Heimatkreis Wollstein e.V.
                                                   Historischer Verein Wollstein und Umgebung 

 

 

Wollsteiner Zeitung Nr.: 3/2020 

 

Adventsgruß 2020     


Liebe Mitglieder und Heimatfreunde

des Heimatkreises Wollstein e.V. und Neutomischel

Wir hoffen, es geht Ihnen gut, Sie haben keine „Corona-Viren“ aufgesammelt und haben auch nicht die Absicht, diese einzufangen. Wir wollten auch nicht dazu beitragen, dass Sie den Virus bei einer unserer Veranstaltung erhalten. Deshalb haben wir keine Mitgliederversammlung mit Kaffeefahrt, keine Wollsteinfahrt und auch nicht das Heimattreffen im Ja hre 2020 durchgeführt – wir hätten dafür auch keine Erlaubnis bekommen. Alle diese Veranstaltungen zu streichen, ist dem Vorstand nicht leichtgefallen. 


Da unsere Veranstaltungen alle auf Wiedersehen und Begegnung ausgelegt sind, wäre die sonst vorhandene Stimmung und Freude nicht aufgekommen. Der Vorstand wollte auch nicht mit dem Zollstock durch die Reihen gehen und die Abstände kontrollieren. Für alle wäre es eine Zumutung gewesen. Da Begegnungen zu organisieren ein wesentlicher Satzungsauftrag für uns ist, war er und ist er leider bei Corona nicht durchführbar.

Daher kann auch die ADVENTSFEIER 2020 nicht stattfinden.

Wie es im kommenden Jahr weitergehen wird, ist noch nicht absehbar. Wir müssen die Entwicklung abwarten.

Aber wir wollen mit Ihnen im Kontakt bleiben. Daher hatten wir als Entschädigung für das ausgefallene  Heimattreffen das Heft 9 mit verschiedenen Aufsätzen erstellt und Ihnen damit etwas „Heimatgeschichte“ zum Selbststudium übergeben. Und zur Adventszeit erhalten Sie diesen Adventsgruß – eine 3. Ausgabe der WZ. Den Kaffee und Kuchen zu den Adventssonntagen müssen Sie sich allerdings selbst organisieren. Das muss sein! Meine Frau und ich waren letztens in ein Kaffee eingekehrt und fanden dort einen schönen Spruch:

„Ein Leben ohne Kuchen ist möglich. Aber sinnlos“. 

Wir haben uns daraufhin nicht nur für den Kaffee, sondern auch für die Torte entschieden. 

Wann wir eine Veranstaltung im Jahre 2021 durchführen wollen, entnehmen Sie bitte dem Terminkalender. Das hinter allen Veranstaltungen „Corona“ lauert, ist möglich.

Um der Isolation etwas zu entgehen, rufen Sie doch Heimatfreunde an und machen Sie Ihr „telefonisches Heimattreffen“. Ihre Heimatfreunde werden sich freuen, weil doch jeder etwas zu berichten hat.

Etwas muss ich Ihnen noch mitteilen: Zum Heimattreffen hatten wir uns vorgenommen, alle Besucher mit einem kleinen Geschenk zu erfreuen. Vor 75 Jahren haben wir hier in der Heide einen neuen Brotbelag entdeckt – den Zuckerrübensirup. Jeder Besucher sollte einen Becher Sirup bekommen und damit an die Zeit von 1945 erinnert werden. Um Marmelade zu kochen, fehlten uns 1945 die Früchte und die Gläser. Eher waren Eimer zu erstehen. Sirup war auch eine „Handelsware“. Auf dem „Tausch- und Schwarzmarkt“ in Hamburg hat mein Vater für 2 Eimer Sirup ein fahrbereites Damenfahrrad erworben.

Gehen Sie demnächst einkaufen, schauen Sie sich nach einem Becher Sirup um. Gönnen Sie sich einen davon und beim Bestreichen des Brotes erinnern Sie sich an die Zeit des Neubeginns nach Flucht und Vertreibung. Laden Sie sich zum Sirupbrot auch die Enkel oder Urenkel ein. Schildern Sie ihnen die Geschichte von „Damals“, wie Sie diese erlebt haben.

Hoffentlich glauben die Enkel Ihrem Geschichtsunterricht. 

Und auch darüber hat man sich gefreut (eine Postkartennachricht vom 2.7.45)

„Lieber B., Denk Dir, heut habe ich einen Taschenkamm für Dich bekommen, einen richtigen friedensmäßigen schwarzen.! Ich freue mich so sehr! Ein Blinder, der mit Bürsten und dergl. handelt und den ich ein Stück führte, verkaufte ihn mir; wir freuten uns beide darüber; komm nur recht bald ihn Dir holen!  Deine Base E.

Der Vorstand wünscht Ihnen eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Wiedersehen im Jahre 2021.

Horst Eckert    Klaus-D. Stein    Gudrun Backeberg    Klaus-D. Leber

Hannelore Leber    Werner Gierke   Siegfried Rosenau – Renate Braband f. NT


Zum Advent

Bei unseren Adventsfeiern ist es üblich, dass ein Geistlicher eine kleine adventliche Ansprache hält. Sicher hätte ein Pastor aus einer Gemeinde im Kreise Uelzen diese Aufgabe auch in schriftlicher Form übernommen. Doch beim Suchen im Archiv fiel mir die Akte „Gemeindebriefe von Pastor Dr. Karl Schulz“ in die Hände, die er nach der Flucht an die Gemeindeglieder der Kirchengemeinden Rakwitz und Rothenburg a.d. Obra (Rothenburg) richtete. Nach Durchsicht der Briefe entschied ich mich für einen dieser Briefe, weil er viel Informationen über die Gemeindearbeit enthält und damit einen Einblick in das kirchliche Leben in der Heimat aufzeigt.
Es gibt noch mehr Gemeindebriefe, die sich lohnen, veröffentlicht zu werden. Doch heute, für die Adventszeit, soll es der Gemeindebrief aus dem Jahre 1958 sein. Er berichtet über Gottesdienste und Kirchenmusik in Rakwitz und Rothenburg. So mancher Name wird den älteren Lesern geläufig sein und so mancher von den Jüngeren findet seinen Familienamen.

 Da nicht alle Gemeindebriefe vorhanden sind, bitte ich Sie, einmal in Ihren alten Unterlagen nachzuschauen, ob dort nicht noch einer schlummert. Wir nehmen sie gerne in das Archiv. Vorhanden sind folgende Briefe: 18.10.1948 – 26.09.1950 – Februar 1951 – 31.05.1951 – August 1951 – 22.11.1951 – Februar 1952 – September 1952 – März 1953 – Oktober 1953 - Mai 1954 – Herbst 1954 – Juli 1955 – 14.4.1958 – Herbst 1958 – Januar 1960.


Doch nun zum Gemeindebrief von Pastor Dr. Schulz

 

Auf meinen letzten Gemeindebrief, den ich im Frühjahr 1958 versandt habe, sind mir von dankbaren Empfängern so viele Spenden zur Deckung der Kosten überwiesen worden, dass ich hoffe, mit diesem neuen Gemeindebrief vielen alten Gemeindegliedern wieder eine Freude zu bereiten. 

Wenn ich hier in Berlin zu Konzerten und ins Theater gehe, wozu ich, während der 23 Jahre in Rakwitz und Kölau nur selten Gelegenheit gehabt habe, denke ich oft zurück, welche großen Ereignisse jene Aufführungen waren, die wir in der Heimat erlebten. Es gab den Bachverein in Posen, der in der Kreuzkirche die großen Chorwerke mit Orchester aufführte, und es gab in Bromberg die deutsche Bühne, die bisweilen auch in Posen auftrat. Doch unsere Landgemeinden hatten kaum etwas davon. 

Darum gingen wir selbst ans Werk. Unser Kirchenchor in Rakwitz, den von 1919 bis 1926 der musikalische Kaufmann Ernst Heinrich leitete, nachdem die Kantoren Daubitz und Grünberg die Heimat verlassen hatten, übte 1935 bis 1938 die Passionsgeschichte nach den Evangelisten Matthäus und Johannes ein, die Heinrich Schütz in Töne gesetzt hatte. Pastor Wiegert (Rothenburg) gab der Gemeinde bei einem Treffen der evangelischen Kirchenchöre des Kreises Wollstein einen Überblick über das Lebenswerk des großen Komponisten. Nach monatelangem ernstem Üben konnte der kleine, nur etwa 20 Sängerinnen und Sänger umfassende Chor die schwierigen Sätze in und auswendig. Von auswärts kamen meine Freunde, die Pastoren Engel und Schilberg, um bei der Aufführung als Solisten mitzuwirken. Diese Passionsmusiken wurden von unseren Gemeinden nicht als Konzert, sondern als Verkündigung des Leidens Christi aufgenommen. In Chorälen antwortete die Gemeinde auf das Evangelium vom Opfertod des Herrn. 1940 konnte sogar ein kleines Orchester aus Posen herangezogen werden, als die vereinigten Chöre von Rakwitz und Rothenburg die Auferstehungsgeschichte nach Heinrich Schütz aufführten, wobei der junge Kaufmann Heinrich eine von den Solopartien sang. Dies war die letzte Oratoriumsaufführung bei uns. Hernach konnten wir keine mehr zustande bringen, weil die Männer eingezogen waren. Doch haben die Frauen und Mädchen unter der Leitung meiner Frau in Rakwitz und von Herrn Abraham in Rothenburg als Frauenchor weiter zusammengehalten und jedes Mal beim Gedenken für einen Gefallenen gesungen. Als Noten hatten wir dazu das eben erschienene Choralsingbuch für 3 Stimmen von Mahrenholz angeschafft. 

Wir führten die Oratorien nicht nur in Rakwitz, sondern auch in Nachbarorten auf. Für die Fahrten nach Wollstein und nach Rothenburg charterten wir uns einen Bus und jockelten auf holpriger Chaussee als die fahrenden Musikanten von Ort zu Ort. In Wollstein, wo wir am Nachmittag auftraten, wurden wir mit Kaffee und Streuselkuchen bewirtetAußer diesen Gesangswerken erklangen in unseren Kirchen auch Orgelwerke, bei deren Einstudierung unsere Bälgetreter Mähr, Wecker und Marquardt für Wind sorgen mussten. Wenn ich alle Register zog, hieß es flink von Hebel zu Hebel flitzen, damit der Orgel nicht die Luft ausging. Noch ehe ich 1926 als Pfarrvikar nach Rakwitz kam, habe ich mit meinem Freund Engel - genannt Lobgetön (im Unterschied vom Wollsteiner Pastor Engel) in Wollstein und in Rakwitz kirchenmusikalische Feierstunden gehalten. Er sang Tenor, Eisenschulz las die Bibelworte und ich orgelte. In Rakwitz waren wir im Herbst 1925 Gäste von Frau Pastor Löffler, die nach der Ausweisung ihres Mannes noch in Rakwitz verblieben war, während Pastor Angrikola die Vertretung ausübte.

Wir hatten aber nicht nur in den Städten Kirchenchöre. Aus dem Mädchenkreis, den meine Frau in Tarnowo gesammelt hatte, entwickelte sich ein Frauenchor, der bei den Beerdigungen mehrstimmig sang. Er wurde von Paul May aus Theresienau geleitet.

Unsere Kirchenchöre befassten sich nicht ausschließlich mit Kirchenmusik. Zur Geselligkeit, wie wir sie uns wünschten, gehörten neben dem berühmten Rakwitzer „Heinrichkaffee“ und dem selbst gekelterten Johannisbeerwein auch das Volkslied. Der Männerchor, der 1935 sein Jubiläum feierte, pflegte das gefühlvolle Lied, wie zum Beispiel „Leb denn wohl du kleine Gasse“. Der Kirchenchor sang die Lieder aus dem sogenannten Kaiserliederbuch, und die Jugendkreise schmetterten die Wandervogellieder aus dem Zupfgeigenhansel mit Lautenbegleitung. Die Pfarrfrau hatte einen Lautenchor gebildet, der die Instrumentensätze übte und dem Gesang eine feste Grundlage gab. Wenn Hochzeit gefeiert wurde und der Pastor mit seiner Frau eingeladen war, wurden Liederblätter verteilt, und die Vogelhochzeit und andere vergnügte Volkslieder erklangen in der lustigen Tafelrunde. Die Musik gehörte zu unserem Gemeinschaftsleben sei es in der Kirche, sei es in der Familie. Sie gehört zum Leben des Christen, nach dem Apostelwort: Singet dem Herrn! Da es in den Psalmen auch heißt: Lobet den Herrn mit Posaunen! gingen wir auch daran, die vier alten Zugposaunen in Stand zu setzen, die unter altem Gerümpel entdeckt worden waren, als wir den Kirchenboden aufräumten. Neue Instrumente wurden von der Firma Zeidler aus Wollstein bezogen und Ernst Gutsche zum Leiter unseres Posaunenchores bestellt, der nun regelmäßig in unseren Gottesdiensten und bei den Familienabenden spielte. 

Bei den Vorbereitungen zu unserem Familienabenden war Meister Richard Jaensch unentbehrlich, der es verstand, aus Brettern, Bänken und Stangen eine Bühne hervorzuzaubern, auf der unsere Jugend Laienspiele einübte. So bekam die Gemeinde das Spiel vom Verlorenen Sohn und den Totentanz zu sehen. Die Mädchen übten ein Schattenspiel nach dem Märchen von der Prinzessin mit dem gläsernen Herzen. Den Höhepunkt unserer darstellenden Kunst bildete das Krippenspiel, das zwischen Weihnachten und Heiligen Drei Königen einstudiert und dann an einem Winternachmittag zweimal hintereinander, zunächst für die Landgemeinde, dann für die Stadtgemeinde gespielt wurde. 

 Für unsere großen Kinderfeste hatten wir eigene Kasperfiguren, die Frau Lieselotte Heinrich selber angefertigt hatte. Noch liegen mir im Ohr die Lachsalven, die und durch Kaspers Späße entfesselt wurden, wenn in Fuchsens Garten 350 Kinder sich auf dem Rasen gelagert hatten und die kuriosen Gestalten über der Decke auftauchten, die zwischen zwei Bäumen aufgehängt worden war und als Bühne diente. Wir warteten nicht, bis Kino oder auswärtige Künstler bei uns Freude erzeugten, sondern aus der eigenen Freude am Heil heraus bereiteten wir einander durch Wort und Ton gegenseitig frohe Stunden. 

 Was hier zur Erinnerung an jene Zeiten aufgezeichnet ist, mag im Familienkreis vor Kindern und Enkeln vorgelesen werden und unsere heutige Jugend anspornen, in der christlichen Gemeinde tätig zu werden und so an der Gestaltung des kirchlichen Lebens im Kirchenchor, in Laienspielgruppen und im Jugendkreis mitzuwirken. So dankbar wir für die modernen Apparate sein können, die Gottesdienst, Musik und Theater ins Haus liefern, so sollen doch Funk und Fernsehen nicht unsere eigene Tätigkeit überflüssig machen, zu der Paulus uns ermahnt: Erbauet euch selbst! 

 Im Herbst hoffe ich wieder viele alte Gemeindemitglieder hier zu sehen, wenn in der Erlöserkirche der Heimatgottesdienst gehalten werden wird. Diesen Brief bitte ich weiterzugeben. Wer weitere Exemplare für Bekannte haben möchte, möge mir schreiben, an wen ich noch welche senden soll. Für eine Beteiligung an den Kosten durch eine Überweisung auf ein Postscheckonto Berlin W 943 wäre ich dankbar. 

 Gesegnete Pfingsten wünscht allen Lesern der alte Pastor Dr. Karl Schulz.

 

Posen – Preußens ungeliebte Provinz

 -Beiträge zur Geschichte des deutsch-polnischen Verhältnisses 1815 – 1918-

Das o.g. Buch von Dr. Helmut Neubach ist sein letzter Beitrag zur Geschichte der Provinz Posen. Es ist jetzt fertiggestellt und erschienen – leider erst nach seinem Tode.

Die von ihm hierzu verfassten Beiträge konnte Dr. Wolfgang Kessler in diesem Buch zusammenfügen.

Folgende Themen sind im Buch niedergelegt:

 

  • Vorwort von Dr. Wolfgang Kessler
  • Die Deutschen in der Stadt und in der Provinz Posen
  • Die Oberpräsidenten der Provinz Posen 1815 – 1860
  • Die deutschen Reichstagsabgeordneten der Provinz Posen 1967 – 1918
  • Der „Fall Carnap“ in Opalenitza (1896)
  • Die Nationalitätenverhältnisse in der Provinz Posen im Spiegel der letzten Reichstagswahlen vor dem Ersten Weltkrieg (1912)
  • Veröffentlichungen von Helmut Neubach zur Geschichte der preußischen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen
  • Abkürzungen
  • Register – Geographische Namen – Personennamen
Sie bekommen das Buch über die „Martin-Opitz-Bibliothek“ Berliner Platz 5 44623 Herne oder über E-Mail: information.mob@herne.deDas Buch umfasst 228 Seiten DIN A5– ISBN 978-3-923371-48-8 –         Schutzgebühr 18,-- € + Porto.

 

Über den HKW erhalten Sie folgende Literatur:

Band 1 „Die Geschichte der Posener Landkreise und kreisfreien Städte“  ( Preis 12,00 € )Hier werden alle Posener Kreise und kreisfreien Städte mit ihrer Geschichte vorgestellt.

 Band 2 Das „Historische Ortsverzeichnis der Provinz Posen -  ist vergriffen.

Band 3 Im „Posener mundartliches Wörterbuch“ oder auch das „Pauer’sch Platt“ haben wir aus den westlichen Posener Kreisen nicht nur mundartliche Wörter, sondern auch kleine Geschichten, Brauchtum und Redewendungen zusammengetragen. (15,-- €)

Band 4 Das „Leben und Werk der Posener Theologen D. Paul Blau und D. Karl Greulich zeigt nicht nur die Geschichte des Generalsuperintendenten D. Blau und des Pastors und Kirchenmusikers Greulich in Posen auf, sondern ist auch ein Stück Kirchengeschichte der Provinz Posen in der Zeit von 1919 – 1945. (12,-- €).

Heft 1 Eigen- und Fremdbilder im deutsch-polnischen Verhältnis. Zum Deutschlandbild der polnischen Verwaltung im Kreise Neutomischel. Hier werden Beobachtungen über  deutsche Einwohner und Geheimdienstberichte veröffentlicht. Jonas Grygier M.A. Berlin.  77 Seiten DIN A 5 3,-- € + Porto u. Verp. 1,55 €

 Polen und sein Preußischer Streifen (Provinz Posen) mit vielen Bildern und  Texten. Verfasser: Walther Threde/Peter Nasarski-1983   Das Buch hat 160 Seiten. Es ist ein Restbestand. Preis 10,-- € einschließlich Porto.

 Die evangelischen Kirchen in der Wojewodschaft Posen(Poznań) 1918-1939. Olgierd Kiec, Harrassowitz Verlag Wiesbaden 1998 (=DHI Warschau, Quellen und Studien, Bd. 8). Gebunden, wie neu, 262 Seiten. 20,00 Euro.

 Die Räumung des „Reichsgaus Wartheland“ vom 16. Bis 26. Januar 1945 im Spiegel amtlicher Berichte. Bearbeitet von Joachim Rogall. Sigmaringen 1993. Gebunden, 226 Seiten, sehr guter Zustand 55,00 Euro

 Die Deutschen im Posener Land und in Mittelpolen. München 1993-Joachim Rogall,. Paperback, 208 Seiten, etwas belesen. 25,00 Euro

 Die Provinz Posen. Ihre Geschichte und Kultur unter besonderer Berücksichtigung ihrer Landwirtschaft. Von Dr. Paul Krische. Mit einer naturwissenschaftlich-geologischen Abhandlung über die Provinz von Dr. Carl Riemann. Mit 96 Abbildungen im Text und 2 Karten. Staßfurt 1907. Nachdruck Melchior-Verlag, um 2012. Gebunden, 318 Seiten, gutes Exemplar, 14,00 Euro. 

Bei allen Büchern fällt Porto + Verpackung an.


TERMINE    Unter Vorbehalt „Corona“

 Die Adventsfeier des Heimatkreises Neutomischel fällt aus.

 12.02-14.02.2021  Das DGV-Geschichtsseminar fällt aus!!!

20.02.2021  Das 11.  Treckerinnerungsfrühstück – Beginn 09.30 Uhr Gasthaus Wöbse  in Suhlendorf -      Ende 13.00 Uhr. Anmeldung bei Werner Gierke Tel. 0581-15286 oder Horst Eckert 05821-7666 – geplant -

03.März 2021 Eisbeinessen des HK Neutomischel in Hannover geplant. Anmeldung bei Frau Braband    erforderlich Tel. 05105 61154 – geplant -

27.03. oder 17.04.2021 um 10.30 Uhr Mitgliederversammlung in Suhlendorf, gemeinsames Mittagessen und anschließendem Busausflug. Mitglieder erhalten eine gesonderte Einladung.  – geplant -. 

Am Busausflug können auch Nichtmitglieder teilnehmen.

 13.05. -16.05. 2021 Fahrt nach Wollstein. Vorrang bei dieser Fahrt haben die Anmeldungen von 2020. Voranmeldungen auf frei werdende Plätze können schon jetzt eingereicht werden. Die Voranmeldungen sind  unverbindlich! Erst nach Zugang der Ausschreibung und Abgabe der Anmeldung sind Sie „angemeldet“. -geplant-

 


Ihre „Eiserne Hochzeit“ feiern am 10.12.2020 Hubert Mertinke und Frau Irmgard geb. Bredow  in   21789 Wingst Anglerstr. 46, früher Neu Obra Hauland, Krs. Wollstein.

Die „Eisernen Jubilare“ grüßen alle Heimatfreunde aus dem Kreis Wollstein und wir Wollsteiner gratulieren dem „Eisernen Hochzeitspaar“ und wünschen alles Gute.

 


Heimatlied der Wollsteiner

(Text: Gotthold Wittchen - Melodie: Strömt herbei ihr…)

 Traute Stadt im Posener Lande, Dir erklinge unser Lied

Traute Stadt, nach deren Straßen, uns die Sehnsucht immer zieht

 Deine Häuser mild verkläret, von des Herbstes Sonnenstrahl,

Traute Stadt im Posener Landes, sei gegrüßt viel tausendmal.

 

 Froher Kindheit lust’ge Träume, ruft Dein Anblick in uns wach;

 Manche tolle Jugendstreiche, klingen noch im Herzen nach.

 Zeugin unserer ersten Liebe, unserer Freud und unserer Qual,

 Traute Stadt im Posener Landes, sei gegrüßt viel tausendmal.


 Alle die wir hier versammelt, denken gern an Dich zurück;

 Denken an die frohen Stunden, an erlebtes Jugendglück!!

An die „Bleiche“ – „Alte Mühle“, und der schönen Plätzchen mehr;

 Oft ist’s uns als ob wir träumten, denn schon lange, lang ist’s her.


Und ob wir auch scheiden mussten, die wir gern in Dir geweilt, 
Unsere Treue, unsere Liebe, bleibt Dir immer zugeteilt.

So gedenken wir auch heute, Deiner hier in großer Zahl,

Wollstein Du im Posner Lande, sei gegrüßt viel Tausendmal.

 


 

Einführung zum Thema „Landesbank

Zum folgenden Text werden Sie sich fragen, was hat das mit dem Kreis Wollstein zu tun? Sehr viel - mehrere Millionen Reichsmark ist die Verbindung wert. Schließlich war es die übergeordnete Geschäftsverbindung für die „Kreissparkasse Wollstein (weiter mit KSW)“. Hier hat sie Geld hinterlegt bzw. hätte auch Geld aufnehmen können. Die Bilanz der KSW weist am 14.03.1945 aus (in Uelzen), dass sie mehrere Millionen Guthaben bei der Landesbank hatte. Von diesem Guthaben waren rund 4.9 Mill. RM Aktiva, die auf Konten in den Westzonen lagen und zu denen die Landesbank und Girozentrale Posen in Celle Zugriff gehabt hätte. Weitere ca. 5,3 Mill. RM bei der Landesbank Posen in Celle, die von der Landesbank in der Depotstelle Berlin deponiert waren- somit Gesamtsumme 10,2 Mill. RM. Wieweit die Landesbank auf die 5,5 Mill. noch ein Zugriffsrecht hatte, weiß ich nicht.

Von den 4,9 Mill. RM auf Westkonten waren rund 1,4 Mill. RM vorhandenes Geld und am 5.1.1947 wären bei der Landesbank Posen in Celle 3,5 Mill. RM Termingeld zugunsten der KSW fällig gewesen. Die Gesamtspareinlagen der Wollsteiner bei der KSW waren ca. 10,9 Mill. RM. Dieses Geld hätte bis zur Währungsreform für die Auszahlung der gesparten Einlagen gereicht. Die nicht ausgezahlten Spareinlagen wurden nach der Währungsreform mit 6,5 % entschädigt. Und das mit jährlicher Verzögerung ausgezahlt. Hierdurch war die Kaufkraft des Restbetrages mehr als stark verlustig. Die offizielle Lesart war Kurs 1 : 10.

Da die KSW die Gegenkonten bei der Flucht mitgeführt hat, konnten  die Wollsteiner – sofern sie es wussten – vom Sparbuch Geld abheben in der in Uelzen eingerichteten Zahlstelle. Eine öffentliche Bekanntgabe der Möglichkeit habe ich nicht gefunden. Auch nicht in der Allgemeinen Zeitung in Uelzen. Nur Mundpropaganda war möglich.
Die KSW hat in Wollstein im Dezember 1939 ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. Am 13.12.1939 hat Landrat Schneider ein Sparbuch auf seinen Namen eröffnet – es hatte die Sparbuch-Nr. 1. Dieses Sparbuch befindet sich im Wollsteiner Archiv.
Nach Besetzung des Kreises Uelzen durch englische Streitkräfte musste die Zahlstelle der KSW Auszahlungen einstellen und der englische Finanzoffizier hat das Geld der KSW beschlagnahmt. Datum nicht bekannt. Danach musste die KSW abgewickelt werden.
Über das Personal der KSW gibt es keine Unterlagen im Archiv. Nur der letzte Direktor der KSK Wollstein ist bekannt: es war Herr Jaeschke, der nach Schließung der Wollsteiner Zahlstelle Filialleiter der Kreissparkasse Uelzen in Ebstorf wurde.
Die in Wollstein ansässige „Westbank“ (eine Genossenschaftsbank) wurde in Braunschweig abgewickelt. Der letzte Vorstand waren Paul Treppenhauer – Fritjof Krüger- Wilhelm Manthey. Den Vorsitz im Aufsichtsrat hatte Gutsbesitzer Theodor v. Wentzel aus Belsin (Bellencin). 
Herr Fritjof Krüger war Filialleiter der Westbank in Neutomischel und wurde im Dezember 1936 in den Vorstand gewählt. Nach Flucht und Vertreibung trat Krüger am 01.03.1946 in die Bremische Volksbank als geschäftsführendes Vorstandmitglied ein, in der er sehr erfolgreich war. Bei seinem Ausscheiden gab der Bremer Senat für ihn einen Empfang. Herr Treppenhauer fand eine neue Tätigkeit in einer Genossenschaftsbank in Braunschweig. In unserer Festschrift „25 Jahre Patenschaft“ finden Sie weitere Ausführungen zur „Westbank“.
Die folgenden Ausführungen sind im Rundschreiben des Deutschen Geschichtsvereins des Posener Landes erschienen. Ca. 40 Wollsteiner kennen bereits diesen Text. 

Die Landesbank und Girozentrale Wartheland aus Posen in der Blechkiste 
Das Internet und ein eigener Internetauftritt haben auch Vorteile. Im Jahre 2012 erreichte den Heimatkreis Wollstein e.V. (HKW) ein Schreiben der Sparkasse Celle mit dem Inhalt „im Tresor steht eine Blechkiste, keiner weiß, weshalb sie dort steht, was sie enthält und seit wann sie dort eingelagert ist. Man habe sie geöffnet und festgestellt, dass es sich um die Restbestände der „Landesbank und Girozentrale Wartheland aus Posen“ handelt“. Die Sparkasse suchte im Internet einen Ansprechpartner aus der Provinz Posen, der erklären könne, was es mit der „Kiste“ zu bedeuten habe. Hier entdeckten sie den HKW und so kam es zu diesem Kontakt. 
Anmerkung: Die Landesbanken und Girozentralen sind damals wie heute Banken der 
Länder und unterstützen die öffentliche Hand bei Finanzdienstleistungen und wirtschaftspolitischen Themen. Bis 1945 gab es im Deutschen Reich ebenfalls solche Geldinstitute. Da der Reichsgau Wartheland nach der Besetzung Polens 1939 in das Reich eingegliedert werden sollte, wurde für den Reichsgau Wartheland die „Landesbank und Giro-zentrale Posen“ mit Sitz in Posen gegründet. Träger waren der Reichsgau Wartheland (Selbstverwaltungskörperschaft) sowie der Sparkassen- und Giroverband Wartheland (auch die Krs. Spark. Wollstein).  Als Gesamtschuldner hafteten sie neben dem eigenen Vermögen der Bank für deren Verbindlichkeiten.  
In der am 1.11.1940 in Kraft getretenen Satzung wird als Kerngeschäft die Vergabe von Krediten an die öffentliche und die private Wirtschaft in deren Geschäftsgebiet aufgeführt sowie die hierfür erforderliche Mittelbeschaffung u.a. durch Ausgabe von Kommunalschuldverschreibungen und Pfandbriefen durchgeführt.        Landesbank – im weiteren Text genannt als = LB) (S. Ro.)
Als Antwort auf die Nachfrage habe ich der Sparkasse mitgeteilt: „Diese Restbestände suche ich schon lange.“ Wir haben einen Termin festgelegt und sind zu zweit nach Celle gefahren. Die Sparkasse wollte die „Kiste“ loswerden und ich wollte die „Kiste“ haben. Wir waren uns schnell einig, nachdem ich die Zusammenhänge erklärt hatte. Der HKW   bestand jedoch darauf, dass die Landesbank und Girozentrale Hannover für die Übernahme grünes Licht gibt, damit später keine Komplikationen der Besitz- und Eigentumsverhältnisse auftreten. Das Sparkassenarchiv in Hannover hat eine Verfilmung der Unterlagen durchgeführt und diese archiviert. So konnten wir die „Kiste“ für den HKW übernehmen.

 Wie kam die Kiste nach Celle in die Sparkasse?

Wer die Geschichte des Jahres 1945 kennt, weiß, das in diesem Jahr die große Flucht war, in der nicht nur die Bevölkerung aus dem Osten Deutschlands und seinen Siedlungsgebieten flüchtete oder vertrieben wurde, sondern auch Behörden dem Gegner ausweichen mussten.
Als am 20.01.1945 am Nachmittag der Räumungsbefehl bekanntgegeben wurde, musste die LB in Posen die Schalter schließen und  Posen verlassen. Ob am 20.01. oder 21.01.1945 lässt sich in den Unterlagen nicht feststellen, jedoch die Ausweichstation der LB in Eschwege war am 22.01.45 erreicht. Wie der Transport stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Der Dienst wurde in Eschwege wieder aufgenommen. Später wieder eingepackt und die Einrichtung nach Celle verlegt.  Hier wurde in der Stadtsparkasse Celle die LB abgewickelt. Wieviel Personal dafür erforderlich war, ist aus den Unterlagen der „Kiste“ nicht ersichtlich. Da Bargeld vorhanden war, sind mit angrenzender Wahrscheinlichkeit die Gehälter weitergezahlt worden, was man nicht beanstanden kann. Genaueres können Historiker feststellen, die die entsprechenden Archive suchen müssten.
Was habe ich in dieser „Kiste“ gefunden? Geld war nicht vorhanden. An Wertgegenständen der damaligen Zeit waren es mehrere Tausend KDF-Sparmarken für den Volkswagen im Werte von 5,-- Reichsmark (RM) das Stück, dazu noch 1.000 Wertmarken a -- 50 Rpf. das Stück. Der Volkswagen sollte einmal 990,-- RM kosten. Wären diese Wertmarken alle verkauft worden, hätte es für mindesten 5 Volkswagen a 990,-- RM gereicht. Die vorhandenen Wertmarken hatte u.a. die Kreissparkasse Kosten -Ausweichstelle Schleiz – zur Entlastung per Post (Poststempel 15.03.1945) und mit Anschreiben nach Eschwege (Ausweichstelle) zurückgegeben. In der „Kiste“ waren noch Beitragsmarken für die Krankenkasse a -,25 Rpf. und die Deutsche Arbeitsfront (Beitragsmarken) enthalten.
Mehrere Sparbücher mit Guthaben sind als Pfand für gewährte Darlehen hinterlegt. Eine Angestellte der Gauselbstverwaltung aus Posen hat während der Flucht am 22.02.1945 (der Räumungsbefehl kam am 20. 01. am Nachmittag) in der Mitteldeutschen Landesbank in Magdeburg die Sparbeträge von ihren zwei Sparbüchern restlos abgehoben. Die Sparbücher wurden dort eingezogen und der LB per Einschreiben am 22.02.1945 nach „z.Zt. Eschwege im Hause der Kreissparkasse“ zugeschickt. Der Lastschriftenauftrag folgte ebenfalls mit der Post nach Eschwege und ist dort eingegangen.
Als Sicherheiten für die Kredite wurden auch Kfz.-Papiere hinterlegt oder Papiere für Kfz.-Anhänger. Für manche Betriebe hat auch der Reichsstatthalter die Bürgschaft übernommen, wenn deren Produktionen für den Gau wichtig waren, z.B. eine Möbelfabrik in Rogasen. Kurioses gab es allerdings auch. Ein Kreditnehmer hat seine Zuchtsauen verpfändet. Immerhin hieß die eine Sau „Seminaris“, der Vater-Eber „Hanswurst“ und die Mutter-Sau „Ortrud“.
Eine bekannte Getreidehandlung aus Hamburg hatte in Posen eine Niederlassung. Auch sie litt unter der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden. Am 05.01.1945 teilte die Firma der LB mit, dass die offenen Rechnungen 345.848,25 RM betrugen und sie somit die Zwischenfinanzierung von 250.000,-- RM weiterhin in Anspruch nehmen müssen. U.a. waren offene Rechnungen bei der Kartoffelflockenzentrale Berlin, Knorr m.b.H. in Posen, Landwarenhandel Donauland in Wien und die Mühle Anton Rauch in Innsbruck mit insgesamt abgerundet 110.000,-- RM.
Mit kleineren Summen liegen 2 Wechsel von insgesamt 6.000,-- RM in den Unterlagen und eine Forderung an einen Oberbürgermeister in der Provinz Posen von 3.046,04 RM.
Ein Beleg aus Rogasen veranlasste mich zu einem Anruf bei der Cousine meiner Frau, die aus Rogasen stammt und heute in Hamburg lebt.  Den Antragsteller bei der LB kannte sie. Seine Tochter war eine gute Freundin von ihr, die jedoch im letzten Jahr (2019) verstorben ist. Im Januar 1945 wurde die Cousine mit ihrer Mutter von der Familie auf einem Firmen-LKW auf die Flucht mitgenommen. Drei weitere Namen sind mir noch bekannt, aber bei zweien habe ich die Nachfahren nicht auffinden können.
Ob die LB von Eschwege oder Celle noch Forderungen der Darlehnsnehmer entgegennehmen konnte, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
Um den Dienstbetrieb in Eschwege wieder aufzunehmen, wurden beim Postscheckamt in   Frankfurt am Main neue Scheck- und Überweisungshefte mit der Ortsbezeichnung „Eschwege“ angefordert und mit der Post zugestellt. Aus diesen Heften wurde kein Scheck oder Überweisungsträger entnommen. Die Blocks sind vollzählig. 
Heftige Bewegungen sind jedoch im Scheckheft für die Deutsche Reichsbank in Posen in der Zeit vom 30.12.1944 bis einschließlich 20.01.1945 eingetragen. In dieser Zeit wurden
8.880 000,-- RM abgehoben. Von dieser Summe gingen am 19.01.1945 an die Kreissparkasse Schroda 200.000 RM und an die Kreissparkasse Samter 100 000,-- RM. Die LB hat am 20.01.1945 für sich noch einmal 1.600 00,-- RM abgehoben. Wofür die Kassenbestandsverstärkung war, konnte ich nicht ermitteln.
Wann die LB nach Celle ausgewichen ist, lässt sich in den Unterlagen aus der „Kiste“ nicht feststellen. Kontakte waren lt. Belege mit der Landesbank in Magdeburg am 22.02.1945, mit der Kreissparkasse Krotoschin in Hettstedt im Südharz am 17.05.1946, mit der Kreissparkasse Kosten Ausweichstelle Schleiz und der Stadtsparkasse Leslau (kein Datum) in Pritzwalk. Ob die Kreissparkasse Wollstein Ausweichstelle Uelzen Kontakt zur LB hatte, konnte ich nicht feststellen.  Die Kreissparkasse Wollstein hat nach zu überwindenden Widerständen in Uelzen in der Kreissparkasse Uelzen eine Zahlstelle einrichten können. Wer es von den Wollsteinern „wusste“, konnte dort mit seinem Sparbuch Geld abheben, weil die Kreissparkasse Wollstein die Gegenkonten mitgeführt hatte. Die Bilanzen von 1945 und 1946 liegen vor. Die Zahlstelle musste nach der Besetzung durch englische Truppen eingestellt werden. Das Geld wurde von den Engländern beschlagnahmt. 
Während der Flucht der Wollsteiner haben zwei Verwalter von Nebenstellen der Kreissparkasse Wollstein (u.a. Jablone) aus ihrer Geldkassette gegen Vorlage des Sparbuches Geld ausgezahlt.
In Celle wurde die LB aus Posen abgewickelt. Das Scheckbuch auf die Deutsche Reichsbank in Hannover wurde nicht benutzt. Für die Abwicklung war es erforderlich, dass alle Geldsummen zusammengeführt wurden.
Am 03.12.1945 beauftragt die LB daher, die Reichsbank in Hannover mit zwei Anweisungen 
15 000 000 Mill. RM vom Postscheckkonto in Frankfurt einzuziehen.
Wann die LB die Abwicklung beendet hatte und wieviel Personen daran beteiligt waren, ist nicht bekannt. Das letzte Schreiben mit Datum in der „Kiste“ war vom 17.05.1946 an die Kreissparkasse Krotoschin in Hettstedt (s.o.)
Als die LB ihre Bankräume am Wilhelmsplatz 16 in Posen verließ, wurden ordnungsgemäß alle Türen und Geldschränke verschlossen und die Schlüssel - auch die Tresorschlüssel (31 cm lang) in 2 Ausführungen - in die besagte Kiste gelegt. Anhand des Schlüsselbartes ist zu erkennen, dass es sich um mehrere Sicherheitsschlüssel handelte. Die Schlüssel der Bürotüren sind nummeriert. Ein Spezialring mit 2 Schlüsseln ist mit dem Firmenaufdruck „Bode-Panzer A-G. – Hannover-Hamburg-Berlin“ versehen. Auf den Tresorschlüsseln steht die Firma  „Bernard-Polski-Poznan“.
Die Dienststempel, Unterschriftsstempel und Stempelkissen/rot sind ebenfalls in der „Kiste“. Das Stempelkissen „bröckelt“ allerdings schon.
Anmerkung: Die Bezahlung der Rechnungen war während des Krieges nicht so besonders schnell. Firmen wie auch der öffentliche Dienst bis einschließlich der Heeresverwaltung ließen sich Zeit. Dies dürfte sicher auch in allen Bereichen an mangelndem Fachpersonal gelegen haben. Viele von ihnen waren bereits Soldat und standen den Betrieben und Behörden nicht mehr zur Verfügung.  Z.B. wurde der Oberbuchhalter einer Firma in Rakwitz, Krs. Wollstein, für die Aufstellung des Jahresabschlusses und der Erstellung der Bilanz von der Wehrmacht beurlaubt (Fundstelle:  Firmenunterlagen).
Einige Fragen bleiben offen. Z.B. wann hat die Landesbank Posen verlassen und womit?  Ist ein Nachkommando verblieben und hat die Schließfächer an die Kunden übergeben?  Wann und warum hat man Eschwege verlassen? Wo sind die Abrechnungsunterlagen geblieben? Wurden von den Schuldnern noch Tilgungsbeträge eingezogen (z.B. in den westlichen Besatzungszonen von den Stammfirmen). H.E.

 

Bilder:

 

  1.  Scheckheft der LB Posen – 
  2.  Scheckheft der Deutschen Reichspost für die  LB Posen in Eschwege  
  3.  Die Bankschlüssel und Tresorschlüssel der LB Posen in Eschwege
  4.  Dienststempel der LB Posen 
  5. Sparmarken der Deutschen Arbeitsfront in Höhe von 5,-- RM für einen Volkswagen
  6. Das Arbeitsfeld der LB Posen in einem Sparbuch der LB als Reklame eingetragen

 


 



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