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Vereinsgeschichte

 


 

Der Verein „Heimatkreis Wollstein e.V.“

Der Heimatkreis Wollstein e.V. ist die Vereinigung der Deutschen aus dem Kreis Wollstein (Wolsztyn), die nach Flucht und Vertreibung in Deutschland und dem westlichen Ausland ein neues Zuhause oder eine neue Heimat gefunden haben.

Am 20. Januar 1945 gingen die Deutschen des Kreises Wollstein überwiegend mit pferdebespannten Ackerwagen unter Führung ihres Landrates Rolf Schneider (dem späteren Ministerialdirigenten im Nds Wissenschaftsministerium) auf die Flucht und erreichten mit ca. 7.500 Personen, einem Trecker mit Anhänger, einem Opel-Blitz/Holzvergaser, einer Zugmaschine mit Anhänger und ca. 1.800 Pferden ab dem 15. Februar 1945 den Ort Suhlendorf im Kreis Uelzen (Niedersachsen). Hier endete die Flucht der „Wollsteiner“. Die eintreffenden Treckwagen wurden von der in Suhlendorf  befindlichen Treckleitstelle, die von der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) des Kreises Wollstein und Uelzen besetzt war, in die Dörfer des Kreises Uelzen eingewiesen. Mit der Einweisung in die Dörfer war die Verwaltungshoheit des Wollsteiner Landrates Rolf Schneider beendet, seine Verwaltung und die Verwaltung der Gemeinden aufgelöst.

 Die erste Aktivität der „Wollsteiner“ ist aus dem Jahre 1946 überliefert.  Pastor Karl Schulz (früher Rakwitz) berief unter dem Organisationsdach der Kirche in Veerßen bei Uelzen die erste Zusammenkunft ein. Nur die Kirche hatte diese Möglichkeit, weil die Siegermächte für Vertriebene ein Koalitionsverbot (Organisationsverbot) erlassen hatten. Erst später, als das Verbot aufgehoben worden war, gründete sich mit der  Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) ein Dachverband der Flüchtlinge und Vertriebenen aus Polen, in dem sich  auch die „Wollsteiner“ organisierten. Sie bildeten damals zahlenmäßig die stärkste Gruppe in der LWW des Kreisverbandes Uelzen wie auch als Besucher bei den jährlichen Heimattreffen in Uelzen.

 Im Jahre 1957 übernahm der Landkreis Uelzen die bis heute fortbestehende Patenschaft für die Deutschen aus dem Kreis Wollstein. Der erste „Sprecher der Wollsteiner“ war der Eisenkaufmann Bruno Schulz aus Wollstein, der schon in der Zeit ab 1918 große Verdienste um die Belange der Deutschen im Kreis Wollstein erworben hatte.

 Für das neue Aufgabenfeld  „Wollsteiner Heimatstube“ im „Haus Wollstein“ in Bad Bevensen musste im Jahre 1981 ein rechtsfähiger Träger gefunden werden. Dies war die Geburtsstunde des Vereins „Heimatkreis Wollstein e.V.“(HKW) . Er wurde Träger der Wollsteiner „Heimatstube als Erinnerungsort“ mit musealen Gegenständen, Bildern, Urkunden, Karten aus dem Kreis Wollstein und einer Einrichtung, die auch kleinere Veranstaltungen bis zu 36 Personen zulässt. Ein Archiv wird zusätzlich unterhalten. Die Mitglieder verfügten  in den ersten Jahren über eine Doppelmitgliedschaft – sowohl in der Landsmannschaft als auch im Heimatkreis –   oder sie kamen als Neumitglieder direkt zum „Heimatkreis“. Heute sind die Einzelmitgliedschaften nur noch im HKW organisiert.

 Waren die ersten Jahrzehnte nach Flucht und Vertreibung u.a. der Regelung von Lastenausgleich, Rentenangelegenheiten, Hausratsentschädigung, Wohnungs- und Arbeitssuche vorbehalten,  so hat sich die Arbeit der LWW ebenso wie  die des Heimatkreises mittlerweile erheblich verändert. Heute steht die Kulturarbeit und die Aufarbeitung und Weitergabe der eigenen Geschichte im Vordergrund. Einen breiten Raum nimmt auch die Verständigung mit unseren  polnischen Nachbarn ein. Wir hatten im Kreis Wollstein alle einen „polnischen Nachbarn“! Seit 1990 führen wir regelmäßige Busreisen nach Wollstein (Wolsztyn) durch, besuchen dort alte Bekannte und Freunde und haben über die Jahre auch viele neue Bekanntschaften gemacht und Freunde hinzugewinnen können.

Unsere Veranstaltungen und Aktivitäten zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus. Neben dem traditionellen Heimattreffen im Oktober jeden Jahres führen wir unsere kirchlich geprägte Adventsfeier durch. Als gesellige Veranstaltung ist das „Hauländer-Preisknobeln“ in der Heimatstube ebenso eine langjährige Einrichtung, wie auch der Busausflug nach der Mitgliederversammlung in die nähere Umgebung. Beim  Grützwurst- oder Eisbeinessen. finden wir uns einmal im Frühjahr und im Herbst zu einem traditionellen Essen aus heimischer Küche ein. Die „Wollsteiner Heimatstube“ ist von April bis einschliesslich Oktober jeden Dienstag von 10 – 12 Uhr nach vorheriger telefonischer Rücksprache zu besichtigen.

Zur Information der „Wollsteiner“ bringen wir 2 x jährlich die „Wollsteiner Zeitung“ heraus – ein mehrseitiges Rundschreiben mit aktuellen wie historischen Berichten und Nachrichten für Mitglieder und Nichtmitglieder. Zudem wurden  in all den Jahren drei Festschriften veröffentlicht. In der Reihe  „Wollsteiner Aufsätze“ sind bisher 7 Hefte mit Beiträgen, Aufsätzen und längeren Informationen über die Geschichte des Landkreises Wollstein und seinen ehemaligen deutschen Bewohnern erschienen. Die Serie wird fortgesetzt. Auch im Jahrbuch Weichsel-Warthe werden Beiträge über den Kreis Wollstein publiziert.

Wir pflegen heute gute Kontakte  zum Landkreis Wolsztyn (Wollstein) wie auch zur Stadt Wolsztyn (Wollstein) und den zwei Großgemeinden Przemet (Priment) und Siedlec (Scheltz).  Die kommunalen Spitzenvertreter wie Starost (Landrat), der Bürgermeister der Stadt Wolsztyn (Wollstein) und die Woyt’s der Großgemeinden waren schon mehrmals als Gäste  in Uelzen und bei verschiedenen Veranstaltungen des Heimatkreises zugegen. Und auch wir sind  als Heimatkreis bereits zu verschiedenen Veranstaltungen des Kreises und der Stadt Wolsztyn (Wollstein) eingeladen gewesen und haben mit Abordnungen teilgenommen.

Seine Vereinsarbeit finanziert der Heimatkreis durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Er erhält keine institutionellen Mittel nach § 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes.

Der HKW unterhält eine Partnerschaft mit dem Robert-Koch Museum in Wolsztyn (Wollstein) und die Musikschule für Kreis und Stadt Uelzen mit der Musikschule Wolsztyn (Wollstein). H.E.10.11

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