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Hanstedt II, 20.01.1947

hkw brief 001 webIhr lieben Alle!
(1) Heut sind es nun 2 Jahre her
Als wir mal mussten fort,
Verlassen unser Haus und Hof
Und unseren Heimatort,
Und wie wir zogen dann hinaus
Aus unserem Warhegau
Bei Schnee und Eis bei starkem Frost
Die Luft war kalt und rau.

Hier befindet sich der Brief im pdf Format


 

 

Anfang Dezember 1944 hatte ich 3 Wochen Genesungs-Urlaub. Nach etwa 2 Wochen bekam ich Rheuma. In unserem Dorf Kolpin waren auf dem Gut 50 russische Kriegsgefangene beschäftigt. Zur Bewachung waren 2  Soldaten abkommandiert, die sagten, geh` doch mal ins Lazarett. Im ehemaligen Gymnasium Nähe Bahnhof, wo noch 1943 Soldaten lagen, war mein Lazarett. Ich wurde gleich behandelt. Etwa 10 Tage vor Weihnachten sagte der Arzt, heute nachmittag alle Mann im Bett bleiben, wir bekommen hohen Besuch. Nach 14.00 Uhr kam die Frau Gräfin von Schliefen mit 2 Hausmädchen voller Körben, kleinen Päckchen und Gebäck herein. An unseren Betten hing immer eine Fiebertafel mit Namen. Als die Frau Gräfin meinen Namen las, fragte sie, ob ich denn ein Sohn von Gustav Kattner wäre, ich sagte, ja. Zu ihnen komme ich später. Wir lagen etwa mit 25 Mann im Saal. Sie kam dann und setzte sich auf die Bettkante, fragte, was ich habe und wo ich überall war. Sie wünschte uns ein schönes Weihnachtsfest. Am späten Nachmittag war immer nochmals Visite. Beim Hinausgehen verkündete der Arzt, 2 Soldaten aus diesem Saal seien für nächsten Sonnabend zur Gräfin nach Schliefenwalde eingeladen:  es sind der Obergefreite, ein Rheinländer und auf besonderen Wunsch der Gräfin, der Gefreite Kattner. Meldet euch morgen auf der Schreibstube.

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