Heimatkreis Wollstein e.V.
                                                   Historischer Verein Wollstein und Umgebung 

  

Wollsteiner Zeitung Nr.: 3/2021


 

Liebe Wollsteiner und Neutomischler Heimatfreunde,

an der Aufmachung der Wollsteiner Zeitung stellten Sie bereits fest, es fehlt die Einladung zur Adventsfeier. Leider können wir die Adventsfeier nach Abwägung aller Möglichkeiten nicht durchführen. Noch im Oktober hat der Vorstand beschlossen, die Adventsfeier auf Grund der guten „Corona-Entwicklung“ im Kreis Uelzen für den 2. Adventssonntag zu organisieren. Doch die Rückschläge bei Corona und den Bedingungen zur Durchführung von Veranstaltungen, haben sich in diesem Bereich enorm verschlechtert. 

Im Kreis Uelzen veranstalteten verschiedene Vereine unter Hygienebedingungen Treffen und Versammlungen. Doch diese Veranstaltungen wurden von Teilnehmer aus einer überschaubaren Region besucht. Doch wir haben den ganzen Landkreis zu berücksichtigen und Teilnehmer aus den Regionen Wolfsburg, Hannover, Hamburg und anderen Orten außerhalb des Landkreises Uelzen, wo wir die Corona-Entwicklung nicht kennen. Das erschwert uns die Kontrolle der Besucher (wir sind dazu verpflichtet und verantwortlich). Hinzu kommt die 3 G Regelung und auf dem Saal dürfen sich nur 50 Personen aufhalten. Hier kommt für uns die Frage auf, wen grenzen wir aus?

Alle diese Bedenken und Probleme führten in der November-Vorstandssitzung zum Beschluss, die Adventsfeier nicht durchzuführen. Dies war für uns eine schwere Entscheidung, da wir das Bedürfnis kennen, sich wieder einmal mit alten Freunden und Bekannten zu begegnen und zu unterhalten. 

Wir bitten um Verständnis und bleiben Sie uns trotzdem weiterhin verbunden.

Und nun die gute Nachricht: Wir planen weiter – wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben.

Termine: - wenn Corona es zulässt!

Einladung zum Adventspreisschießen des Schützenvereins Suhlendorf

Zum Adventspreisschießen sind wir herzlich eingeladen und wollen auch mit einer Mannschaft teilnehmen.

Gleichzeitig wollen wir auch unseren „Wollsteiner Wanderpokal“ zur Erinnerung an unsere Schützenvereine im Kreis Wollstein ausschießen. Der Sieger erhält ein Preisgeld von 25,- €. Das Startgeld für das Schießen übernimmt der Heimatkreis. Skat und Knobeln ist ebenfalls im Programm. Und nun der Fahrplan:

Termin: 27.11.2021 in Suhlendorf im Gasthaus Wöbse. Schießen von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr – (--,-- €)

Preisskat von 15.00 – 18.30 Uhr/3 Durchgänge (10,-- €) – Knobeln von 16.00 – 18.30 Uhr (10,-- €). Für alle Disziplinen gibt es Fleischpreise.- 2 G- Regel/Kontr.  ANMELDUNG bei Klaus.-Dieter Stein Tel. 05828-366.

Adventskaffee HK Neutomischel Frau Renate Braband teilt mit, dass am 01.12.2021 wieder ein Adventskaffee stattfinden soll – von 13.00 – 16.00 Uhr im „Wiener Kaffee“ im Central-Hotel „Kaiserhof gegenüber dem Bahnhof in Hannover. Anmeldung ist erforderlich bis 1 Woche vor Termin unter der 

Tel.-Nr. 05105-61154 – Renate Braband. Bei Teilnahme gilt die 3 – G – Regelung.

Das „Treck-Erinnerungsfrühstück“ ist geplant für Sonnabend, den 26.02.2022 um 09.30 Uhr im Gasthaus Wöbse in Suhlendorf. Anmeldungen bei Werner Gierke Tel. 0581-15286 oder Horst Eckert Tel. 05821-7666. Preis: 10,-- € pro Person. Eine weitere Einladung ergeht nicht!!!

Die Mitgliederversammlung des Heimatkreises Wollstein e.V. ist für den 30.04.2022 geplant. Die Mitglieder erhalten hierfür eine gesonderte Einladung. Sollte die Möglichkeit bestehen, findet nach der Versammlung (13.00 Uhr) ein Busausflug statt. Es können auch Nichtmitglieder mitfahren.

Die Wollsteinfahrt mit dem Bus planen wir für den 26.05.-29.05 2022. Sie können sich bereits unverbindlich anmelden. Nach Zugang der Anmeldeunterlagen müssen Sie sich endgültig entscheiden - Ende Januar 2022. Der Reisepreis wird bei ca. 280,-- € liegen. Anmeldungen aus dem Jahr 2020 werden vorrangig berücksichtigt.

Das „Geschichtsseminar“ des „Deutschen Geschichtsvereins (DGV) des Posener Landes e.V.“ zu Themen der Geschichte der Provinz Posen, veranstaltet der DGV vom 11.02. -13.02.2022 im Gustav- Stresemann-Institut in Bad Bevensen OT Medingen. Ausschreibungsunterlagen erhalten Sie vom Heimatkreis Wollstein. Teilnehmen kann jeder, der an der Thematik interessiert ist. Mitgliedschaft ist nicht erforderlich.

Geplante Themen:

  1. Von der Kreuzkirche Posen zur Kreuzkirche Frankfurt/O. – Referent Ralf Loock, Journalist
  2. Auf den Spuren der „Posener“ in Frankfurt/O. nach 1919 – Referent Ralf Loock, Journalist

         u.a. „Das Eisenbahner-Denkmal und die Eisenbahner-Siedlung in Frankfurt/O.“,

  1. Umbenennung der Ortsnamen im Reichsgau Wartheland nach 1939 - Dr. Sprungala, Historiker
  2. Die Anfänge der modernen Stadt Posen in der Provinz Südpreußen – Dr. Kessler, Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne a.D.
  3. Die deutsche Literatur in den Seminaren an der Uni Posen - Prof. Dziergwa, Uni Posen
  4. Eine deutsche Verschwörung – vier Deutsche retten im Jahre 1941 die Reliquien des Hl. Albert aus dem Dom zu Gnesen vor den Nationalsozialisten. - Dr. Gorski, Posen
  5. Der Lastenausgleich – erfüllte er die versprochene Entschädigung und Integration der Vertriebenen? Prof. Dr. Kittel Uni Regensburg
  6. Die Entdeckung der Regionalgeschichte: Polnische Forschungen über die Stadt und den

Landkreis Meseritz - Dr. Kessler s. 4.

Gemeindebrief der Kirchspiele Rakwitz und Rothenburg September 1952. (Abschrift)

Hier veröffentlichen wir wieder einen Rundbrief von Pastor Dr. Karl Schulz aus Rakwitz an seine früheren Gemeindeglieder 

Als ich 1949 als dritter Geistlicher an die Herrenhäuser Kirche kam, war es mir ganz ungewohnt, daß ich nur jeden dritten Sonntag je einen Gottesdienst zu halten hatte, da die drei Geistlichen hier miteinander abwechseln. Ich dachte der ausgefüllten Sonntage in der Heimat, wo jeden Sonntag von mir drei Gottesdienste, oftmals noch mit Abendmahlsfeier und Taufe verbunden, von Rakwitz aus zuhalten waren, sodaß ich um 08:00 Uhr schon mit dem Gespann ausfahren mußte und erst am späten Nachmittag von Wiesenstadt, Jablone oder gar Konkolewo heimkehrte. Inzwischen habe ich mir die Arbeit hier so eingerichtet, daß fast jeder Sonntag von mir den dreimaligen Dienst fordert. Da ich gerade dabei bin, für die nächsten Sonntage meinen Plan zu machen, gehen meine Gedanken zurück in die früheren Zeiten, und ich möchte die alten Gemeindeglieder an meinen Gedanken teilnehmen lassen. Die Alten sollen es den Jungen vorlesen und ihnen erzählen, wie das gottesdienstliche Leben in der Heimatkirche gewesen ist.

In der Rakwitzer Kirche begann der Gottesdienst sonntäglich um 10:30 Uhr. In Rothenburg mußte viele Jahre hindurch, nachdem Pastor Agrikola 1926 sein Amt aufgegeben hatte, und ebenso nach der Einberufung von Pastor Wiegert 1941 der Gottesdienst bereits früh um 09:00 Uhr beginnen, da der Vertreter von Rakwitz herüberkam und anschließend an den Rotenburger Gottesdienst noch in Rakwitz Dienst zu tun hatte. In Rothenburg hielt Kirchendiener Jähner bereits vom hohen Turm aus Ausschau nach dem Gespann, um schon mit dem Läuten zu beginnen, wenn der Wagen bei der Ziegelei um die Ecke bog. Wenn die Pferdchen bei der Rückfahrt von Rothenburg nicht mehr so flink laufen wollten, mußte die Gemeinde Rakwitz auf ihren Pastor ein wenig warten. Erst wenn der Wagen von der Poststraße auf den Markt einbog, flitzte Küster Gutsche zum Glockenturm, um zum Gottesdienst zu läuten.

Zu den Gottesdiensten in den beiden Pfarrorten kamen Andachten auf den Dörfern und in der Filiale Wielichowo hinzu. Der Rakwitzer Pastor hatte jedes Vierteljahr einmal in Rattai Gottesdienst zu halten. Die Wielichowoer Kirche mußte der geringen Zahl der Evangelischen dort (1939 nur noch 4) weiter versorgt werden, wenn auch der alte Lehrer Pietsch dort regelmäßig Lesegottesdienst hielt. Die Tarnowoer erwarteten auch, daß der Pastor sich um sie kümmerte, und lohnten ihm sein Kommen mit besonders zahlreicher Teilnahme am Gottesdienst, der monatlich einmal gehalten wurde. Der Rothenburger Pastor hatte zunächst nur die Pflicht, je zweimal im Jahr in Goile und Gloden für die Alten und Gebrechlichen Abendmahl-gottesdienst zu halten. Pastor Wiegert aber vermehrte die Gottesdienste auf den Dörfern und hielt während des Winters jeden Sonntag 3 Gottesdienste hintereinander am Vormittag. Er konnte das aber nur schaffen, weil die Kirchenältesten ihm die Liturgie abnahmen, indem sie schon vor seinem Kommen damit begannen. War am Ende der Liturgie der Pastor noch nicht eingetroffen, weil die Schneeverwehungen ihn aufgehalten hatten, so wurde ein Lied nach dem anderen gesungen, solange bis den Pastor eintraf und die Predigt halten konnte.

Nicht nur am Sonntag, sondern auch in der Woche fand sich die Gemeinde zum Gottesdienst zusammen. Eine kleine Schar versammelte sich während der Kriegsjahre jeden Morgen 7:30 Uhr in der Rakwitzer Kirche zur Morgenandacht. Nicht groß war die Schar, die in der Adventszeit am Freitag zur Rorate kam, bei der das Dreimal-Heilig nach einer eigenen Melodie gesungen wurde und ein Adventsbäumchen auf dem Altar stand. Dankbar zeigten sich die Tarnowoer für die Wochenandachten, zu denen sie während der Passionszeit am Spätnachmittag in großer Zahl kamen.

Wir hatten Freude an den schönen Gottesdiensten des Herrn, sodaß viele Gemeindeglieder den weiten Weg nach Theresienau nicht scheuten oder gern das Fahrgeld von Volkstreu oder Feldkirche opferten, um am Gottesdienst teilzunehmen. Am schönsten aber war die Christnacht, zu der die ganze Kirche im Kerzenschein erstrahlte und der Kinderchor Quempas sang, da man ihn im Reiche wieder eingeführt hatte. Freilich war mancher vom weiten Weg oder der schweren Alltagsarbeit so müde, daß er während des Gottesdienstes einschlief und erst am Ende der Predigt aus dem Schlummer aufschreckte, wenn die Orgel einsetzte.

Von Pastor Witte war die Rakwitzer Gemeinde eine lange Predigt gewöhnt. Als später von 1926 bis 1945 Pastor Schulz nicht eine Stunde, sondern nur 18 - 20 Minuten predigte, meinten manche Gemeindeglieder, es lohne sich nicht wegen einer so kurzen Predigt einen weiten Weg zu machen. Wem die Predigt in Rakwitz zu sanft war, der ging etwa nach Rothenburg, um von meinen Kollegen Wiegert eine aufrüttelnde Predigt zu hören, bei der bisweilen nicht nur der Prediger, sondern auch der Hörer in Schweiß geriet. Gern hörten wir auswärtige Geistliche, wie unseren Generalsuperintendenten Blau 1929 zur Generalkirchenvisitation in Rakwitz und 1939 zum 50-jährigen Jubiläum in Wiesenstadt (Wielichowo), oder Pastor Rudolph aus Grätz, der mich an dem zweiten Feiertagen vertrat oder Pastor Lassahn, der zum Jugendbundfest predigte, oder Pastor Löffler, der 10 Jahre nach seiner Ausweisung zu einem kurzen Besuch in Rakwitz weilte.

Zum Beginn der Liturgie pflegten wir uns zu erheben und blieben trotz der zwei Schriftlesungen stehen auch bis nach dem Glaubensbekenntnis, nach welchem der Klingelbeutel vom Küster herumgereicht wurde. Im Kriege verlängerte sich der Gottesdienst durch die Trauerfeiern, wenn ein Gemeindeglied gefallen war. Vor der Kirchentür standen die großen Opferkästen aus der Inflationszeit, während die alten festen kleinen Opferkästen an den Kirchentüren nicht mehr benutzt wurden.

Während des Sommers fanden unsere Gottesdienste in der Kirche statt. Im Winter zogen wir seit 1929 in den Konfirmandensaal um, der sich im Rothenburger Pfarrhaus auf dem Boden, in Rakwitz im Erdgeschoss des Pfarrhauses befand. Die Zahl der Besucher war in polnischer Zeit in Rakwitz etwa 140 bei 1350 Seelen, in deutscher Zeit zunächst geringer, stieg jedoch gegen Ende des Krieges wieder an.  Nach alter Ordnung saßen in Rakwitz die Männer auf der ersten Empore, die Jugendlichen auf der obersten, die Frauen im Kirchenschiff. Merkwürdig war die Sitzordnung in Rothenburg, wo die Plätze nach dem Besitz verteilt waren, so daß der reichste Bauer den vordersten Platz bekam. Wir spürten, dass diese Sitzverteilung nicht ganz christlich war.

Der Gedanke, daß einmal die Kirche ausfallen könnte, wurde abgelehnt. War der Pastor auf Urlaub oder war infolge der Ausweisung des Pastors Löffler 1925 die Pfarre vakant, so hielten die Kirchenältesten Lesegottesdienst, für welchen sie auf Ältestenkonferenzen geschult und mit den Lesepredigten „Gottesbrot“ versehen wurden. Der Gemeindegesang klang dank der Sangesfreudigkeit der Männer und infolge der vielen Singstunden, an denen die Gemeinde geschlossen teilnahm, so kräftig, daß ein vertretender Kollege vor Staunen über den schönen Gemeindegesang vergaß, auf die Kanzel zu steigen.

Die Mahnung, in der Freude die apostolische Mahnung Hebr. 12 nicht zu vergessen „Lasset uns nicht verlassen unsere Versammlung“ verbinde ich mit der Mitteilung, das Oscar Bederke-Rothenburg, Oswald Henschke-Rakwitz und Christa Wirth-Pruschkowo, geheiratet haben und das Friedrich Bederke-Friedheim die goldene Hochzeit gefeiert hat. Wir gedenken ihrer in unserem Gebet.

Wer bei der Begleichung der Kosten dieses Gemeindebriefes helfen will, zahle im Westen ein auf mein Postscheckkonto Hannover 74487, im Osten auf Postscheckonto Kirchendienst Ost Berlin N 4 Postscheckonto Berlin Ost 6305 (mit Vermerk „Gemeindebrief Rakwitz“)

Auf ein Wiedersehen am 28. Dezember in Rosche und Suhlendorf beim Abendmahlgottesdienst freut sich der alte Pastor Karl Schulz Hannover, Böttcherstr.10

Die Lehrerausbildung in Silz-Hauland

Zum Kennenlernen des Ortes vorweg ein paar Daten

Im Heft 9 der Wollsteiner Aufsätze hatte ich einen Beitrag von Ilse Weitzel geb. Schulz aus Jablone über die Lehrerausbildung in der Provinz Posen veröffentlicht. Nun habe ich noch ein paar Seiten über die Ausbildung von Schulamtsanwärter (Lehrer) in Silz-Hauland um 1850 und deren Finanzierung gefunden. Von der Stadt Wolsztyn habe ich vor Jahren dazu einig Unterlagen erhalten. Doch vorher ein kleiner Reisebericht nach Silz Hauland von Prof. Karl Graeter, Lissa, in der Zeitung „Aus dem Posener Lande 1915 -Wanderfahrt in das Obrabruch im Heumonat“ und ein paar Daten zum Dorf Silz Hauland.

In und am Obrabruch (Abschrift)

„Silz-Hauland! „Silz-Hauland!“ schallt der Ruf des Schaffners. Der Anfangspunkt meiner Fußtour ist erreicht. Kaum habe ich den Bahnhof hinter mir, so beginnt die Lokomotive zu fauchen und der Zug setzt sich nach Wollstein zu in Bewegung.

Silz-Hauland, nach der Angabe des dortigen Gastwirts 1756 von Brandenburgern begründet, liegt am Beginn des Obrabruches auf einer Sandhöhe, die sich inselartig aus dem tieferen Bruche erhebt. Wie bei den meisten Kolonistengehöften Südposens sind auch hier die Giebel der Straße zugekehrt. Neben älteren Blockhäusern gibt es auch massive Gebäude; häufig rankt sich an ihren Wänden Wein empor, auch begegnet uns hier ausschließlich noch der Ziehbrunnen. Neben der Schule (erbaut um ca 1865) ist eine kleine Kirche mit hohem, schrägem Dach errichtet, das einen Turm trägt, unter dem eine Uhr den Bewohnern die Zeit verkündet. Alle vierzehn Tage wird in ihr evangelischer Gottesdienst abgehalten.

Eine ziemliche lückenhafte Weidenallee führt zwischen wogenden Getreide- oder in voller Blüte stehenden Kartoffelfeldern zum Walde und an einem Einzelgehöfte vorbei zu dem neu gebauten Waldwärterhause. Im Walde sind neben den Kiefern Birken, Erlen und Eichen vertreten; da wo der Boden sich hebt, kommen noch Fichten und Tannen hinzu; Pirol, Fink und Kuckuck begrüßen mich; über eine Waldwiese schreitet gravitätisch ein Storch, der sich ein leckerhaftes Frühstück sucht. Auf der Straße herrscht ein lebhafter Verkehr, denn die Heuernte nimmt alle Hände in Anspruch. Der Wald ist stellenweise prachtvoll; namentlich fiel mir eine Gruppe von Eichen auf, von denen zwei gleich über dem Boden sich in zwei Stämme teilten. Soweit Prof. Graeter.

Nach der Volkszählung im Jahre 1905 (Gemeindelexikon für die Provinz Posen) hatte Silz Hauland

 - 261 Einwohner, davon waren 258 evangelisch, 3 katholisch – alle deutsch. 

Evangelisches Kirchspiel ist seit 1897 Altkloster. Die Kirche wurde von der Ansiedlungskommission in Altkloster gebaut und 1911 eingeweiht. 

Vor 1897 gehörte Silz-Hauland zur evangelischen Kirche in Wollstein. Die Kirche in Silz-Hauland wurde 1909 eingeweiht, zwei Jahre eher als in Altkloster. 

Bei der Einwohnererfassung im Herbst 1939 gab es 249 Einwohner in Silz Hauland (- 12).

Hiervon waren:    188 Deutsche (- 73) 61 Polen (+ 61)

Glaubensbekenntnisse: 186 evangelisch 63 katholisch, davon 61 polnisch.

In den Posener Stimmen, Ausgabe Juni 1971, berichtet Lehrer Alfons Glesmann, dass die Siedler - in der Schulchronik namentlich aufgeführt - „vornehmlich aus Schlesien stammten“. Prof. Graeter vermerkt hierzu (s.o.) in seinem Reisebericht „Brandenburg“.

Aus den Aufzeichnungen von Waldemar Fechner – der nach der Vertreibung in Hankensbüttel, Krs. Gifhorn wohnte – entnehme ich die Aufzählung der Gewerbebetriebe bzw. Handwerker in Silz – Hauland aus der Zeit nach 1900. Es gab dort:

3 Schuster (Schuhmacher) 2 Schneider 1 Bäcker 2 Stellmacher 1 Fleischer 1 Schmied

1 Tischler 6 Maurer  1 Kaufhaus     1 Gastwirtschaft (Fechner) 1 Fellhändler

1 Kolonialwarengeschäft 1 Viehhändler 3 Windmühlen

Die Dorfschule in Silz-Hauland war jedoch etwas Besonderes. Aber der Reihe nach:

Das Dorf wurde 1756 gegründet von evangelischen Wirthen (Bauern). Wann die Schule errichtet wurde, ist mir nicht bekannt. Es gibt aber einen Vorgang aus dem Jahre 1829 (liegt vor), in dem zwischen dem Dorf Silz und Silz Hauland ein Streit über zu hohe Verzehr- und Lohnkosten bei der Reparatur der Schule angefallen sein sollen. 

Diese Schule wurde 1864/1865 ? geschlossen und eine neue „evangelische“ Schule eingeweiht. Dieses Gebäude existiert noch in Silz Hauland rechts von der Kirche. Dieser Neubau hat auch bei der Finanzierung Probleme gemacht, weil die Baukosten nicht zur Zufriedenheit der Gemeinde Silz Hauland aufgeteilt waren. Die Gemeinde wollte diese Verteilung – ihrer Meinung zu viel für das Dorf und den Schulträger – nicht hinnehmen. Die königliche Regierung in Posen sollte ihren Beitrag höher ansetzen, mit dem Hinweis, weil dort der Lehrer Laube Schulamtspräparanden (Lehreranwärter) ausbildet. Wie der Streit ausgegangen ist, konnte ich nicht finden. Die evangelischen Einwohner der Dörfer Silz und Silz-Hauland bildeten den Schulträger und mussten Geld in die Schulkasse zahlen. Dies habe ich bei der Gemeinde Zodyn (Deutsch Zodien) auch festgestellt. 

Auch gab es Probleme mit der Bau-Holzbeschaffung. Hierzu hätte das Dominium (Domäne) Wroniawie Holz liefern müssen. Das Verfahren wurde beim Landratsamt in Wollstein anhängig. Wie es gelöst wurde, habe ich nicht ermitteln.

Im Jahre 1867 hat die Gemeinde für das Schulgebäude eine Glocke beschafft. Ein Protokoll zeigt auf, wann die Glocke geläutet werden sollte. Leider konnte ich aus der Schrift nur 2 Termine herauslesen. Pastoren haben manchmal auch eine schlechte Schrift.

Jeden Sonntag am Nachmittag um 3 Uhr soll die Glocke die Menschen zum Verlassen der Wohnung auffordern, damit sie zum Gottesdienst kommen. Das ist der Hinweis, dass in der Schule Gottesdienst gehalten wurde. Und die zweite Maßnahme war, wenn ein Dorfbewohner gestorben war.

Für das Läuten der Glocke war Lehrer Laube verantwortlich und erhielt dafür jährlich einen Taler.

Diese Vereinbarung haben unterschrieben der Gerichtsschulze Traugott Schmolke, die Gerichtsmänner Heinrich Schiller und August Matschke, Traugott Schiller, der Schulvorstand Samuel Tamke und Superintendent Gerlach.

Steuern und Abgaben der Gemeinde im Jahre 1868

Im Zusammenhang mit der Finanzierung der Schule hat der Gerichtsschulze Schmolke der Schulaufsicht über die Belastung der Gemeinde mit Steuern und Abgaben berichtet: (Abschrift)

Die hiesige Gemeinde hat pro 1868 an Steuern und Abgaben zu entrichten:

  1. Klassensteuer 197 Reichstaler(Rt) 27 Silbergroschen 9 Pfennig
  2. Rente ? wofür 240 --,-- --,--
  3. Grundsteuer   78  2 6
  4. An Staatszuschuss ?    2       18 1
  5. Gebäudesteuer   26 16 --,--
  6. Gewerbesteuer   15 25 3
  7. Kreis u. Kommunalbeiträge 138 16 8
  8. Obra-Melorationsbeitrag 194 29 10
  9. Feuer Sozität Beiträge 127 19 6
  10. Schulbeiträge  94                         23 8
  11. Kirchenbeiträge  28 20 --,--
  12. Nachtwächterlohn 12 Rt 
  13. 13. Schornsteinfeger   9 Rt 
  14.  14.  Schulzengehalt 6 Rt
  15. Amtsbotengehalt 8 Rt 16. Ansch. einer Feuerspritze  105 Rt  17. An  ?  Ausgaben 15 Rt15. 

Unterschrift: Das Schulzenamt  Schmolke

Bei der Nr. 2 . könnte es sich um Zahlungen (Ablösungen) an das Dominium Wroniawie handeln, für Flächen, die 1756 vom Dominium noch nicht erworben waren bzw. zwar im Besitz der Gemeinde waren, aber noch nicht Eigentum.

Die Schulaufsicht führte zu dieser Zeit bei evangelischen Schulen ein Pastor. Im Kreis Bomst (Wollstein) war es zu dieser Zeit Sup. Intendent Gerlach aus Wollstein. Diese Regelung, dass Pastoren der „Schulrat“ waren, blieb bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Katholische Schulen hatten eine Verwaltungsaufsicht. Schreiben an den Herrn Superintendenten begannen mit der Anrede: 

Hochwürdiger Herr, Höchstverehrtester Herr Superintendent.

Aus den vorhandenen Unterlagen entnehme ich, dass die Ausbildung des Lehrernachwuchses für die Elementarschulen (Grundschulen) zur damaligen Zeit von begabten Dorfschullehrern durchgeführt wurde. Im Jahre 1857 wurden in Silz Hauland 5 Präparanden vom örtlichen Lehrer Laube unterrichtet und ausgebildet. Die höchste Zahl, die ich finden konnte, waren 15 Präparanden – in Silz Hauland! Sie blieben bis zu 3 Jahren dort zur Ausbildung. Die praktische Ausbildung wurde an der Dorfschule in Silz Hauland geübt. Nach Abschluss der Theorie gingen sie als Lehrer in das Praktikum zu einer anderen Schule, machten dort noch einmal eine Prüfung und die Ausbildung als Dorfschullehrer war danach beendet.

Die Präparanden hatten für die Ausbildung zu zahlen – u.a. Unterkunft, Verpflegung, Papier. Sie erhielten je nach Vermögenslage der Eltern von der Königlichen Regierung in Posen Zuschüsse. Von den 5 anwesenden Präparanden im Jahre 1857 erhielten im Quartal Johann Neumann 3 Reichstaler (Rt), Pietsch, Klimke, Schwaebe und Schillmann je 1 Rt und 15 Silbergroschen (sgr). Das Geld bekam die Königliche Kreiskasse in Wollstein von der Königlichen Regierung in Posen und musste jedes Quartal neu beantragt werden. Sup. Intendent Gerlach hatte das Geld gegen Quittung an die Empfänger auszuzahlen. Auch Lehrer Laube bekam im Jahre 1861auf Antrag einen Zuschuss für seinen Mehraufwand (12 Präparanden) in Höhe von 30 Rt, Einen 2. Lehrer habe ich nicht entdecken können. Immerhin bei 53 Schülern in Silz Hauland. Auch der Dorfschulze Kretschmer aus Neudorf hat seine Kinder in dieser Zeit nach Silz Hauland zur Schule geschickt. (Manfred Kretschmer kommt aus Neudorf. Es waren seine Vorfahren).

Woher kamen die Präparanden nach Silz Hauland? 

Nach einer Liste mit 12 aufgeführten Präparanden aus dem Jahre 1858, kamen aus dem Kreis Bomst/Wollstein 8 - Carl Finke aus Kopnitz, Ernst Breuer aus Gloden, Wilhelm Gaedke aus der Colonie Ruden, Wilhelm Neumann aus Silz Hauland, Gottlieb Kliemke aus Blenke, Carl Ed. Zippel aus Alt Obra, Carl Zerbe aus Rostarzewo und Eduard Hauch aus Tarnowo. 

Aus dem Kreis Kolmar 1, dem Kreis Schmiegel 1, Berlin 1, Krs. Greifenhagen/Pommern 1.

Die Eltern dieser Zöglinge (so hießen sie auch) waren Familien ohne Vermögen (Tagelöhner, Waldwärter, Witwe, Schneider, Müller, Schwarzviehhändler).

Prüfung in Silz Hauland (Prüfungsplan/Abschrift)

„Bemerkungen der Gegenstände in denen die Zöglinge geprüft werden können (1858)“

  1. Biblische Geschichte und Bibelkunde
  2. Katechismus und Sprüche
  3. Auswendig erlernte Lieder, Episteln und Evangelien
  4. Kirchen und Reformationsgeschichte
  5. Gesang

Allein 5 von 13 „Gegenständen“ betreffen die Kirche. Es waren 34 Lieder auswendig zu lernen und von 104 Kirchenliedern mussten sie die Melodien vortragen können. H.E.

  1. Weltgeschichte nebst polnischer Geschichte
  2. Geographie der ganzen Erde – Mathematische und Physikalische Geographie
  3. Deutsche Sprache; als Einleitung derselben Deutsche Literatur
  4. Rechnen
  5. Raum und Formlehre, verbunden mit Geometrie
  6. Naturgeschichte 
  7. Naturlehre oder Physik
  8. Musik

Die Staatlichen Präparandenanstalten Die „Dörfliche Ausbildung“ wurde bald abgelöst durch staatliche Präparandenanstalten und anschließenden Lehrerseminaren. Die „Dörfliche Ausbildung“ wurde bald abgelöst durch staatliche Präparandenanstalten und anschließenden Lehrerseminaren. In Wollstein entstand im Jahre 1880 eine entsprechende Präparandenanstalt mit Lehrerseminar. Sie war für die Ausbildung von katholischen Lehrern vorgesehen und die evangelische Einrichtung stand in Karge/Unruhstadt. War es in Wollstein eine Neuanlage, nutzte die Schulverwaltung in Karge das Schloß, aus dem das 10. Ulanen-Regiment ausgezogen und nach Züllichau in neue Kasernen verlegt wurde. Gute Schüler von den Elementarschulen wurden weiterhin zu Lehrern für Elementarschulen ausgebildet. Sie erhielten in den Präparandenanstalten eine zusätzliche Weiterbildung, die sie befähigte, mit verbesserter Bildung, das Lehrerseminar zu besuchen. H.E.

 Schule Silz-Hauland nach 1910 – dahinter die Kirche


Wir gedenken der Verstorbenen Heimatfreunde, die seit dem 

Herbst 2020  verstorben sind.

23.10.2020 Adolf Matzke – Aulendorf – Neu Obra Hauland 99 Jahre

12.12.2020 Eberhard Jochmann – Frankfurt/M. – Berlin 85 Jahre

Jan. 2021    Rudolf Jaekel – Bernburg – Mauche

13.01.2021 Edith Holzherr geb. Rosenau – Reutlingen – Neu Borui 96 Jahre

29.04.2021 Herwig Fenske – Oldenstadt – Kirchplatz 87 Jahre

20.05.2021 Hanna Klatt geb. Hake – Oldenstadt – Mühlental 84 Jahre

24.05.2021 Elsbeth Meyerholz geb. Burkert – Thune/Schnega – Alt Widzim 90 Jahre

25.05.2021 Christian Hinrichs – Suhlendorf – Neu Borui (Mutter) 64 Jahre

11.06.2021 Heinz Burchardt – Rostock – Paulswiese 91 Jahre

05.08.2021 Gerhard Schauer – Dortmund – Elisabethhof 82 Jahre

16.09.2021 Marlit Meyer geb. Muster – Bonn – Friedheim 93 Jahre

12.10.2021 Erika Haake  Westerweyhe  -Tannheim/Weber 70 Jahre


Wir gedenken unserer toten Heimatfreunde mit dem Spruch über dem Eingang der 

Deutsch Zodiener  Friedhofskapelle

„Sei getreu bis in den Tod“


Herausgeber : Heimatkreis Wollstein e.V. 

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