendern einen lieben Dankesbrief übermitteln. Diese Sachen hier zu erstehen ist für uns unmöglich, da unser Verdienst ja gerade zur Beschaffung der notwendigsten Lebemsmittel ausreicht. Wie die ganze Lage hier aussieht werden wir wohl auch hier verbleiben denn bisher hat sich ja noch niemand um unser Dasein  gekümmert, auch in kultureller,  schulischer u. kirchlicher Betreuung nicht, umseitige Schilderung der Beerdigung unserer Mutter sagt Ihnen ja genug. Bitte entschuldigen Sie mein oben vorgebrachtes Anliegen. ….Satopy, den 2.1. 49 Leider sind einige Teile des Briefes durch Feuchtigkeit verwischt und nicht lesbar (d.Red.) Aus  diesem Brief einige Berichte:

Der Postweg von Deutschland nach Polen ….manchmal dauert der Brief 5 Tage oder 8 Tage. Habe sogar Drucksachen (Zeitungen und Zeitschriften) erhalten, die in Warschau durch den Zoll gingen.

… in Posen gibt es keine Auslandzeitungen zu kaufen.

…Nun meine Lieben weiß ich ja nicht, ob Sie davon schon Kenntnis haben, daß im vorigen Monat Oktober hie verschiedene Transporte Deutsche Familien fortgekommen sind. Der erste dieser Transporte bestand nur aus denjenigen, die schon im Jahre 47 u. Anfang 48 den Antrag auf Auswanderung stellten, Ausgang Oktober aber nahm man nur Neutomischler, welche in der Stadt gemeldet waren, alt und jung, auch egal, so sie sich in Arbeit befanden. Hatten doch z.B. Starost u. andere leitende Persönlichkeiten deutsche Mädchen angestellt….längerer Wasserschaden…weiter wird geschildert, wer alles mit den Transporten Neutomischel verlassen hat. Leider keine zusammenhängenden Sätze. Jedoch der letzte Satz aus dem Bericht ist, das aus anderen Orten die Ausreisenden zurückgewiesen wurden, u.a.Teppers Martel nicht, die wollte mit der Frau Giering mit, ….sie zurück, da sie zu Paproc gehörte.

Amtlich wurden die betroffenen Leutchen 24 Stunden vorher benachrichtigt, Gepäck konnte jeder mitnehmen soviel er tragen konnte…, noch vorhandene Möbelstücke , deren die meisten keine mehr hatten, wurden beschlagnahmt. –Wasserschaden --

…Frau Probs.. ist….seit 45 in obigem Lager u. von dort auf irgend einem Gute tätig. Desgleichen ergeht es noch vielen  Frauen aus Paproc, Glinau u. Scherlanke. Das sind vielleicht noch Zustände u. niemand kümmert sich darum. Meine Frau war vorigen  Herbst von Ausgang Oktober bis Anfang Dezember zum Arbeitseinsatz auf dem Gute des Herrn Kümmel in Chraplewo (Annaberg d.Rde.). Unterkunft u. Verpflegung waren dort miserabel. Die Leute mußten sich auf dem Wojt…. melden, von dort wurden sie mit dem Wagen abgeholt. Meine Frau erkältete sich, meldete sich krank u. kam nachhause, wie ich …. hörte, sind die anderen auch entlassen worden vor dem Feste. U.a. waren dort auch Rudolf Wittchen (der Trompeter), sein Schwager  (?) Schulz, ein Redlich aus Scherlanke, Karl Winkler u.s.w. tätig. 

Frl. Ida Pilatschek, Frau Maschewsky und Tochter und eine Tochter vom Lehrer Kühl wohnen … am kathol. Friedhof in einem Häuschen. Erstere geht in die Stadt Hausnähen u. dergl.  Frau Maschewski mit Tochter arbeitet in der  Gärtnerei auf Else Wolkes ? Wirtschaft. Letzere Frl. Kühl traf ich am Totensonntag auf dem Paprocer Friehof, Frau Kühl auch vorigen Sommer dorthin beerdigt. Durch die Räumung der Stadt trifft man fast gar keine Bekannten mehr. 

Der kath. Friedhof auch kolossal vergrößert. Und erhielt eine großzügig angelegte Auffahrt von der Chaussee aus.    .. nicht mehr lesbar durch Wasserschaden.

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Freude ist schon hinter uns, obwohl wir ja hier alles getan, fühlen wir uns an diesen Tagen immer recht vereinsamt u. verlassen, an den beiden Festtagen war mein Bruderaus Glinau bei uns. In das neue Jahr rutschten wir ebenfalls still u. ruhig hinein. Es kommt kein Kutschwagen oder Auto zum Besuch wie vorgefahren, wie es einstmals war. Gerade an diesen Tagen und Stunden des Nachdenkens steigt dann immer wieder ein gewisses Bangigkeitsgefühl in einem auf…..

Satopy18.12.49…..Auszüge

Nun sind hier im Laufe des Sommers verschiedene Transporte aus dem Lager Grunowo (Grune) b. Lissa nach drüben abgegangen, so auch Gustav Pflaum mit seiner Familie aus  in Cichagora, hat in Köpenik Wohnung erhalten, leider mußte seine Schwester Frieda (die ehem. Rote Kreuzhelferin) noch zurückbleiben, war in den Papieren was nicht in Ordnung. Die junge Frau Gassen-Giering ? Mit ihren Jungens ist auch schon bei ihren Mann in Münster. Die alte Frau Giering u. die Marta Tepper sollen in Leipzig untergekommen sein

….Im Juni d.Jhr. stellte unsere Tochter für uns den Antrag auf Auswanderung beim poln. Konsulat in Berlin-Pankow, wie Sie sehen, sind wir immer noch hier u. ich denke, es werden noch ein paar Monate vergehen, ehe wir die Reise antreten können….. so haben wir eben unseren Kindern geraten, obigen Weg einzuschlagen…….


Wann das Ehepaar Fenske aus Sontop ausreisen durfte, ist aus den Briefen nicht ersichtlich. 

Zusammengestellt und aus der Sütterlinschrift übersetzt von Horst Eckert.